AFRIKA  

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Sudan: Hilfsprogramme für Hungernde und Vertriebene in Südsudan

Die Situation

Der Südsudan, durch die Erdöl-Vorkommen eigentlich reich, ist nur auf dem Papier befriedet. Neben aufkeimenden ethnischen Auseinandersetzungen und brutalen Überfällen von Milizen aus dem Nachbarland, vernichten immer wieder Dürreperioden die Ernten.  

Karte Sudan

Mit einer überwältigenden Mehrheit von nahezu 99% der Stimmen haben sich die Südsudanesen im Januar in einem Referendum für die Loslösung von der Zentralregierung in Khartum entschieden. Das Referendum war 2005 nach einem 22 Jahre dauernden brutalen Bürgerkrieg zwischen der Regierung in Khartum und verschiedenen Befreiungsbewegungen, unter anderem der "Sudan People's Liberation Army" (SPLA), vereinbart worden. In dem Krieg starben zwei Millionen Menschen, vier Millionen Menschen wurden vertrieben.

Beobachter bewerteten die Wahl als friedlich und professionell. Ebenso klar wie das Wahlergebnis ist aber auch, dass der Weg zur Abspaltung eine Herkulesaufgabe ist. Die offiziellen Unabhängigkeitsfeiern fanden am 9. Juli 2011 statt.

Eine Einschätzung zur Lage im Südsudan nach der Unabhängigkeit hat der Leiter des Referats Afrika bei Caritas international, Christoph Klitsch-Ott, am 8. Juli 2011 in einem Interview des SWR gegeben.

Eine der großen Herausforderungen neben dem Aufbau der südsudanesischen Regierung ist auch die Neuausrichtung der Politik im Norden des Landes. Viele Fragen bergen weiterhin Konfliktpotenzial. So liegen die ertragreichen Erdölfelder, die momentan noch Milliarden in die Staatskasse des nordsudanesischen Präsidenten al-Bashirs spülen, im Südsudan. Ob diese Einnahmen nach der eventuellen Autonomie des Südens aufgeteilt werden, bedarf noch der Klärung.

Die südsudanesische Regierung wird dafür kritisiert, dass sie die Öl-Einnahmen in den fünf Jahren nach dem Friedensschluss nicht - wie vereinbart - in Infrastruktur und Entwicklung investierte. Weiterhin fehlen in großen Gebieten Südsudans, das ungefähr doppelt so groß ist wie Deutschland, grundlegende Einrichtungen wie Schulen, Krankenhäuser, saubere Wasserquellen und Straßen. Qualifizierte Fachkräfte wandern nach Kenia und Uganda aus.

Die jetzt politisch Verantwortlichen  (meist ehemalige Kämpfer) haben keine oder wenig administrative oder politische Erfahrung. Der Kampf gegen den Norden und das Streben nach Abspaltung war das wesentliche verbindende Element innerhalb der SPLM.

Englischsprachiges Video zur Unabhängigkeit Südsudans. Michel Roy 

Der Südsudan - ein Pulverfass

Bischof Kussalla von Tombura-Yambio im Südwesten des Südsudan kennt als Einheimischer die große Herausforderung in einem Gebiet zu arbeiten, in dem neun von zehn Menschen unter der Armutsgrenze leben, die Analphabetenrate 80 Prozent beträgt und die Kindersterblichkeitsrate zwischen 30 und 40 Prozent liegt.

"Da es keine funktionierende Regierung gibt", sagt Bischof Kussala, "stellt die Kirche viele soziale Dienste bereit, wie beispielsweise Krankenversorgung und Schulbildung und kümmert sich um die Menschen, die vor der Gewalt fliehen".

Südsudan ist ein Pulverfass verfeindeter ethnischer Gruppen und Stämme. Es gibt mehr als 50 Volksgruppen, die zirka 400 Dialekte sprechen. Im Bürgerkrieg haben sie sich zum Teil heftig bekämpft. Ansteigende Raubüberfälle und tödliche Zusammenstöße zwischen Stämmen sind Ausdruck von Instabilität und Unsicherheit.

Bischof Kussala bereist sein Bistum, um die Bevölkerung zu ermahnen, nicht mit Gewalt zu reagieren. Aber er hat nur begrenzte Möglichkeiten und glaubt, dass der Regierung die Zeit davon läuft.

Gewaltsame Konflikte

Hütte in Südsudan
Südsudan: Ein täglicher Kampf ums Überleben
Foto: agenda / Karin Desmarowitz

Die Situation hat sich nach dem Auftauchen der Lord's Resistance Army (LRA), einer Miliz, verschlimmert. Die LRA war vorher im nördlichen Uganda aktiv, wo sie einen 20-jährigen Feldzug gegen die Armee führte, der von Menschenrechtsverletzungen, Entführung, Folter, Mord und Vergewaltigung gekennzeichnet war. Nun verlagerten sie ihre Aktivitäten in die dichten, äquatorialen Trockenwälder zwischen Sudan, der Demokratischen Republik Kongo und der Zentralafrikanischen Republik.

Überlebende aus kleinen Dörfern in Südsudans westlichem Bundesstaat Äquatoria werden von Rebellen mit Macheten, Äxten und Schusswaffen angegriffen. Sie morden, vergewaltigen und entführen Männer, Frauen und Kinder.

Lokale Milizen haben sich gebildet, um gegen die Rebellen Schutz zu gewährleisten. Diese Gruppen kämpfen momentan mit Pfeil und Bogen, Speeren und Netzen gegen die Kalaschnikows der LRA. Südsudans Präsident Salva Kiir sagte im Juni 2009 militärische Verstärkung im Kampf gegen die LRA zu. Aber der UN-Sonderbeauftragte für Menschenrechte in Sudan, Sima Simar, hält die Reaktion der Regierung auf die Bedrohung für völlig unzureichend.  

"Die Menschen fliehen aus den ländlichen Gegenden in die Städte, um Schutz zu suchen", sagt Bischof Kussala aus Tombura-Yambio. Die Schülerzahlen pro Klasse in kirchlichen Schulen sind von 45 auf 300 Kinder gestiegen.

Im Zuge des Referendums haben sich schätzungsweise zwei Millionen im Bürgerkrieg Vertriebene aus dem Norden auf den Weg zurück in den Süden gemacht. Im Norden des Sudan fürchten sie Marginalisierung und Verfolgung. Aber im Süden herrscht extreme Armut. Ohne die Möglichkeit, dort Felder zu bestellen, leiden sie häufig Hunger. Erst im Winter 2009 / 2010 vernichtete eine lang anhaltende Dürre die gesamte Ernte der Region und führte zu einer Hungersnot. Hinzu kommen miserable Unterkünfte ohne ausreichenden Schutz vor Kälte und Regen.

Die katholische Kirche und Caritas arbeiten in Flüchtlingslagern und in Gemeinden, um den dringendsten Bedürfnissen gerecht zu werden. Sie hilft den Menschen im Südsudan mit Nahrungsmittelhilfen und durch die Verteilung von Saatgut, Werkzeug und Düngemittel. Diese Hilfsgüter sollen den Familien ermöglichen, sich wieder selber versorgen zu können.

Das Hilfsprogramm für Kriegsopfer und rückkehrende Kriegsflüchtlinge im Südsudan wird vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) unterstützt.

Juli 2011


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