Einreise mit Touristenvisum
Die Situation irakischer Flüchtlinge in Syrien
Das UNHCR (Flüchtlingshochkommissariat der Vereinten Nationen) zählt 2009 rund 4, 7 Millionen Iraker, die innerhalb und außerhalb des Landes geflüchtet sind. Die meisten von ihnen wurden in den Nachbarländern Syrien und Jordanien aufgenommen.
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| Caritas Syrien verteilt Matrazen an neu ankommende Flüchtlinge aus dem Irak |
Bereits jetzt leben in Jordanien bei einer Gesamtbevölkerung von sechs Millionen Einwohnern rund 700.000 Iraker. In Syrien,
wo 18 Millionen Menschen leben, sind es mehr als eine Million. Wenn die Grenzen geöffnet sind, fliehen noch immer jeden Monat
50-100.000 Flüchtlinge aus dem Irak.
In Syrien unterstützen die einheimischen Caritasverbände die irakischen Flüchtlinge - ob sunnitischen, schiitischen oder christlichen
Glaubens. Die Caritasmitarbeiter/innen verteilen Lebensmittel, bieten teilweise finanzielle Unterstützung und rechtlichen
Beistand.
Jahrelang hatte der Nachbarstaat Syrien irakische Flüchtlinge ohne Beschränkungen aufgenommen, doch nun bekommen die Flüchtlinge
keine Aufenthaltserlaubnis mehr. Der einzige Weg, nach Syrien einreisen zu können, ist ein vierzehntägiges Touristenvisum.
Wer in dieser Zeit eine Wohnung gefunden hat, kann weitere zwei Monate im Land bleiben. Erst vier Wochen nach ihrer Ausweisung
können die Flüchtlinge erneut zeitlich begrenzt in Syrien Zuflucht suchen - für Familien und mittellose Flüchtlinge ein unüberwindbares
Hindernis.
Syrien sieht sich mit dem Flüchtlingsproblem alleine gelassen. Denn seitens der internationalen Gemeinschaft macht sich Müdigkeit
breit, was die Hilfsleistungen für irakische Flüchtlinge betrifft. Längst schon ist das Flüchtlingsproblem zu einer enormen
finanziellen Last für das Land geworden. Die Wohnungen sind knapp, Miet- und Lebensmittelpreise sind in astronomische Höhen
gestiegen, Arbeit ist rar und die Löhne auf dem Arbeitsmarkt sinken rapide durch das Überangebot von illegalen Beschäftigten.
Die Menschen aus Syrien stehen den Flüchtlingen zunehmend feindlich gegenüber, denn ohne Hilfe von außen tragen sie die Hauptlast
des Problems. Aus staatlichen Sozialleistungen sind die Flüchtlinge schon seit Jahren ausgeschlossen: Für sie gibt es keine
ärztliche Grundversorgung und keine sonstige Unterstützung.
Im Caritas-Flüchtlingsbüro in Damaskus sorgt man sich um die Zukunft. "Wir steuern hier gerade auf eine soziale Katastrophe zu", sagt Schwester Antoinette Arbash, eine Mitarbeiterin im Flüchtlingszentrum. Bislang erhalten viele der Flüchtlinge noch direkte Hilfe von Ärzten, die auf einen Teil ihres Honorars verzichten. Die verbleibenden Kosten für die Behandlungen übernimmt Caritas Syrien. Mittellose Asylsuchende erhalten im Flüchtlingszentrum Gutscheine für Nahrungsmittel, die Caritasmitarbeiter/innen helfen ihnen bei der Suche nach einer Unterkunft und kümmern sich darum, dass die Kinder die Schule besuchen können.
Auch andere Hilfsorganisationen unterstützen die Flüchtlinge, doch auch ihre Kapazitäten sind erschöpft. Die finanziellen
Mittel reichen bei weitem nicht, um der wachsenden Zahl von Flüchtlingen helfen zu können.
Die meisten Iraker, die in Syrien Schutz gesucht haben sind auf Hilfe von außen angewiesen. Um so schlimmer, dass der Gegenwind
in Syrien schärfer wird und die Unterstützung von außen abnimmt.
Juli 2009
Caritas international hat die deutsche Bundesregierung dazu aufgerufen, sich stärker für die Flüchtlinge in der Region zu
kümmern.
Interview mit Oliver Müller, dem Leiter von Caritas international im SWR 1 zur Lage der Flüchtlinge aus dem Irak am 23.04.2007


