Der Krieg im Norden und Osten Kongos
Hintergrund
Von 1996 bis 2003 herrschte Krieg in der Demokratischen Republik Kongo. Gemeinhin sprach man von einem Bürgerkrieg, denn konkurrierende Rebellengruppen versuchten, die Macht im Land an sich zu reißen. Die gegnerischen Lager wurden in diesem Konflikt allerdings so massiv von außen unterstützt und gesteuert, dass vielmehr von einem Angriffskrieg der Nachbarländer Ruanda und Uganda gegen die Demokratische Republik Kongo gesprochen werden muss.
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| In einem Flüchtlingslager bei Goma |
| Foto: Beatrice Giorgi |
Im August 1998 hatte sich der Konflikt soweit verschärft, dass verschiedene Rebellengruppen mit ruandischen und ugandischen
Armeeeinheiten weite Teile Ost-, Nord-, und Zentralkongos besetzt hatten. Das Land zerfiel in mehrere Teile. Seither ist die
Verwaltungs- und Versorgungsstruktur in den von Rebellen kontrollierten Gebieten praktisch nicht mehr existent: eine humanitäre
Katastrophe für die Menschen dieser Regionen.
Bis zum Mai 2003 waren die besetzten Gebiete für internationale Hilfsorganisationen nicht zugänglich und das Ausmaß der Not
war bis dahin kaum bekannt: Etwa drei Millionen Menschen haben durch direkte oder indirekte Kriegsfolgen das Leben verloren,
die Zahl der Flüchtlinge geht in die Hunderttausende. Allein in Tansania sind offiziell ca. 150.000 kongolesische Flüchtlinge
registriert, weitere Zehntausende leben dort illegal. Dazu kommen große Gruppen von intern Vertriebenen, die noch immer kaum
Zugang zu humanitärer Hilfe haben.
Im Jahr 2003 kam es zu einem Friedensschluss zwischen der Regierung und dem größten Teil der Rebellengruppen. Allerdings war
und ist Kongo nach wie vor von kriegerischen Auseinandersetzungen betroffen. Mit dem Beginn der Friedensverhandlungen sind
viele der Vertriebenen völlig mittellos in ihre Heimatregion zurückgekehrt.
Geschichte der Konflikte
Fünf Jahre lang hat die Bevölkerung der Demokratischen Republik Kongo in einem permanenten Kriegszustand gelebt, nachdem Laurent Desiré Kabila an der Spitze eines Söldnerheeres 1996 einen Feldzug gegen die Herrschaft des Generals Mobutu begonnen hatte. Der ehemalige Diktator Mobutu, der sich kurz nach dem Ende der belgischen Kolonialherrschaft durch einen Staatsstreich an die Macht geputscht hatte, hat das ressourcenreiche Land Jahrzehnte lang mit seinem korrupten Regime ausgebeutet.
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Bereits wenige Monate nach dem Amtsantritt des siegreichen Laurent Kabila im Jahr 1997 marschierten im Norden und Osten des
Landes ugandische und ruandische Truppen in Kongo ein, die sich in der Folgezeit immer wieder heftige Gefechte in den von
ihnen besetzten Gebieten lieferten. Die konfliktreiche Situation wurde im August 1998 durch eine von Ruanda und Uganda unterstützte
Rebellion massiv verschärft. Weite Teile des Ost-, Nord- und Zentralkongos wurden von verschiedenen konkurrierenden Rebellengruppen
besetzt. Streitmasse der Kriegsparteien sind die unermesslich großen natürlichen Rohstoffe des Landes. Dazu gehören Edelsteine
und Edelmetalle wie Diamanten und Gold sowie seltene Mineralien, wie das bei der Herstellung von Computern und Mobiltelefonen
eingesetzte Coltan. Zudem ist Kongo eines der fruchtbarsten Länder Afrikas. Durch seinen großen Wasserreichtum verfügt es
über unerschöpfliche Energiereserven.
Kabila I nennen die Kongolesen den im Januar 2001 ermordeten Vorgänger und Vater des heutigen Präsidenten Kabila II, Joseph
Kabila, der im Februar 2001 die Regierung des desolaten Landes übernahm und einen Friedensprozess in Gang setzte. Davon zeugt
eine Waffenstillstandslinie, die das Land heute in Gebiete trennt, die zum kleineren Teil von der Regierung in Kinshasa und
zum größeren Teil von verschiedenen Rebellenbewegungen kontrolliert werden. Die "No-Go-Areas" der Rebellen sind in einem desolaten
wirtschaftlichen Zustand.
Anfang 2003 haben sich die ugandischen Truppen aufgrund eines erneuten Friedensabkommens aus einigen Regionen Kongos zurückgezogen.
In diesem Machtvakuum flammte unter der Regie der verfeindeten Nachbarländer Uganda und Ruanda ein Stellvertreterkrieg ethnischer
Gruppen auf.
Nach den Wahlen für die Übergangsregierung im Jahr 2006 hatte sich die Lage in den meisten Teilen des Landes beruhigt. Spontan,
aber auch durch die Unterstützung der UNHCR, hatte eine Rückkehrbewegung der Flüchtlinge eingesetzt. Die mittellosen Vertriebenen
sind vollständig auf Hilfe von außen angewiesen, denn in ihren Dörfern liegen seit Jahren die Felder brach und ihr Hab und
Gut wurde geplündert.
Befriedet aber ist die Region nie gewesen, denn die ehemaligen Rebellengruppen bekriegen sich gegenseitig, plündern und vergewaltigen
und immer neue Splittergruppen versetzen die Bevölkerung in Angst und Schrecken. Die Regierung hat im Ostkongo seit Dezember
2007 kein handlungsfähiges Militär mehr, nachdem es immer wieder zu heftigen Gefechten zwischen der Armee und den Rebellen
des Tutsi-Generals Laurent Nkunda gekommen ist. Die jüngsten Angriffe im Oktober 2008 sind der vorläufige Höhepunkt der Auseinandersetzungen.
Oktober 2008


