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Naher Osten

Krisen und Konflikte

Syrien: Humanitäre Hilfe im Konflikt

Syrien: „Uns ging es gut“

familienfotoDie Wohnung von Rafaa M. wurde von Soldaten verwüstet, ihren Mann fand sie tot auf. Dank ihrer Nähmaschine verdient die alleinstehende Mutter ein wenig Geld.Caritas Luxemburg

Sie heißen Fatima M. J. und Rafaa M. Al S. soowie lham M. Al D. und Kawthar. Y. al-F. Die vier Frauen sind zwischen 25 und 41 Jahre alt. Sie kennen sich nicht, aber sie alle sagen wortwörtlich diesen Satz: "Uns ging es gut."

Heute gilt dieser Satz nicht mehr, denn sie haben viel verloren. Ihre Männer und ihr Zuhause, ihren Glauben an das Gute und die Hoffnung auf die Zukunft.

Wir sind unterwegs in Syrien nahe der türkischen Grenze. Immer wieder stößt man auf informelle Zeltlager und Flüchtlingscamps. Und hier treffen wir auf die vier Frauen. Sie erzählen uns ihre Geschichte, die Gesichter sind dabei starr, müde und grau. Sie sind nicht allein, denn sie haben ihre Kinder dabei. Und das ist für die vier auch der Grund, dieses Elend durchzuhalten und weiterzumachen. "Das Leben hier ist so unglaublich hart", sagt Kawthar Y. "Aber ich werde für meine Kinder bis zum Ende kämpfen, und dann werde ich zurückkehren in unser Dorf."

Ob dieses Dorf dann noch steht, ist unklar. Denn die Frauen sind geflohen, als der Krieg vor ihrer Haustür begann. Iham M. weiß, dass ihr Haus unwiederbringlich zerstört ist. Bomben fielen darauf und rissen ihren Mann und zwei ihrer Kinder in den Tod. Die Wohnung von Rafaa M. wurde von Soldaten verwüstet, das wenige, was wertvoll war, nahmen sie mit. Vorher wurde ihr Mann deportiert. Rafaa M. selbst fand ihn Tage später in einem leer stehenden Haus. Tot.

provisorische Unterkunft mit PlanenIn dieser provisorischen Unterkunft an der syrisch-türkischen Grenze lebt Kwathar M. mit ihren Kindern. Caritas Luxemburg

Warten auf  Hilfe

Wirklich vermögend war keine der Familien. Aber sie waren zufrieden mit ihrem Leben. "Bevor mein Mann starb, war unser Leben gut, wir litten keine Not, und wir brauchten nichts. Doch seit dem Krieg ist alles anders", erzählt Fatima. Der Mann von Kawthar Y. arbeitete auf dem Bau, der von Iham M.  war Landwirt.

Jetzt haben sie praktisch nichts mehr und fühlen sich ohnmächtig und ausgeliefert: "Wir sitzen hier im Zelt und warten auf Hilfe", so die  kurze Bilanz von Fatima M. Seit langem sucht sie nach einem Job, um wenigstens etwas Geld zu verdienen. Ähnlich ist es bei Iham M.: "Das Leben hier im Lager ist sehr hart. Es gibt nichts, was wir tun könnten und keine Möglichkeit, zu arbeiten." Nur Rafaa M. hat es besser getroffen. Mit einer geliehenen Nähmaschine kann sich die gelernte Schneiderin ein kleines Einkommen sichern. "Ich bin wirklich glücklich, dass ich wieder arbeiten kann", erzählt sie und erinnert sich dann daran, wie sie in jungen Jahren das Handwerk lernte und wie viel Aufträge sie damals hatte. Sie lächelt dabei.

Es sind vielleicht die Erinnerungen an die guten Tage, die den Frauen helfen, durchzuhalten. Und dann gibt es doch auch Hoffnungen, dass es besser werden könnte. Der Willen ist noch da! "Eines Tages werde ich nach Hause zurückkehren, und dann werde ich diese Zeit hier hinter mir lassen", so spricht es Fatima M. mit Nachdruck aus.

Das Caritas Team Luxemburg, 8. März 2016