Sri Lanka: Zukunft für Vertriebene und Menschen mit Behinderung
Situation
Sri Lanka erlebte nach der Unabhängigkeit fast vier Jahrzehnte währende Bürgerkriege. Insbesondere der Norden des Landes ist von den Folgen gezeichnet. In der stark militarisierten Region erschweren zudem starke Monsunregen und Überschwemmungen das Überleben. Caritas international unterstützt lokale Partnerorganisationen, die mit Kriegstraumatisierten neue Lebensperspektiven erarbeiten.
Der Bürgerkrieg in Sri Lanka dauerte gut 37 Jahre und forderte über 100.000 Todesopfer (siehe Infokasten unten). Als er 2009 mit dem Sieg der singhalesischen Regierung über die tamilischen Rebellen im Norden des Landes endete, waren rund 290.000 Menschen zu Flüchtlingen im eigenen Land geworden.
Viele von ihnen sind traumatisiert, über 18.000 Menschen leben noch immer in Notunterkünften oder werden in Internierungslagern festgehalten. Aber auch diejenigen, die in ihre früheren Dörfer oder aufs Land zurückkehren konnten, leiden an den Folgen des Krieges: Die Infrastruktur ist zerstört und eine wirtschaftliche Zukunft gibt es kaum. Viele Menschen leben in Übergangsbehausungen. Traumata und Kriegsbehinderungen erschweren es besonders alleinstehenden Frauen und Kindern, eine Existenz aufzubauen.
Die Mehrheit der Menschen in den Notunterkünften zählt zur hinduistischen Minderheit der Tamilen. Präsident Mahinda Rajapaks ist Angehöriger der singhalesischen buddhistischen Mehrheitsbevölkerung. Er erklärte öffentlich, er wolle die ethnischen Minderheiten seines Landes nie mehr erwähnen. Er werde künftig nur noch zwischen den Menschen unterscheiden, die das Land ihrer Geburt liebten oder eben nicht liebten. Im Januar 2010 wurde Mahinda Rajapaks bei vorgezogenen Wahlen für weitere sechs Jahre als Präsident im Amt bestätigt. Ein erheblicher Teil der ökonomischen Ressourcen liegt in den Händen seiner Familie.
Foto: Caritas international 2009
Im Herbst 2009 leitete die singhalesischen Regierung den Rücksiedlungsprozess von etwa 260.000 Binnenvertriebenen ein. Inzwischen wurden die Flüchtlingscamps, in denen Tausende Menschen teils viele Jahre gelebt haben, bis auf wenige aufgelöst. Wenn die Menschen nach Hause zurückkehren, finden sie dort oft nur Trümmer vor. Zudem erschweren Traumata und Kriegsbehinderungen ein normales Leben, Schulen und Gesundheitszentren sind kaum erreichbar.
Über die Traumata und Kriegsverbrechen wird weithin geschwiegen. Es gibt zwar eine Versöhnungskommission (LLRC - Lessons learnt and Reconcillation Commission), doch über einen wirksamen Prozess der Wahrheitsfindung und Versöhnung ist nichts bekannt. Die Menschenrechte werden oft verletzt oder können nicht gewährleistet werden. [mehr dazu...] .
Hilfsorganisationen haben mit bürokratischen Hürden zu kämpfen. Die Regierung ist bei der Hilfe der Notleidenden zurückhaltend oder erschwert die Arbeit von Hilfsorganisationen. Sie ist skeptisch, ob sich die Rebellen nicht erneut organisieren, Misstrauen und ständige Kontrollen lähmen die Arbeit des Wiederaufbaus. Die katholische Kirche ist im Norden vertreten und kann vergleichsweise frei arbeiten
Vom Tsunami und schweren Monsunregen getroffen
Der Tsunami von Dezember 2004 hat in Sri Lanka Fischerboote und Häuser zerstört. Der vom Krieg gezeichnete Osten wurde besonders schwer getroffen. Die Flutwelle spülte hier viele der über zwei Millionen Antipersonenminen frei, die während des Bürgerkrieges gelegt wurden.
Das Meer – die wichtigste Nahrungsquelle – war damit für die vom Fischfang lebende Küstenbevölkerung zu einem Ort der Gefahr geworden. Viele Hilfslieferungen kamen infolge der politischen Konflikte nicht bei den Hilfsbedürftigen an.
Wie verwundbar die Menschen sind, zeigte sich im Januar 2011, als schwere Monsunregen ganze Landstriche unter Wasser setzen. Über eine Million Menschen sind betroffen, nach Angaben der staatlichen Katastrophenschutzbehörde kamen 236.000 Menschen in Notunterkünften unter, 360.000 mussten ihr zuhause verlassen. In kurzer Zeit war über ein Fünftel der gesamten Reisernte des Landes vernichtet worden.
Mai 2011
Caritas international ruft dringend zu Spenden für die humanitäre Hilfe in Sri Lanka auf:
Caritas international
Spendenkonto 202
bei der Bank für Sozialwirtschaft Karlsruhe
BLZ 660 205 00
oder [online]
|
Krieg und Nachkriegskrisen in Sri Lanka Soziale Konflikte führten in den 1960 und 1970 Jahren - nicht zuletzt aufgrund der bereits damals hohen Arbeitslosigkeit -
zu gewalttätigen Übergriffen zwischen Militär und Jugendlichen. Nicht die ethnische Herkunft, sondern die Perspektivlosigkeit
der gut ausgebildeten Jugendlichen war 1971 Auslöser für die ersten Aufstände radikaler Gruppierungen. Als Armee und Polizei
mehrere tausend Jugendliche - meist singhalesischer Herkunft - ermordete, eskalierte der Konflikt. Auf tamilischer Seite forderten
bald mehrere Parteien einen eigenen tamilischen Staat im Norden und Osten des Landes. Nach internen bewaffneten Kämpfen taten
sich die Tamil Tigers hervor. Sie führten gegen die srilankische Regierung einen Guerillakrieg, der ebenso blutig beantwortet
wurde. Zwischen der ersten Phase des Krieges (1979 bis 1989) und dem zweiten Krieg (1990 bis 1993) gab es nie wirklich Frieden.
Die Phase von 1995 bis 2002 ist im Norden Sri Lankas als die Zeit des dritten Krieges bekannt, in der auch die Tamil Tigers
Verbrechen an Tamilen begangen haben. |


