Afghanistan: Nothilfe und Aufbauhilfe in der Bergregion Hasaradschat
Die Projekte der Not- und Strukturhilfe
Caritas international ist eine der wenigen Nichtregierungsorganisationen, die sich für die rund sechs Millionen Hasara mit Nothilfemaßnahmen und langfristigen Aufbauhilfen einsetzt. Neben der umfangreichen Versorgung besonders Bedürftiger mit Nahrungsmitteln und Medikamenten engagiert sich Caritas mit Infrastrukturhilfe für die isolierte Region.
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| Endlich sauberes Trinkwasser! Kinder an einem der mehr als 1000 neue Brunnen |
| Foto: Pieter-Jan De Pue |
Versorgung mit Trinkwasser
Zugang zu Trinkwasser ist eines der Hauptprobleme des ländlichen Hasaradschat. Nur ein geringer Prozentsatz der Bevölkerung
hat Zugang zu Brunnen oder sauberen Quellen. Die meisten Bewohner der unzugänglichen Region holen ihr Wasser aus verschmutzten
Flüssen oder Bewässerungskanälen. Regelmäßig werden Kinder und Erwachsene von Durchfall geplagt.
Die Kindersterblichkeit aufgrund von Krankheiten durch verschmutztes Wasser ist extrem hoch. Dort, wo der Transport von Materialien
möglich ist, fördert Caritas international seit 2004 den Bau von zementierten Wasserbrunnen mit Handpumpen sowie Quelleinfassungen.
Zwischen 2004 und 2009 hat Caritas international insgesamt mehr als eintausend Brunnen gebohrt und bestehende Quellen eingefasst
und verbessert.
Die Brunnen ermöglichen den Fortbestand der Subsistenzwirtschaft, die durch die jahrelange Dürre im Hochland des Hasaradschat
stark geschädigt ist. Geologen haben vor Projektbeginn die Böden untersucht, um sicherzustellen, dass der Grundwasserspiegel
durch die Brunnen nicht weiter sinkt.
Allein im Jahr 2008 stellte Caritas rund 200 Brunnen und Wasserstellen in der Provinz Daikundi her, die zur Trinkwasserversorgung
genutzt werden können. Zusätzlich wurden 50 Latrinen an öffentlichen Plätzen wie Schulen, Moscheen und Basaren errichtet.
Parallel zu den Baumaßnahmen schult Caritas lokale Gesundheitserzieher/innen und klärt in Kursen über Hygiene und Gesundheit
auf. Die Gesundheitserzieher/innen geben ihr Wissen in ihrer Region weiter. Sie rufen die Frauen der Dörfer zusammen und besprechen
mit ihnen Grundprinzipien hygienischen Verhaltens.
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| Noch immer ein seltenes Bild: afghanische Mädchen in der Schule |
Bildung
Bildung ist der Schlüssel zu Gesundheit, Arbeit und zur Gleichstellung der Geschlechter. Schon in den Städten Afghanistans
ist die Analphabetenrate sehr hoch. In den ländlichen Regionen aber haben die Menschen noch seltener Zugang zu Unterricht
und Bildung. Dies gilt insbesondere für Mädchen und Frauen, die erst seit wenigen Jahren überhaupt wieder zur Schule gehen
dürfen.
Insgesamt sieben Mädchen-Schulen hat Caritas seit 2002 im Hasaradschat im Distrikt Scharistan und im Bezirk Aschterlaii gebaut.
Die Schulen sind inzwischen teilweise an die lokalen Gemeinden sowie das afghanische Bildungsministerium übergeben worden. Damit
ist zumindest ein Tabu aus den Zeiten der Taliban-Herrschaft überwunden; Mädchen und Frauen haben ein Recht auf Bildung.
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| Noch im Rohbau: Das Krankenhaus in Ashterlai wird bis Ende 2010 seine Arbeit aufnehmen können |
| Foto: Caritas international |
Gesundheitszentren und Klinik für Tuberkulose- und Leprakranke
Neben Schulen und Straßen, fehlen im Hasaradschat vor allem Krankenhäuser und Ärzte. Gesundheitseinrichtungen sind so rar, dass viele Menschen tagelange Fußmärsche auf sich nehmen müssen, um einen Arzt zu konsultieren. Hinzu kommt, dass viele Siedlungen im Winter oft monatelang von der Außenwelt abgeschnitten sind.
Die Hauptursache von Krankheiten in Afghanistan und insbesondere im Hasaradschat sind Unterernährung und der Mangel an sauberem
Trinkwasser. Typisch sind daher neben Durchfallerkrankungen vor allem Lepra und Tuberkulose. Hiervon besonders betroffen sind
Frauen und Kinder.
Caritas fördert im Hasaradschat den Aufbau der Gesundheitsversorgung. Bereits seit 1984 unterstützt Caritas international
die Partnerorganisation LEPCO (Leprosy and TB control program), die in insgesamt zehn Kliniken Lepra- und Tuberkulosepatienten
behandelt.
2004 konnte mit Hilfe von Caritas international ein neues Krankenhaus in Scharistan gebaut werden, in dem neben Lepra- und
Tuberkulosebehandlungen auch Basisgesundheitsschulungen und Ausbildungen für Krankenpflegerinnen angeboten werden.
Insgesamt weitere vier Kliniken hat Caritas international seit 2006 in den Distrikten Bander-Sangtacht, Kidschan und Aschterlai
gemeinsam mit der lokalen Bevölkerung gebaut. Das jüngste Bauprojekt in Aschterlai wurde im Jahr 2009 begonnen (siehe Bild)
und hat inzwischen seine Arbeit aufnehmen können. Alle Kliniken wurden und werden nach Fertigstellung an das afghanische
Gesundheitsministerium übergeben.
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| Herstellung von Drahtgeflechten für den Straßenbau |
| Foto: Ulrich Ladurner |
Straßen- und Brückenbauprojekte
Voraussetzung für jegliche Entwicklung im Hasaradschat ist die Zugänglichkeit des bergigen Hochlandes. Gemeinsam mit afghanischen
Partnerorganisationen werden seit 2003 entlang bestehender Eselspfade befestigte Bergstraßen in den Fels gehauen. Die Straßen
und Brücken bahnen den Weg für den Transport von Hilfsgütern und Baumaterialien und verschaffen den Menschen Zugang zu Brunnen,
Schulen und Gesundheitsstationen.
Caritas international hat mit den lokalen Partnern in den Distrikten Scharistan und Waras kilometerlange Passstraßen neu eingerichtet
bzw. wiederhergestellt. In dem Projekt können sich auch Frauen beteiligen. In einer Werkstatt der Caritas lernen sie Drahtkörbe
zu flechten. Die Drahtgeflechte schützen die neue Straße wie auch Felder und Bewässerungskanäle vor Erosion.
Die Projekte von Caritas international im Hasaradschat werden neben den Eigenmitteln der Caritas finanziell vom Bundesministerium
für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ), dem Auswärtigen Amt (AA) sowie der European Commission DG Humanitarian
Aid (ECHO) unterstützt.
Dezember 2011





