Die erste große Hilfsaktion des Deutschen Caritasverbandes im Ausland
"Der Deutsche Caritasverband war im großen Hungerjahr Russlands damit beauftragt worden, die reichen Mittel des päpstlichen
Hilfswerkes nach Russland zu liefern, und zwar unmittelbar in die Hände der Empfänger." So berichtet am 17. September 1924 die Neue Augsburger Zeitung über die erste große Hilfsaktion des Deutschen Caritasverbandes im Ausland. In den Jahren von 1921 bis 1925 leistet die Caritas
während der Hungersnot in Russland umfassende Hilfe unter dem Leitwort "Brüder in Not". Hilfe, die vorwiegend an die in Russland
lebenden Deutschen geht.
In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts beschränkt sich die Auslandsarbeit der deutschen Caritas weitgehend auf Hilfen für
Deutsche im Ausland. Vor allem in den afrikanischen Kolonien, in Russland und in Südamerika unterstützt Caritas die Menschen
individuell und seelsorgerisch.
Das ändert sich nach dem Zweiten Weltkrieg. Ab Ende der 50er Jahre widmet sich der Verband verstärkt der Not- und Katastrophenhilfe
für die Länder Europas und der Dritten Welt. Eine Ausrichtung, die auch zustande kommt, weil die Deutschen nach Ende des Krieges
selbst lebenswichtige Unterstützung aus dem Ausland erfahren haben. Aktiv wird der Deutsche Caritasverband beispielsweise
beim Ungarnaufstand 1956: Gemeinsam mit dem Diözesan-Caritasverband Passau und dem Dachverband des internationalen Caritas-Netzwerks,
Caritas Internationalis (CI), wird die ungarische Bevölkerung mit Nahrungsmitteln versorgt.
1967 überträgt die Deutsche Bischofskonferenz dem Deutschen Caritasverband die Federführung bei der Not- und Katastrophenhilfe innerhalb der katholischen Kirche. Im gleichen Jahr leiten die Hilfsaktionen für das nigerianische Biafra eine neue Phase der Katastrophenhilfe ein. Da das Rote Kreuz aus politischen Gründen in Nigeria nicht aktiv werden darf, übernehmen Caritas und Diakonie die Federführung. Zum ersten Mal in der Geschichte der Nothilfe chartern die kirchlichen Hilfswerke selbst Transportflugzeuge, um die Hilfsgüter in das eingeschlossene Biafra zu fliegen. Und auch im Bürgerkrieg, der 1971 bei der Gründung Bangladeschs wütet, leistet die Caritas umfassende humanitäre Hilfe.
Anfang der 70er Jahre ist Vietnam einer der zentralen Einsatzorte der deutschen Caritas in der Not- und Katastrophenhilfe.
Während des Krieges erhalten die dort lebenden Menschen Medikamente und medizinische Ausrüstung; Caritas hilft beim Bau von
Krankenhäusern und betreut die zahllosen Flüchtlinge.
Die Not- und Katastrophenhilfe des Deutschen Caritasverbandes nimmt in den 70er und 80er Jahren immer größere Ausmaße an.
Wichtige Ereignisse in der Auslandshilfe sind 1980 das Erdbeben in Italien, 1984 die Dürre in Afrika und 1991 die Winterhilfe
für Russland. Soziale Facharbeit in der Dritten Welt leistet der Deutsche Caritasverband seit Anfang der sechziger Jahre.
Das 1963 gegründete "Seminar für Sozialarbeit in Übersee" ist für die Ausbildung von Fachkräften und Missionshelfern aus dem
In- und Ausland zuständig; 1982 geht es im Referat "Sozialstrukturhilfe" auf. Die soziale Facharbeit, die seit dem Jahr 2000
in die Regionalreferate eingegliedert ist, bildet sich damit in ihrer derzeitigen Form heraus. Das Ende der Ost-West-Auseinandersetzung
erfordert seit Anfang der 90er Jahre auch einen systematischen Aufbau sozialer Hilfen für die Länder Ost- und Südosteuropas.
1995 erhält die Auslandsabteilung des Deutschen Caritasverbandes ihren eigenen Namen: Caritas international.

