Südafrika: Aidshilfe und Unterstützung von Aidswaisen
Die Situation
In keinem anderen Land der Welt gibt es mehr HIV-Infizierte als in Südafrika. Und doch hat die Regierung das Problem jahrelang verharmlost oder gar ignoriert. Inzwischen jedoch sagt Südafrika mit einem ehrgeizigen Programm Aids den Kampf an.
Die Zahlen sprechen für sich: Nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation waren 2008 etwa 5,7 Millionen Menschen in Südafrika
HIV-positiv. Mit einer landesweiten Infektionsrate von 13,6 Prozent ist in erster Linie die schwarze Armutsbevölkerung betroffen. Besonders
dramatisch sind die Zahlen bei den 20 bis 34- jährigen Frauen: Von ihnen sind rund 33 Prozent HIV-positiv, in einigen Gegenden
sind es sogar über die Hälfte. Wegen Aids steigt die Sterblichkeitsrate bei Kindern unter fünf Jahren bis zum Jahr 2010 um
das Dreifache.
Gegenwärtig gibt es mehr als 1,5 Million Kinder, die ohne Eltern aufwachsen. Für das Jahr 2015 prognostiziert das südafrikanische
Gesundheitsministerium, dass jedes dritte Kind Aidswaise sein wird. In Südafrika gibt es immer mehr Familien, in denen ältere
Geschwister für die jüngeren sorgen müssen - häufig übernehmen sie zusätzlich die Pflege für die gebrechlichen Großeltern,
bei denen sie nach dem Tod der Eltern untergekommen sind.
Die Folgen der extrem hohen HIV-Rate zeigen sich in allen sozialen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Bereichen. Die
Einkommen schaffende erwachsene Bevölkerung stirbt und hinterlässt Kinder und Alte in einer wirtschaftlich desolaten Situation.
Kehrtwende in der Aids-Politik
Mit verantwortlich für die extrem hohe Rate an Infektionen ist das Versagen der Gesundheitspolitik in den vergangenen Jahren. Während der Amtsperiode des Präsidenten Thabo Mbeki wurden seitens der umstrittenen Gesundheitsministerin Tshabala-Msimang wissenschaftliche Erkenntnisse über die Pandemie schlichtweg ignoriert oder gar geleugnet. Erst die Neubesetzung des Ministeriums machte den Weg frei für eine Umorientierung.
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| Aufklärungskampagne in einem der Caritas-Projekte |
Inzwischen hat die Regierung unter Jacob Zuma eine neue Ära im Kampf gegen Aids eingeläutet. Zuma selbst hatte sich zwar vor
wenigen Jahren noch mit bizarren Vorstellungen über Präventionsmaßnahmen zum Gespött der Medien gemacht. Doch das neue, ambitionierte
Regierungsprogramm gegen die Immunschwäche räumt mit den Fehlern der Vergangenheit gründlich auf.
Mit großangelegten Aufklärungs- und Präventionskampagnen, dem ausgeweiteten, kostenlosen Zugang zu HIV-Tests und medikamentöser
Therapie auch im Frühstadium der Krankheit soll die Pandemie eingedämmt werden. So wird unter anderem besonderes Augenmerk
auf die Infektionsrisiken von Kleinkindern gelegt. Schwangere können sich routinemäßig testen lassen und werden im Fall einer
Infektion medizinisch betreut um das Risiko der Mutter-Kind-Übertragung zu minimieren. Der Etat für die Anti-Aids-Kampagne
wurde 2009 um das Doppelte auf rund zwei Millionen Euro erhöht und bereits jetzt sind erste Erfolge sichtbar.
Mit dem ehrgeizigen Bekämpfungsprogramm fallen zunehmend auch die Tabus, das Stigma und die Diskriminierung mit der HIV-positive
und Aidskranke lange belegt waren.
Und dennoch: Das Umdenken in der Aidspolitik war lange überfällig. Die Zahl der Aidstoten und schwerst Erkrankten steigt noch
immer - für sie kommt die Kampagne gegen Aids zu spät. Südafrika wird noch viele Jahre unter den Folgen der Versäumnisse leiden.
Dezember 2009



