AFRIKA  

Spende

Tansania: Förderung von Kindern mit Behinderung

Die Situation

In Tansania gelten körperliche Behinderungen als Strafe für Verfehlungen der Eltern. Die Geburt eines Kindes mit verkrümmten Gliedmaßen ist daher für die Eltern häufig eine unerträgliche Realität. So verstecken viele ihre behinderten Kinder in den Hütten oder töten sie gleich nach der Geburt. Dabei sind die Behinderungen häufig operabel und die Kinder in die Gesellschaft integrierbar. 

Karte Tansania

Die Situation von körperbehinderten Menschen ist in Tansania – wie auch in vielen anderen Ländern Afrikas - äußerst schwierig. Angesichts der kulturell tief verwurzelten Verbindung von Behinderung mit Bösem haben Schwerbehinderte in Tansania kaum eine Chance auf ein menschenwürdiges Leben. Behinderte Neugeborene werden getötet, überlebende Kinder versteckt und vernachlässigt - weil die Eltern sich ihrer schämen. Sie denken, die Behinderung ihres Kindes sei eine Strafe Gottes für eine böse Tat der Eltern.

Die Möglichkeiten der medizinischen Versorgung und Behandlung von körperlich behinderten Menschen sind unzureichend oder nicht vorhanden. Eine Bezahlung von anfallenden Behandlungskosten oder Hilfsmitteln ist aufgrund der wirtschaftlichen Situation nur in Ausnahmefällen möglich.

Dabei ist die Anzahl behinderter Menschen auffallend groß. Die Ursachen für diese hohe Zahl sind vielfältig: Durch fehlende Impfungen erkranken viele Menschen an Kinderlähmung. Im Prinzip kleine und leicht korrigierbare anatomische Unregelmäßigkeiten (wie zum Beispiel Klumpfüße oder Spreizbecken) werden nicht behandelt und entwickeln sich dadurch zu schweren Behinderungen. Daneben gibt es viele Unfälle und damit zusammenhängende schlecht verheilte Brüche und Wunden. Kleinkinder fallen nicht selten in die offenen Feuerstellen. Die schweren Verbrennungen hinterlassen Narben, die entstellen und behindern.  

Im Gebiet der Erzdiözese Arusha gibt es zusätzlich viele Fälle von Osteo-Fluorosis. Diese Krankheit ist bedingt durch den in einigen Gebieten vorzufindenden extrem hohen Anteil an Fluorid im Trinkwasser und führt zu einer massiven Verweichlichung der Knochen und zu einer daraus resultierenden Deformierung des Knochengerüstes.

Die ländliche Bevölkerung Nordtansanias ist in ihren Traditionen noch sehr stark verhaftet. Für die Caritas-Mitarbeiter ist es nicht leicht, Verständnis für die Anliegen und Probleme der behinderten Menschen zu schaffen. Dabei ist häufig mit wenig Aufwand eine große Verbesserung der Lebensumstände behinderter Menschen zu erreichen.

Für Tansanias Regierung sind Behinderte, weil sie ohne nennenswerte Lobby sind, kein Thema. Es existieren weder eine Bestandsaufnahme der Behindertensituation noch Ansätze einer Behindertenpolitik. Auch mit dem seit 15 Jahren bekannten Problem des Fluorids im Trinkwasser haben sich die Behörden noch nicht ernsthaft beschäftigt.

Juli 2010

 
 

 


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