Naher Osten / Nördliches Afrika  

Spende

Bekämpfung häuslicher Gewalt gegen Frauen und Kinder

Situation vor Ort
Wie überall in der arabischen Welt, so setzt auch in Palästina die kulturell verwurzelte, durch Tradition und Religion überhöhte Dominanz der Männer in Familie und Gesellschaft deren schwächere Mitglieder einer latenten oder sogar offenen Bedrohungssituation aus. Gewalt gilt als legitimes Erziehungs- bzw. Disziplinierungsmittel, das praktisch jedem Mann, und sei er auch nur gerade der Pubertät entwachsen, an die Hand gegeben wird. Hierunter haben insbesondere Kinder zu leiden, aber auch junge Frauen bzw. Frauen im Reproduktionsalter, denen aufgrund eines archaischen Moralkodex vielfach die konfliktreiche Rolle einer Hüterin der familiären "Moral" zugewiesen wird.

In Palästina wird diese allgemeine Gewaltproblematik durch die schwierige politische, wirtschaftliche und soziale Situation zusätzlich verschärft. Viele Männer entwickeln das Gefühl, hilflos und ohne Wert zu sein. Es kommt zu Spannungen, Minderwertigkeitsgefühlen und letztlich zum Aufbau von Aggressionen, die sich dann zumeist gegen die Ehefrau und die Kinder richten.

Das Projekt
Caritas international unterstützt seit Ende 2004 die lokale Partnerorganisation "Trust of Programs for Early Childhood, Family and Community Education", (Bildungsprogramme für Kinder, Familien und Gemeinden). Der "Trust" arbeitet seit zwei Jahrzehnten vorwiegend  in und mit palästinensischen Familien. In dieser Zeit konnten die Mitarbeiter(innen) des "Trust" das Vertrauen der Bevölkerung gewinnen und werden mit Fragen und Problemen konfrontiert, die öffentlich nicht thematisiert werden. Daraus erwuchs in den letzten Jahren die Erkenntnis, dass häusliche Gewalt im wachsenden Ausmaß um sich greift, Frauen und Kinder bedroht, und damit zu einem großen gesellschaftlichen Problem wird. Die Erfolge der jahrelangen Aufklärungsarbeit werden inzwischen in verschiedenen Schulungs-Materialien festgehalten. Sie dienen bei der Ausbildung weiterer Mitarbeiter/innen.

Allerdings geht die Gewalt nicht nur von Männern aus. Auch die Beziehungen zwischen Schwiegermüttern und Schiwegertöchtern, Mütter und ihren Kindern und schliesslich die der Kinder untereinander sind häufig von Aggression und Gewalt bestimmt. Zur Bekämpfung dieser familiären bzw. von der Familie ausgehenden Gewalt führt der "Trust" ein auf Aufklärung und Sensibilisierung basierendes Programm durch, das aus Mitteln des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung gefördert wird.

Zu den Hauptansätzen des "Trust" Programms gegen häusliche Gewalt gehört es, traditionelles Rollenverhalten aufzubrechen, das einseitig die Unterdrückung der Frauen nach sich zieht. Unter den Stichworten "Empowerment" und "Gender Equality" wurden Veränderungsprozesse bewirkt, die dazu führen, dass Frauen ihr Rollenbild und -verhalten umdefinieren. Sie sehen sich nicht mehr das Rückrat der Familie, das geduldig und schweigsam Lasten zu ertragen hat, sondern sie sind selbstbewusste, in familiären und gesellschaftlichen Belangen aktive Gestalterinnen, die die ihnen zugefügte Gewalt nicht mehr länger hinnehmen wollen. Auf diese Weise wird die weitgehend tabuisierte, innerfamiliäre Gewalt zum Thema. Die Mitarbeiter(innen) des "Trust" diskutierten das Problem auch mit Verantwortungsträgern in Gemeinden und Schulen sowie innerhalb der Organisation selbst. Daraus erwuchs die Einsicht, dass es notwendig ist, sich des Themas systematisch anzunehmen.

Porträt
In der Rubrik "Caritas ist international" finden Sie ein Porträt von Farid Abu Gosh, dem Gründer von "Trust"  [mehr...]


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