Afrika  

Spende

Kongo: Hilfe für Vertriebene und Opfer des Bürgerkriegs

In den Flüchtlingscamps in Nordkivu / Ostkongo gehen die Lebensmittel aus

Von Alexander Bühler

Die Familien, die vor Kämpfen nach Nordkivu/ Ostkongo fliehen mussten, konnten fast nichts mitnehmen. Schon nach kurzer Zeit sind sie auf Hilfe von außen angewiesen. Wenn die Helfer selbst nichts haben, das sie verteilen könnten, wird es kritisch.  

Kinder im Flüchtlingslager
Kinder im Flüchtlingslager Muguna I

6. November 2008. Mittagszeit im Flüchtlingslager Mugunga I. Auf spitzen Lavasteinen stehen Massen an Flüchtlingen rings um das Viereck, in dem Caritas-Mitarbeiter und Helfer der Welternährungsorganisation der UN, des WFP, Nahrungsmittelrationen ausgeben.

Stundenlang verliest ein Helfer per Megaphon die Namen der Glücklichen, die in der Lager-Liste eingetragen sind und sich nun etwas abholen können. Vor ein paar Minuten wurde die 32jährige Rwendo Kasao aufgerufen, nun steht sie in einer Schlange vor der Maismehl-Ausgabe an.

Seit Stunden brennt die Sonne auf die junge Mutter herab, die ihr zweijähriges Kind Munihire auf dem Rücken dabei hat, der Schweiß läuft ihr über das Gesicht. Offiziell ist Regenzeit, doch die Wolken lassen sich noch nicht blicken. Erst am Nachmittag wird sich der Himmel zu einem sintflutartigen Regen herablassen.

Situation in  Nordkivu 

Rwendo Kasao; Flüchtlingsfrau in Kongo
Die 32jährige Rwendo Kasao kann ihre Lebensmittelration in Empfang nehmen

Seit einem Jahr nennt Rwendo Kasao das Lager Mugunga I ihr Zuhause, sie wohnt zusammen mit ihrem Mann und ihren zwei Kindern in einer Behausung, für die die Bezeichnung "Hütte" eine Übertreibung wäre: Über ein Gerippe aus Zweigen und Ästen wird eine Plastikplane geworfen.

In diesem besseren Zelt schläft, isst und kocht sie mit ihrer ganzen Familie. Etwa 1,70 Meter hoch, drei Meter lang und zwei Meter breit - mehr Platz bietet das Dach über dem Kopf ihnen nicht.

Und doch schätzt sich Kasao glücklich, denn genau wie 26.269 andere Flüchtlinge hier im Lager Mugunga I ist sie ein registrierter Flüchtling und kann sich daher ihre Ration für zehn Tage abholen: 50 Gramm Salz, ein Drittel Liter Öl zum Kochen, 1,2 Kilo Bohnen und vier Kilo Mehl pro Familienmitglied.

Zum letzten Mal wurden die Flüchtlinge allerdings Mitte Oktober gezählt, niemand weiß, wie viele seit den Kämpfen von letzter Woche und denen der letzten Tage dazu gekommen sind. Und sie erhalten, weil sie noch nicht registriert sind, gar nichts.

Tatsächlich haben sich viele Flüchtlingslager fast explosionsartig vergrößert. Im Lager Kibati 1 ist die Zahl der Flüchtlinge beispielsweise von 5.517 auf 65.900 und in Kibati II sogar von 597 auf 135.022 angestiegen. Insgesamt, so schätzte die UN-Schutztruppe MONUC am Montag, sind mittlerweile 1,25 Millionen Menschen in der Region Nordkivu, einem Gebiet von der Größe Frankreichs, auf der Flucht. Alleine in der Stadt Goma leben etwa 20.000 Flüchtlinge, die in bislang leerstehenden Gebäuden untergekommen sind. 2.000 von ihnen sind Kinder, die ohne ihre Eltern auf der Flucht sind, und daher nur selten versorgt werden.

Die Caritas versucht Medikamente und Lebensmittel an sie zu verteilen, denn auch diese Flüchtlinge sind noch nicht registriert und werden daher nicht von offizieller Seite versorgt. Tagsüber sind diese Menschen auf den Straßen Gomas unterwegs und versuchen sich etwas Essen zu erbetteln, nachts müssen sie auf einer Plastikplane auf engstem Raum schlafen. Manchmal sind es 200 Flüchtlinge, die sich auf knapp 40 Quadratmetern aneinander drängen. Gerade die Kinder sind von den tagelangen Märschen, bei denen die Menschen aus ihren Dörfern in die Stadt flüchteten, völlig erschöpft und leiden unter Durchfall, Meningitis und anderen Krankheiten.

Um ein genaueres Bild von diesem Elend zu bekommen, fehlen jedoch die Zahlen. Nur eines ist sicher: So langsam gehen den humanitären Organisationen die Lebensmittel aus. Denn von ihren zwei Nachschubrouten ist die eine, die über Uganda führt, wegen der Kämpfe blockiert. Lange werden die Vorräte nicht mehr reichen - und dann droht eine humanitäre Katastrophe.

6. November 2008