Niger: Der Kampf gegen Armut und Hunger
Situation
Die Republik Niger in der Sahelzone ist aufgrund seiner schlechten wirtschaftlichen Rahmenbedingungen immer wieder von Hungerkrisen betroffen und in hohem Maß von auswärtiger Hilfe abhängig.
Die Entwicklungen in Niger haben in den letzten Jahren zu einer abwärts gerichteten Armutsspirale geführt, die immer deutlicher
eine wirtschaftliche und soziale Verelendung nach sich zieht. Niger gehört zu den ärmsten Ländern der Welt und nahm im Jahr
2010 den Platz 167 von 169 Ländern im Entwicklungsindex der Vereinten Nationen ein. Ein Großteil der Bevölkerung muss mit
weniger als einem Dollar pro Tag auskommen. 63 Prozent der Bevölkerung lebt unter der Armutsgrenze. Die Kindersterblichkeit
ist noch immer extrem hoch, obgleich sie innerhalb der vergangenen 10 Jahre um fast die Hälfte gesenkt werden konnte. Von
1.000 sterben jährlich 160 vor dem fünften Lebensjahr - die meisten von ihnen an Unterernährung, Malaria und Durchfall.
Viehzucht und Landwirtschaft, die auf einfachstem technischen Niveau betrieben werden, reichen nicht aus, die schnell wachsende
Bevölkerung zu ernähren. Aufgrund der Klimaveränderungen nahmen die durchschnittlichen Niederschläge in den vergangenen Jahren
deutlich ab - und das in einem Land mit sowieso schon äußerst schwierigen klimatischen Bedingungen.
Erst im Sommer 2010 litt die Bevölkerung Nigers unter einer extremen Dürre. Die darauffolgende Regenzeit brachte keine Erleichterung - im Gegenteil:
Sie führte zu massiven Überflutungen, die die Nahrungsmittelkrise nur noch weiter verschärften.
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| 21 Prozent der Kinder in Niger sind chronisch unterernährt - egal, ob die Ernte gut oder schlecht war |
Die gehäuft auftretenden, extrem langen Dürreperioden vermindern den Ertrag der Landwirtschaft und führen regelmäßig zu Hungerskrisen.
Vornehmlich junge Menschen versuchen dem elenden und von fast feudalistischen Clanstrukturen beherrschten Leben auf dem Land
durch Abwanderung in die größeren Städte zu entgehen.
Diese Tendenz hält an, obgleich die Erwartungen und Hoffnungen der schlecht ausgebildeten jungen Menschen in den Städten bitter
enttäuscht wird. Die meisten kämpfen hier ums nackte Überleben. Der Anteil alphabetisierter Erwachsener liegt lediglich bei
28,7 Prozent.
Die auf dem Lande lebende Bevölkerung sieht häufig keinen unmittelbaren Nutzen in der schulischen Bildung ihrer Kinder, sondern
eher den Ausfall einer Arbeitskraft. Auch wenn sich die Einschulungsquote seit 2000 kontinuierlich verbessert hat, erreichen
nur etwa zwei Drittel der Schülerinnen und Schüler den Abschluss der Grundstufe in der 6. Klasse. Rund 80 Prozent der Jugendlichen
in der Hauptstadt Niamey finden keine Erwerbsmöglichkeit. Ihr Traum von Freiheit und Unabhängigkeit endet häufig auf der Straße
mit ausbeuterischen Arbeitsstrukturen oder in der Kleinkriminalität.
Wiederherstellung der Demokratie
Im Niger beendete im Februar 2010 ein Militärputsch die unrechtmäßige Herrschaft von Präsident Tandja, nachdem er seine Amtszeit
über die in der Verfassung vorgeschriebene Beschränkung von zwei Legislaturperioden verlängert hatte. Er hätte im Jahr 2009
als großer Demokrat in den Ruhestand gehen können. Stattdessen löste er das Parlament auf, setzte das Verfassungsgericht außer
Kraft und führte ein verfassungswidriges Referendum durch.
Jeglicher Rückhalt in der Bevölkerung ging verloren. Ein “Oberster Rat zur Wiederherstellung der Demokratie“ übernahm die
Macht. Innerhalb des Zeitraumes von einem Jahr schuf der Rat die Voraussetzungen für die Rückkehr zur Demokratie und verfassungsmäßigen
Ordnung.
Ende Januar 2011 brachten die Parlaments- und Präsidentschaftswahlen einen Machtwechsel. Die bisherige sozialistisch-demokratische
Oppositionspartei gewann die Mehrheit der Sitze der Nationalversammlung und ihr Vorsitzender, Mahamadou Issoufou ging als
Sieger aus den Präsidentschaftswahlen hervor. Seit April 2011 ist er Präsident der Republik Niger. Die Tatsache, dass Präsident
Issoufou den Tuareg Brigi Rafini zum Premierminister ernannten und eine Regierung bildete, der erfahrenen Politiker, Technokraten
und Experten sowie Vertreter der Zivilgesellschaft angehören, lässt Hoffnung schöpfen.
August 2011



