zurück

Naher Osten

Krisen und Konflikte

Syrien: Humanitäre Hilfe im Konflikt

Winter in Syrien

Viele Familien nutzen die Zentralheizung in ihren Wohnungen nicht mehr. Sie verbraucht zu viel Öl. Selbst für Angehörige der Mittelschicht wird das zu teuer. Stattdessen benutzen sie kleine Heizkörper und heizen mit Holz oder Gas. Alles, um die Kosten zu senken. Die Kehrseite der Medaille sind der entstehende Rauch und sich ausbreitende Atemwegserkrankungen.

Caritas-Mitarbeiter überreicht Gutschein an eine syrische Mutter mit ihrem KindWalaa Al-Halabi erhält im Caritas-Büro in Damaskus einen Gutschein für Kleidung und Kinderschuhe. Foto: Caritas Syrien

Mounir aus Damaskus erzählt: "Wir haben schon im Jahr 2013 aufgehört, die Zentralheizung zu benutzen. Das Öl ist sehr teuer, es ist eigentlich unerschwinglich. Wir benutzen kleine elektrische Heizkörper, wenn wir gerade Strom haben. Wenn nicht, dann nehmen wir Gasheizer. Die sind eigentlich zu klein, um das ganze Appartement zu heizen. Meine Tochter leidet an Asthma. Es ist alles so ungesund.” 6,5 Millionen Menschen in Syrien sind Binnenvertriebene. Der Krieg dauert an. Viele verlassen ihre Häuser in Damaskus, Hassakeh und Aleppo. Sie fliehen in Panik, mit nichts außer dem, was sie auf dem Leib tragen. Aber das reicht nicht aus, um die Kälte abzuhalten.

Yusra hat vier Kinder, die alle jünger als sechs Jahre sind. Sie sagt: "Meine Kinder haben keine wärmeren Sachen. Wir mussten alles, was wir besaßen, zurücklassen. Als wir fliehen mussten, warfen wir mehr und mehr von unserem Gepäck weg. Wir konnten es nicht mehr tragen. Wir waren zu erschöpft. Wir kamen in Damaskus nur mit der Kleidung an, die wir auf dem Leib trugen. Mit nichts sonst."

Die Schulen nutzen ebenfalls keine Zentralheizungen mehr. Die Familien hüllen  ihre Kinder für die Schule mit allem, was sie an Kleidung haben, ein. Fadi, ein zehnjähriger Junge, sagt: "Eigentlich mag ich die Schule. Aber jetzt ist sie zu voll. Wir sind 65 Kinder in einem einzigen kleinen Klassenzimmer.”

"Und die Kälte macht das alles noch schlimmer. Jedes Schulkind ist dick angezogen. Wir passen nicht mehr auf die Stühle, weil wir so viel Kleidung übereinander tragen. Da arbeitet im Winter mein Gehirn einfach nicht mehr. Wenn ich heimkomme, dann erklärt mir meine Mutter den Schulstoff.”

Manche Familien leben in öffentlichen Parks. Der Regen und Schnee machen den Winter für sie zur Qual. Khadidscha, eine Mutter von zwei Kindern, berichtet: "Wir haben unser Dorf in Ghouta vor einigen Monaten verlassen. Meine Familie und die meiner Schwägerin leben in einem Park in Damaskus. Das hielten wir immer noch für besser als eine überfüllte Notunterkunft. Dort gibt es keine Privatsphäre und intimste Dinge muss an mit Fremden teilen.

"Im Sommer war das Leben im Park, trotz Temperaturen bis zu 45 Grad, ganz in Ordnung. Aber jetzt, im Winter, wissen wir nicht mehr, was wir tun sollen. Vor einigen Tagen hat es geregnet. Wir harrten alle in den Toiletten im Park aus, bis der Regen nachließ. Wir müssen jetzt wohl in eine Notunterkunft zurück. Wir haben keine andere Wahl.” Neben Hilfsmaßnahmen wie medizinischer Versorgung, Bildungsmaßnahmen, Bereitstellung von Unterkünften und psychosozialer Betreuung hat die Caritas nun 500 Familien in Damaskus mit Gutscheinen für warme Kleidung und Kinderschuhe versorgt. Jeder Gutschein enthielt zwei Angebote, eines für Kleidung und eines für Kinderschuhe.

Ein syrischer Junge probiert einen Schuh in einem SchuhgeschäftWalaa Al-Halabi beim Kauf von neuen Kinderschuhen mit ihrem Sohn Fahed. Foto: Caritas Syrien

Majida ist eine Mutter von vier Kindern. Sie sagt: "Sie können sich nicht vorstellen, wie glücklich ich war, als ich erfuhr, dass die Caritas meinen Kindern Winterkleidung geben wird. Das war eine riesige Erleichterung. Die Preise für Kleidung sind nicht mehr zu bezahlen. Neue Kleidung zu bekommen war für meine Kinder ein Traum. Sie brauchen diese Hilfe, um zur Schule gehen zu können und damit sie in unserem Apartment nicht frieren müssen.” Durch die Gutscheine konnten die Familien in verschiedenen Geschäften ihre Kleidung selbst aussuchen. Walaa, Mutter von drei Kindern, sagt: "Ich machte mir schon Sorgen, ob ich es mir leisten könne, für meine Kinder Winterkleidung zu kaufen. Jetzt, da die Caritas uns welche angeboten hat, bin ich diese Sorge los.”

"Meine Söhne sind ganz glücklich darüber,dass sie sich selbst welche aussuchen können. Fahed war begeistert, als er sich einen Pullover kaufte, auf dem ein Bild seines Lieblings-Cartoons drauf war. Er sagte, nun würden ihn alle in seiner Klasse beneiden. Ich danke der Caritas so sehr, dass sie meinen Kindern Kleidung und so viel Freude beschert hat!”
 

Sandra Awad (Caritas Syrien) im Dezember 2016