Afrika  

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Südafrika: Hilfe für Straßenkinder und benachteiligte Jugendliche  

Youth Unlimited – Jugend ohne Grenzen
Jugendclubs in den Armutsvierteln Kapstadts

Wer Fußball spielt, hängt nicht mit Drogen vollgepumpt auf der Straße rum. So einfach, so richtig - doch damit nicht genug, befinden die Projektmitarbeiter/innen der Kinderclubs der Caritas Partnerorganisation Youth Unlimited. Sie gehen mit ihrer sozialen Jugendarbeit in den Armutsvierteln weit über diese simple Logik hinaus. Ihr Ziel ist es, die Lebensumstände der Kinder zu verbessern und ihre Eigeninitiative zu fördern.

In Gugulethu
Kaum Perspektiven haben die Kinder in Gugulethu, einem der größten Townships in Kapstadt
Foto: Caritas international

Fußballplatz kann man die staubige Freifläche hinter den eng verschachtelten Holz- und Wellblechhütten beim besten Willen nicht nennen. Und doch trainiert Matiwane mit ihren Freunden hier täglich für ihr Team im Township Gugulethu. Die elfjährige Matiwane lebt mit ihrer Mutter und ihren drei Brüdern in einer der unzähligen illegal aufgestellten Hütten, die die Schnellstraße ins Zentrum Kapstadts kilometerlang säumen.

Achtzig Prozent der Einwohner Kapstadts leben in Hüttensiedlungen, den so genannten Cape Flats. Die Kinder wachsen in einem von Armut geprägten Umfeld auf. Ihre Eltern alleine haben kaum eine Chance, die Kinder vor der allgegenwärtigen Gewalt in den Armutsvierteln zu schützen – sofern sie nicht gar selbst Teil des Problems sind. Denn Frauen und Kinder sind häufig häuslicher Gewalt ausgesetzt.

Mehr als zwei Drittel der Kinder werden von den Müttern alleine betreut. Die Frauen sind schon vollkommen damit überlastet, den Lebensunterhalt für ihre Familie zu sichern. Daher bleibt kaum Zeit, sich um die Kinder zu kümmern. Die sind oft auf sich alleine gestellt - ohne Förderung und ohne Perspektiven auf eine bessere Zukunft. In diesem Umfeld der sozialen Brennpunkte haben Gangs und Jugendbanden keine Rekrutierungsprobleme. Sie versprechen die Zugehörigkeit zu einer Clique, die Einfluss hat, sie versprechen schnelles Geld und Macht.

Youth Unlimited, ein Netzwerk von sieben Teilorganisationen, möchte die Kinder und Jugendlichen mit ihren Projekten vor einer Karriere in den Banden bewahren. Mit Sport und anderen Freizeitaktivitäten, mit Beratungen bei Problemen und mit verschiedenen Kursangeboten fördern die Mitarbeiter/innen viele Kids in den größten Townships Kapstadts und schützen sie davor, in den Sog von Gewalt, Drogen und Kriminalität zu geraten.

Fußball fördert Solidarität

Bei allem Spaß am Spiel sind die Kinder in erster Linie beim Fußball, aber auch bei den anderen Aktivitäten mit unglaublichem Einsatz bei der Sache. „Sport hat die Macht, die Welt zu verändern“ - Nelson Mandelas Slogan ist für sie Programm: Denn die Welt für die Kinder in den Cape Flats, mit ihrer Armut und der extrem hohen Kriminalitätsrate, ist schon lange aus den Fugen.

Vertrauen, Fairness, Respekt und Verantwortung für sich selbst und andere zu übernehmen – das vermitteln die Sozialarbeiter und Trainer mit den Sportprogrammen. Die Regeln, die das Spiel bestimmen, gelten gleichermaßen auch für den Alltag der Kinder. „Wir sagen den Kindern nicht, das ist falsch und das ist richtig. Wir fördern vielmehr neben dem Training immer auch den Erfahrungs-Transfer von dem, was sie im Sport lernen, hinein in ihr tägliches Leben. Wir wollen, dass die Kinder lernen, sich selbst zu achten und einen selbstbewussten Umgang mit sich und den eigenen Fähigkeiten zu entwickeln“, erklärt der Leiter der Projekte, Wayne Golding.

Besonders wichtig sind dabei positive Rollenvorbilder. Als Gegenmodell zu den gefürchteten, aber auch von vielen Kindern bewunderten Bandenführern in den Cape Flats übernehmen engagierte Jugendliche die Vorbildfunktion für die Gruppen. „Peerleader“ heißen diejenigen, die die Gruppen organisieren, Jüngere fördern, Streit schlichten und Ansprechpartner bei Problemen sind. Unterstützt werden sie dabei von Freiwilligen und den Sozialarbeitern, die fast immer selbst aus dem Stadtteil kommen.

Wie zum Beispiel Phumeza Mboto, eine der Peerleaderinnen. Sie hat ihre eigene leidvolle Erfahrung zum Anlass genommen und ist nun Ansprechpartnerin für andere Kinder, die mit Missbrauch in der Familie konfrontiert sind. Oder Zolani, der fundierte Ratschläge geben kann, wie man Wege findet, aus einer Gang auszusteigen. Sexualität und Aufklärung über HIV/Aids sind weitere Themen, die sich durch alle diese Gruppen ziehen.

 

Video - Clip

Nur wer informiert ist, kann Entscheidungen treffen, meint Sakky MboMotha, einer der Peer-Trainer aus Khayelitsha. Er klärt über HIV/Aids auf.



Bei allen – leider oft auch zutreffenden - Klischees über Vergewaltigungen, Morde, Aids, Drogen und Bandenkriminalität in den Cape Flats: In den Projekten von Youth Unlimited zeigt sich, dass sich hier trotz allem auch eine selbstbewusste, nachdenkliche und sozial orientierte Jugendkultur etabliert. Dass es viele gibt, die nicht dem angeblich so hypercoolen Gangsterimage aufsitzen. Und die engagiert die Verhältnisse für Kinder in den Cape Flats verbessern möchten.



Dass der Fußball mehr als ein Vehikel für die Sozialarbeit ist, bewiesen die jungen Spieler schon 2003 bei der ersten Straßenkinder-Fußball-Tour durch Deutschland, zu der Caritas international eingeladen hatte. Die Fußballclubs von Youth Unlimited haben es hier zu internationaler Beachtung gebracht. Als Botschafter ihres Landes und ihrer Townships sind die jungen Fußballer aus Kapstadt gemeinsam mit Trainer und Sozialarbeiter für die Freundschaftsspiele mit deutschen Jugendclubs quer durch die Republik getourt.

Video Clip:

Taski Sithole trainiert Jugendliche in den Townships Kapstadts in Fußball und Kunst-Seilhüpfen.

Taski hatte das Team der Straßenkinder-Fußball-Tour nach Deutschland begleitet und erzählt vom Werdegang der Kinder nach der Reise.


Juni 2010