AFRIKA  

Spende

Kongo: Hilfe für Vertriebene und Opfer des Bürgerkrieges

Die Situation

Die heftigen Kämpfe im Osten der Demokratischen Republik Kongo zwischen Rebellen, Regierungstruppen und örtlichen Milizen nehmen kein Ende. Seit August sind im Osten des Landes erneut Zehntausende Zivilisten auf der Flucht vor Plünderungen und Vergewaltigungen. Über zwei Millionen Binnenflüchtlinge haben die Kriegswirren hinterlassen. Sie haben ohne Aufbauhilfen kaum eine Perspektive. 

Karte DR Kongo

In der Demokratischen Republik Kongo herrscht eine der gravierendsten humanitären Krisen weltweit. In den letzten fünfzehn Jahren sind hier über drei Millionen Menschen ums Leben gekommen. Obwohl reich an Rohstoffen zählt der Kongo zu den ärmsten Ländern der Welt.

Die Gründe, die zu den Kongo-Kriegen seit 1996 führten, wurden durch den Friedensschluss 2003 und die ersten freien Wahlen nach 2006 nicht gelöst. Seit vielen Jahren bestimmen in den Ostprovinzen  des Landes Kämpfe zwischen Milizen und Militärs,  Plünderungen und Vergewaltigung den Alltag. In der Region Kivu und im Ostkongo an der Grenze zu Ruanda und Uganda tobt bis heute ein grausamer Milizenkrieg, der die Gesellschaft zerreißt. Die Kriegsökonomie der kämpfenden Gruppen basiert weitgehend auf dem Handel mit seltenen Mineralien aus den kongolesischen Bergbaugebieten. Weil es nur schwache staatliche und kommunale Strukturen in der Provinz Süd-Kivu und im Ostkongo gibt, sind die Rohstoffvorkommen und Minen ständiger Brennpunkt der Kämpfe. Demokratische Entwicklungen werden immer wieder von den jeweiligen Machthabern sabotiert.

Das Leben dazwischen

Kongo_Flüchtlingscamp_Registrierung
Registrierung in einem Flüchtlingscamp in Ostkongo
Foto: Sébastien Dechamps / SECATHO / Caritas international

Die Zeit zwischen den Kongokriegen war von 1996 bis 2003 von Entbehrung und für viele Menschen von einem Leben dazwischen bestimmt: zwischen Kriegen, zwischen Zelten, zwischen den Fronten, unterwegs von Dorf zu Dorf und in den Wäldern, immer wieder in Flüchtlingslagern. Die Mehrzahl der Jugendlichen ist mit dem Krieg aufgewachsen, Zeiten des Friedens, Geborgenheit oder eine Perspektive mit Arbeit und eigener Familie kennen sie kaum. Unzählige haben nie eine Schule besucht. Auf der Suche nach einem Platz, an dem man ohne Angst und Schrecken leben kann, wandern viele Menschen bis heute ständig von einem Ort zum nächsten. Infolge der anhaltenden Kriegswirren kam es in der Region der Großen Seen 2010 erneut zu Flüchtlingsbewegungen von mehreren Hunderttausend. Anfang 2010 gab es über zwei Millionen Binnenflüchtlinge, und über 400.000 Kongolesen leben im benachbarten Ausland.

Für Ende November 2011 sind Parlaments- und Präsidentschaftswahlen anberaumt. Politische Machtkämpfe der regierenden und der oppositionellen Parteien spitzen sich bereits jetzt zu. Den derzeitigen Rückzug der kongolesischen Regierungstruppen aus einigen Gebieten im Osten des Landes macht sich die ruandische Hutu-Miliz immer wieder zu Nutze: Sie errichtet Straßensperren, besetzt Bergbaugebiete und ist an Überfällen und Plünderungen beteiligt. Kämpfe zwischen Selbstverteidigungsmilizen kongolesischer Jugendlicher und der Hutu-Miliz hat in den letzten Monaten Zehntausende Menschen die Flucht getrieben.

Im August 2011 hatte die ruandische Hutu-Miliz FDLR (Demokratische Kräfte zur Befreiung Ruandas) nach Angaben der UN-Mission Monusco ein Bergbaugebiet nordöstlich der Goldgräberstadt Kamituga angegriffen. Übergriffe auf Dörfer in der Region führten dazu, dass viele Menschen in die Distrikthauptstadt Mwenga flüchteten. Hier unterstützt Caritas international Menschen in einem Flüchtlingsnotlager mit dem Nötigsten. In den Provinzen Nord-Kivu und Ost-Kivu kam es in diesem Jahr bereits zu 142 Angriffen. 

Von nichts kommt nichts

Die Infrastruktur ist in den Provinzen Süd- und Nord-Kivu fast völlig zerstört. Die Inflationsrate in der Demokratischen Republik Kongo gehört zu den höchsten der Welt, und wer heute ein paar Shilling als Tagelöhner verdient, kann sich oft morgen oft schon keine Mahlzeit mehr davon leisten.

Schulen und ein öffentliches Gesundheitssystem sind kaum vorhanden. Viele der ohnehin sehr spärlich ausgestatteten Krankenstationen wurden infolge des Krieges zerstört. Es gibt durchschnittlich einen Arzt für 10.000 Menschen. Da sanitäre Einrichtungen, sauberes Wasser und Gesundheitsdienste Mangelware sind, sterben viele an leicht vermeidbaren Krankheiten wie Durchfall. Laut einer UN-Studie von 2011 haben rund 51 von 68 Millionen Menschen im Kongo keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser. Die Müttersterblichkeit ist ebenso wie die Säuglingssterblichkeit eine der höchsten weltweit. Denn es gibt oft keine Mahlzeit, keine gesundheitliche Vorsorge, keine Geburtshilfe. Zudem sind viele Frauen Opfer sexualisierter Gewalt. Die Verletzung des Rechtes auf körperliche Unversehrtheit hört oft mit dem Verbrechen nicht auf: Da sie stigmatisiert werden, leben sie in großer sozialer Unsicherheit.

Die Versorgung der Vertriebenen ist schwierig, denn die Hilfsgüter und die medizinische Versorgung reichen bei weitem nicht aus. Und viele Orte liegen mitten im Kampfgebiet. Neben der akuten Nothilfe ist der Wiederaufbau von Versorgungsstrukturen unverzichtbar, um das Recht der Menschen auf Nahrung, Wohnung, Bildung und Gesundheit zu verwirklichen. Und um eine Perspektive zu schaffen, die ein wenig Hoffnung auf mehr Sicherheit verspricht.

August 2011

Caritas international ruft dringend zu Spenden für die Flüchtlinge und Vertriebenen in Kongo auf!

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