Südafrika: Aidshilfe und Unterstützung von Aidswaisen
Das Projekt: Häusliche Pflege
Das Projekt zur häuslichen Pflege der Erkrankten und ihrer Angehörigen arbeitet an der Basis - direkt mit den von Aids betroffenen Menschen zusammen.
Jeden Tag besuchen zwei Frauen aus der Siedlung den schwer an Aids erkrankten Bongani M.*, bringen ihm Essen und Wasser, helfen ihm bei der Toilette und versorgen seine Hautverletzungen. Die beiden Frauen sind zwei von insgesamt 323 Freiwilligen (unter ihnen nur vier Männer), die sich in der häuslichen Pflege für ihre hilfsbedürftigen Nachbarinnen und Nachbarn einsetzen. Ein Mal in der Woche werden sie von einer Krankenschwestern oder einem Krankenpfleger aus dem Projekt abgelöst, die Medikamente austeilen und weiterreichende medizinische Hilfe leisten.
Unterstützung für chronisch Kranke in der ländlichen Armutsbevölkerung ist das Ziel des Hauspflegeprojekts in insgesamt zwölf Gemeinden rund um Marianhill in der südöstlichen Provinz KwaZulu-Natal. Die Gegend ist stark zersiedelt und die Wege sind weit und beschwerlich in der hügeligen Landschaft der Region.
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| Am Eingang der Hütte von Bongani M. hängt ein Hufeisen. |
In nur wenigen Gemeinden existiert eine gewachsene Sozialstruktur, denn während der Apartheid wurden Schwarze aus verschiedenen
Regionen zwangweise hier angesiedelt. Zudem kommt ein hoher Anteil ländlicher Wanderarbeiter, die sich ohne Familie in den
Orten niedergelassen haben.
Die Kranken gehören zur ärmsten Schicht der Bevölkerung. Häufig leben sie allein oder nur mit ihren Kindern in einem der 'shacks',
wie die ärmlichen Wellblechhütten in Südafrika genannt werden.
So wie Bongani M. Der 43-jährige ist als Wanderarbeiter alleine hierhergekommen und hat die Hütte, die aus nur einem dunklen,
fensterlosen Raum besteht, gemietet. Vor vielen Jahren hat er sich mit HIV infiziert und erleidet nun die schlimmste Phase
der Aidserkrankung. Bongani ist zu geschwächt, um überhaupt aufstehen zu können. Im näheren Umkreis seiner Hütte gibt es keinen
Brunnen und kein Klosett. Ohne die täglichen Besuche der Nachbarschaftshelferinnen aus der Siedlung würde er hier elend sterben.
Freiwillige – Die Stützen des Projekts
Die freiwilligen Mitarbeiterinnen sind von den Krankenschwestern des Projekts in häuslicher Pflege und palliativer Therapie von HIV/Aids geschult worden. In einer sechs-monatigen Ausbildung im Krankenhaus von Marianhill haben sie darüber hinaus praktische Erfahrungen gesammelt.
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| Eine der Freiwilligen aus dem Projekt |
Regelmäßig finden dort auch Fortbildungskurse statt, um eine qualitativ hochwertige Pflegearbeit zu gewährleisten. In den
Kursen erfahren die Freiwilligen, welche spezielle Pflege bei aidstypischen Symptomen notwendig ist oder auch, wie sie mit
ihren eigenen Empfindungen fertig werden, wenn sie mit dem Tod ihrer Patient/innen oder dem sozialem Elend der hinterbliebenen
Waisen konfrontiert sind.
Die Freiwilligen sind die Stützpfeiler des Projekts. Ohne sie könnten die rund 900 Patientinnen und Patienten, die in ärmsten
Verhältnissen leben, nicht versorgt werden. Sie stammen meist aus der unmittelbaren Nachbarschaft der Kranken und erhalten
keinen Lohn für ihre Arbeit, denn die finanziellen Mittel des Projekts reichen nicht aus, um neben den 23 angestellten Krankenschwestern
und Sozialarbeiter/innen auch die Freiwilligen bezahlen zu können.
Sie erhalten außer ihrer fachlichen Ausbildung lediglich einige Vergünstigungen: Sie können selbst kostenlos ärztliche Hilfe
in Anspruch nehmen, bekommen Schulgeld für eines ihrer Kinder, erhalten Essenspakete und Hygienemittel. Und doch gibt es immer
genug Frauen, die bereit sind, als Freiwillige zu arbeiten.
"Wir haben eine Umfrage zur Motivation der Freiwilligen gemacht und alle haben erwartet, dass die Frauen auf einen Job hoffen,
den wir ihnen hier leider nicht bieten können. Tatsächlich aber hörten wir fast immer: 'Ich mache die Arbeit, weil ich selbst
eine Krise erlebt haben, weil auch ich krank bin oder jemanden in der Familie verloren habe'", erzählt Ronita Mahilall, die
Leiterin des Projekts.
Auch das Projekt für häusliche Pflege in Marianhill hat - ähnlich wie das Projekt Sinosizo in der Nähe von Durban - seine Arbeit auf die Unterstützung und Versorgung von Aidswaisen und Kindern in schwierigen Lebenslagen
ausgeweitet. Beide Projekte arbeiten hier mit ähnlichen Konzepten.
Januar 2010
* Name von der Redaktion geändert



