Afrika  

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Krise im Südsudan

"Helfen Sie jetzt, bevor es zu spät ist"

Msgr. Hiiboro Kussala, der Bischof von Tombura Yambio, berichtet bei seinem Besuch in Deutschland über die Sicherheitslage im Süden des Sudan. Mit ihm sprach Achim Reinke. 

Bischof
Foto: Caritas international

Caritas international: Vor fünf Jahren wurde der Krieg zwischen Nord- und Südsudan mit einem Friedensvertrag beendet. Was hat sich für die Menschen in Ihrer Diözese seitdem verändert?

Msgr. Hiiboro Kussala: Viele ehemals Vertriebene konnten - auch mit Hilfe der Caritas - in ihre alte Heimat zurückkehren. Es sind Straßen gebaut worden, es gibt eine Regierung und ein Parlament. Es gibt aber auch viel Angst. Angst, dass der Friedensvertrag nicht eingehalten wird und wir ins Chaos zurückfallen könnten.

Ist diese Angst begründet?

Ja, es gibt beunruhigende Anzeichen. Zum Beispiel hat die Gewalt in erschreckender Weise zugenommen. Die aus Norduganda stammende und früher von Nordsudan unterstützte LRA (Lord's Resistance Army) greift Dörfer an, plündert Häuser und tötet wahllos Menschen in meiner Diözese. Die Banden zwingen die Jungen ihnen als Soldaten zu dienen und sie missbrauchen die Mädchen als Sexsklavinnen. 200.000 Menschen mussten als Folge der Gewalt bereits von ihren Dörfern in die Städte flüchten. Auch in die Kirche meiner Pfarrei sind Rebellen eingedrungen und haben am 13. August viele der Betenden als Geiseln genommen. Und: In  anderen Regionen des Südsudan gibt es eine Reihe gewalttätiger ethnischer Konflikte.

Was tut der Staat dagegen?

Der Staat ist zu schwach, um die Gewalt zu stoppen und die Einhaltung der Gesetze zu gewährleisten. Dazu haben auch eigene Fehler beigetragen. So gab es in der Vergangenheit Fälle des Missbrauchs von Geldern. Daraufhin haben internationale Geldgeber der Regierung ihre Unterstützung entzogen.

Was bedeutet das angesichts der Dürre in Südsudan?

Es sind im Südsudan nicht die Mittel vorhanden, um den 1,5 Millionen hungernden Menschen wirkungsvoll zu helfen. Wir sind auf Hilfe von Außen angewiesen. Die lokale Bevölkerung teilt so gut es geht, aber es ist nicht viel zum Teilen da. Die Menschen brauchen schnell Nahrung, Hacken und Saatgut. Es wird besonders auf die kirchlichen Hilfsorganisationen ankommen, die ihre Zahlungen nicht über die Regierung abwickeln müssen und über die Gemeindestrukturen auch in die weit entlegenen Dörfer vordringen können. Mein Appell an die Welt lautet: Helfen Sie jetzt, lassen Sie die Menschen nicht allein! Wenn wir jetzt nichts tun, sehen wir uns im nächsten Jahr mit einer noch größeren humanitären Katastrophe konfrontiert.

Im Südsudan stehen Parlamentswahlen im Jahr 2010 und ein Referendum im Jahr 2011 bevor. Was erwarten Sie sich davon?

Diese Wahlen sind für uns von allergrößter Bedeutung. Für viele Menschen im Südsudan, mich eingeschlossen, ist es die erste Wahl, die sie erleben. Wir müssen aber das Wählen noch lernen und benötigen dabei dringend internationale Unterstützung. Wir brauchen Wahlbeobachter und Unterricht in Demokratie.

Edward Hiiboro Kussala, Jahrgang 1964, ist seit Juni 2008 Diözesanbischof des Bistums Tambura-Yambio in Südsudan. Er ist der jüngste Bischof Sudans. Im Alter von drei Monaten verlor er seine Mutter, die durch nordsudanesische Truppen erschossen wurde. Seine Großmutter floh mit ihm in den Kongo.

Nach seinem Studium der Theologie und Philosophie empfing er am 20. Mai 1994 die Priesterweihe. Zwischen 1995 und 2001 war Kussala in der Zentralafrikanischen Republik als Lehrer und Seelsorger tätig. Von 2001 bis 2005 studierte er in Rom Moraltheologie und Internationales Recht. Anschließend war er Professor an der Universität Khartum. Kussala ist Mitglied des East-African Writers Club. Er engagiert sich für den Friedensprozess in Afrika und wirbt für eine nachhaltige Hilfe. 2008 wurde er von Papst Benedikt XVI. zum dritten Bischof des Bistums Tombura-Yambio ernannt. 



Oktober 2009


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