Vietnam: Projekte für behinderte Kinder
Die Situation
100 Jahre französische und japanische Kolonialherrschaft und Besetzung, Indochinakrieg, der verheerende Vietnamkrieg und die Teilung des Landes: Die Bürde der Geschichte Vietnams wiegt schwer. Doch die Wirtschaft hat sich in den letzten Dekaden stetig entwickelt. Noch immer aber zählt Vietnam zu den ärmsten Länder der Welt.
Das sozialistische Land hat sich in der zweiten Hälfte der 80er Jahre wirtschaftlich und außenpolitisch geöffnet. Mit der
"sozialistischen Transformation" strebte die Kommunistische Partei Vietnams an, Marktwirtschaft mit sozialistischen Prinzipien
zu vereinen. Diese Reformpolitik ebnete Mitte der 90er Jahre den Weg zur Aufnahme in die ASEAN, der Vereinigung südostasiatischer
Staaten.
Obgleich Vietnam nach wie vor ein ausgesprochener Agrarstaat ist - mehr als zwei Drittel der Bevölkerung lebt auf dem Land
vom Reisanbau - konnte das Land für einige Jahre am Wirtschaftsboom in Asien profitieren.
Mit 10 Prozent Zuwachsraten in der Industrie, die sich allerdings auf wenige Standorte konzentriert, galt Vietnam vielen sogar
als neuer Tigerstaat. Die Finanzkrise der asiatischen Staaten jedoch brachte dem beachtlichen Aufschwung ein schnelles Ende.
Die Wirtschaft hat sich mittlerweile wieder etwas von der Krise erholt, doch beschränkt sich der bescheidene Wohlstand auf
die städtische Bevölkerung. Die Kluft zwischen Arm und Reich, zwischen Stadt und Land ist überproportional groß.
Für die extreme Armut auf dem Land sind verschiedene Faktoren verantwortlich: Da sind die immer wiederkehrenden zerstörerischen
Taifune und Flutkatastrophen in Zentralvietnam und vor allem im Süden, wenn der Mekong über seine Ufer tritt, die mangelnde
Infrastruktur zur Erschließung von Bergbau oder Industrie, die Abhängigkeit der Agrarwirtschaft von den Weltmarktpreisen.
Kurz vor dem Verfall der Kaffeepreise hatte in Vietnam ein regelrechter Boom auf den Kaffeeanbau eingesetzt. Der Preisverfall
führte zum Ruin zahlloser Kleinbauern. Vor allem aber leidet die Landbevölkerung an den erheblichen Infrastruktur- und Umweltschäden
als Folge des Vietnamkriegs. Noch immer sind die Folgen der großflächigen Verseuchung mit dem dioxinhaltigen Herbizid "Agent
Orange" eklatant.
| Fläche: ca.330 000 km², 57 Provinzen und 4 zentralverwaltete Städte (Hanoi, HoChiMinh-City, Hai Phong und Da Nang) Bevölkerung: ca. 80 Mio., 75 Prozent Landbevölkerung. 84 Prozent ethnische Vietnamesen, 54 verschiedene ethnische Minderheiten (ca. 7 Millionen Menschen), darunter Chinesen, Khmer und Cham. Religionen: Buddhisten, eine kleine Minderheit von Taoisten und Katholiken Staat: Unabhängig seit 1945. Sozialistische Republik seit 1976. Verfassung von 1992, zuletzt geändert 2002. Die Nationalversammlung wird alle 5 Jahre gewählt und wählt den Premierminister und den Staatspräsidenten. |
Dezember 2005


