Afrika  

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Niger: Der Kampf gegen Armut und Hunger

Starke Frauen sichern das Überleben

Magdeburg/Niamey. Ein würfelförmiger, fensterloser Lehmbau ist der ganze Stolz der Frauen von Shinfidastowo, einem abgelegenen kleinen Dorf in der Halbwüste Nigers. In der nächsten Dürre, die hier in der Sahelzone im Zweifel immer nur eine zu mager ausfallende Regenzeit entfernt ist, bietet er die Chance zu überleben. Wie entscheidend ein einfacher Kornspeicher sein kann, haben Monika und Hans-Herrmann Könecke auf einer einwöchigen Reise in das ärmste Land der Erde erlebt. Der Magdeburger Caritas-Chef fuhr auf Einladung von Caritas international, dem Hilfswerk des Deutschen Caritasverbandes, mit seiner Frau nach Afrika. "Wir sind tief beeindruckt, mit wie wenig Mitteln und wie nah an den Bedürfnissen der Menschen die Caritas im Niger hilft," sagt Könecke. 15 Tonnen Getreide lagern jetzt nach einer vergleichsweise guten Ernte in diesem Jahr in dem von Caritas international und Bundesregierung finanzierten Kornspeicher. Bis September nächsten Jahres muss das reichen.

Frauengruppe

Besonders auffällig für die Magdeburger war auch, dass es immer wieder starke Frauen sind, die das Heft in die Hand nehmen und das Überleben ihrer Familien sichern. In Shinfidastowo entscheiden sie darüber, ob und wann Hirse, Sorghum und Mais nur an Dorfbewohner abgegeben wird oder auch Überschüsse im nahegelegenen Tahoua oder an Verwandte in Nachbardörfern verkauft werden.

Die Caritas Niger, dort seit 2005 Caritas-Développement" (CADEV) genannt, setzt deshalb in ihren Projekten immer wieder auf Frauengruppen, wenn es um Nahrungsmittelversorgung geht. Auch in der Hauptstadt Niamey. 30 Frauen hatten sich hier zusammengetan, zunächst 15 Cent pro Woche gespart und das auf 25 Cent gesteigert. "Mit diesem Geld und einem kleinen Kredit sowie Beratung von CADEV haben sie eine Schafzucht gestartet und produzieren eine begehrte Seife aus den Samen des Neem-Baumes," erklärt Könecke. Inzwischen ist ihr Kapital auf 3.000 Euro angewachsen, ein Vermögen für hiesige Verhältnisse, und jede Familie hat zwei bis vier Schafe, deren Fleisch die karge Nahrungsmittelversorgung verbessert. Unterstützt von Caritas Niger haben sich mittlerweile 104 dieser Frauengruppen gebildet.

"Aber das heißt nicht, dass Männer nicht beteiligt sind", so der Caritas-Geschäftsführer. In Sourani, einem Nachbardorf von Shinfidastowo, haben sie 5.500 "Halbmonde" in den trockenen Boden gegraben, kleine Erdwälle, in denen sich in der Regenzeit von April bis August Wasser sammelt und der Wind davon abgehalten wird, es gleich wieder zu verwehen. Einfach aber wirkungsvoll, denn der Ertrag lässt sich so verdoppeln.

"Die Caritas Niger will hier, wie in vielen anderen Projekten, Anstöße geben", erklärt Könecke. Immer sollen die Menschen eine Eigenleistung erbringen und selbst mit entscheiden, welche Hilfe sie am dringendsten benötigen: "Betroffene zu Beteiligten machen - davon können wir in Deutschland noch von lernen". Ziel ist, nach einer kurzen Unterstützung die Arbeit selbständig weiter machen zu können. Die Startbedingungen sollen verbessert werden und da gibt es in diesem Land von der dreifachen Größe Deutschlands unendlich viel zu tun, haben die Köneckes an vielen Beispielen gesehen.

Frauengruppe

So stemmt sich die Caritas Niger, unterstützt von vielen Caritasverbänden weltweit, mit ganz pragmatischen Projekten gegen diese Entwicklung. Sie unterhält Gesundheitsstationen und Schulen für Nomadenkinder, organisiert ambulante Nahrungsversorgung für unterernährte Kinder und Mütter, bildet Straßenkinder aus, betreut strafgefangene Jugendliche und reintegriert sie in ihre Familien, verschafft behinderten Jugendlichen Ausbildung und Arbeit...

"Die Kirche im Niger ist mit 20.000 Katholiken verschwindend klein", berichtet Könecke. Aber durch ihre soziale Arbeit habe sie eine weit größere Bedeutung im Land gewonnen. Gerade aus Deutschland werde sie dabei von Caritas international stark unterstützt. Der entscheidende Unterschied in der Arbeit von CADEV im Vergleich zu anderen konfessionellen Organisationen sei, dass sie allen Menschen helfe und nicht nur den Anhängern ihrer Religion: "Maßstab ist allein die Bedürftigkeit". Und noch eine Besonderheit sei in den Gesprächen immer wieder herausgehoben worden: "Ihr seid nicht kurz nach der Katastrophe wieder weg, sondern ihr bleibt". 

Dies hat die Caritas Niger als sozialen Arm der katholischen Kirche im Land tief verwurzelt. "Es gibt ein Wort, dass alle Straßensperren öffnet, an denen Maut kassiert und von der Polizei kontrolliert wird," haben Köneckes fasziniert auf weiten Fahrten immer wieder beobachtet: "Unsere Fahrer mussten nur "Caritas" sagen, sofort strahlen alle Gesichter und die Sperrseile werden herunter gelassen." 

Die beiden Magdeburger wollen dafür sorgen, dass es auch weiter Grund dafür gibt. "Wir haben eine so existenzielle Armut erlebt. Mit unseren Berichten möchten wir dafür werben, diesem fast vergessenen Land Afrikas mit Spenden zu helfen", sagt Monika Könecke.

Wer mithelfen möchte, kann auf das Konto 202 bei der Bank für Sozialwirtschaft, Karlsruhe, BLZ 660 205 00, unter dem Stichwort "Niger" spenden. Das Geld kommt bei den Menschen vor Ort an. Davon haben sich die beiden überzeugt.

Dezember 2007