Kambodscha: Kinder mit Behinderungen fördern und integrieren
Das Projekt
Die Caritas Kambodscha unterstützt Eltern und Kinder, die bis heute unter den Folgen der Schreckensherrschaft und des Krieges
leiden. Viele der Eltern wurden in ihrer Kindheit von ihren Familien getrennt und im Krieg eingesetzt. Ihnen fällt es heute
sehr schwer, mit ihrer Elternrolle umzugehen. Noch schwieriger wird es, wenn ihre eigenen Kinder eine Behinderung haben.
Mitte der 90er Jahre, kurz nach dem Ende der Schreckensherrschaft der Roten Khmer unter Pol Pot , gründete die Caritas Kambodscha nahe der Hauptstadt Phom Penh ein Zentrum für Kinder mit geistiger Behinderung. Aus dieser
Einrichtung ist inzwischen ein weit über die Grenzen des Landes bekanntes Modellprojekt für Gemeinwesenarbeit entstanden.
Damals, zu Beginn der Arbeit, fanden die Mitarbeiter/innen der Caritas Kambodscha eigentlich nur Kleinkinder mit Behinderungen
vor, denn alle anderen Menschen mit Behinderung waren von den Schergen der Roten Khmer systematisch ermordet worden.
Für die Unterstützung von Menschen mit Behinderung war es die Stunde Null: es gab keinerlei institutionelle Hilfen und über
die Ursachen von Behinderungen und Förderungsmöglichkeiten herrschte absolutes Unwissen.
Von Anfang an war klar, dass das Zentrum mehr sein sollte als nur eine Tagestätte. Nur die Betreuung alleine hätte an dem
gesamtgesellschaftlichen Problem nichts ändern können. So hat sich das Team des Caritaszentrums die Integration und Inklusion
ebenso zum Ziel gesetzt, wie konkrete Hilfen zu leisten, umfassend aufzuklären und die Bevölkerung für die Situation behinderter
Menschen zu sensibilisieren.
"Behindertengerechte Erziehung" will gelernt sein
Die Mitarbeiter/innen des Gesundheitszentrums der Caritas Kambodscha in der Nähe von Phnom Penh beraten und unterstützen seit den frühen 1990er Jahren Familien mit Kindern mit geistiger Behinderung oder psychischen Problemen. Sie vermitteln dabei Grundkenntnisse in Krankengymnastik und der Pflege behinderter Kinder und sie klären Eltern und Gemeindemitglieder über Förderungsmöglichkeiten auf.
Foto: Andreas Schwaiger / Caritas international
Um eine möglichst große Zahl von Familien zu erreichen, setzen sie auf eine gemeindenahe Versorgung. Teams aus dem Projekt fahren dazu in die entlegenen Dörfer und schulen dort rund 3.000 Eltern in Betreuung, Erziehung und Förderung ihrer Kinder. Mit dazu gehören natürlich auch eine eingehende Untersuchung und die medizinische Grundversorgung.
In jedem der Dörfer bilden Mitarbeiter/innen zwei Freiwillige als Ansprechpartner und Helfer für die Familien aus. Denn viele der gesundheitlichen Probleme ließen sich durch eine bessere allgemeine Versorgung, gesunde Ernährung und Hygiene vermeiden. Eltern von Kindern mit Behinderung lernen, ihre Kinder anzunehmen und zu fördern, damit sie in Zukunft ein möglichst eigenständiges Leben führen können.
Kinder mit leichten bis mittelschweren Behinderungen haben ein Recht darauf, eine Regelschule zu besuchen. An vier Schulen in der Region werden daher die Lehrer/innen weitergebildet, 150 Kinder mit Behinderung besuchen nun die Schule. Angebote wie Sportclubs oder gezielte Hilfen bei Lernschwächen ergänzen das Projekt. So wird die von Ausgrenzung und Isolation gezeichnete Lebenssituation vieler Kinder verbessert.
Ausgrenzung zu verlernen ist harte Arbeit
Ein Kind mit einer Behinderung zu haben, wird von den meisten Müttern als große Schande empfunden und die Kinder aus Scham oft isoliert. "Durch ihr buddhistisches Weltbild", so der Arzt Bhoomikumar, "interpretieren viele Mütter (die Behinderung) als Strafe für ihre Sünden aus einem früheren Leben.“
Foto: Andreas Schwaiger / Caritas international
Seine Informationskampagnen wenden sich deshalb an die ganze Dorfgemeinschaft. Den Bewohnern wird vermittelt, dass zum Beispiel mangelnde Hygiene, Fehl- und Mangelernährung, das Fehlen von jodhaltiger Nahrung während einer Schwangerschaft und fehlende Schutzimpfungen zu den Hauptursachen einer Behinderung zählen - und vermeidbar sind. Gleichzeitig arbeiten die Mitarbeiter/innen daran, Vorurteile gegen Menschen mit Behinderung abzubauen. Dazu gehört auch, das Schweigen über das Gefühl der Schande zu brechen und öffentlich über die Ursachen von Behinderungen zu sprechen.
In den kommenden Jahren möchte Caritas Kambodscha dieses Förderprogramm für Kinder mit Behinderungen vermehrt in die Gemeinwesenarbeit in neun Provinzen Kambodschas einfließen lassen. Damit die integrative Arbeit überall zu einer selbstverständlichen Komponente der sozialen Praxis wird.
Foto: Andreas Schwaiger / Caritas international
Ihre Spenden helfen, zum Beispiel so:
April 2011

