Hilfe für die Opfer des Irak-Konflikts
Die Situation
Der Krieg gegen das Baath-Regime Saddam Husseins im Irak ist seit Mai 2003 beendet und inzwischen Geschichte. Zurück blieb ein zutiefst zerrüttetes Land, in dem politische Gegner mit Selbstmordanschläge, Entführungen und militärischen Gegenschlägen kämpfen. Als unmittelbare Folgen der gewaltsamten Konflikte wirken Unterernährung und unzureichende medizinische Versorgung fort.
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| Saddam Hussein ist schon lange Geschichte - die blutigen Auseinandersetzungen dauern aber fort |
Der "schleichende" Krieg hat schon längst mehr Opfer gefordert, als die Kämpfe während des 3. Golfkrieges selbst. Für den
Irak gelten die schärfsten Sicherheitswarnungen. Internationale Hilfsorganisationen haben schon seit Jahren ihre ausländischen
Mitarbeiter abgezogen. Allein die wenigen irakischen Hilfsorganisationen leisten noch soziale und humanitäre Hilfe für die
Notleidenden.
Schon während des Krieges war humanitäre Hilfe kaum möglich: von Plünderungen bedroht, konnte fast keine ausländische Hilfe
in den Irak gelangen. Nur wenige, die - wie Caritas international - im Land mit einheimischen Partnerorganisationen zusammenarbeiten,
hatten überhaupt die Möglichkeit zu agieren.
Die humanitäre Lage im Irak hat sich über die seit dem ersten Golfkrieg andauernde Krise stetig verschlechtert. Seit dem Höhepunkt der Gewalt im Jahr 2006 ist die Zahl der Anschläge im Irak deutlich zurückgegangen. Dennoch kommt es immer
wieder zu Angriffen - vor allem auf die Sicherheitskräfte des Landes. Im September 2011 kamen im Norden und Süden des Landes
bei Anschlägen über 25 Menschen ums Leben. Das ehemals wohlhabende Land ist mit extremer Armut konfrontiert, die Infrastruktur ist in weiten Teilen zerstört. Trinkwasser,
Lebensmittel und medizinische Versorgung sind seit Jahrzehnten nicht mehr gewährleistet.
Die schlechte Versorgung hat zur Folge, dass der Irak einen traurigen Rekord hält: In keinem anderen Land der Welt hat die Kindersterblichkeit
so dramatisch zugenommen.
Doch auch irakische Organisationen wie Caritas Irak sind nicht vor Angriffen gefeit. "Wer hilft, hat selbst zuviel" lautet
allzu schnell die Logik, mit der humanitäre Helfer zur Zielscheibe von Überfällen und Gewaltakten werden. Unter diesen lebensgefährlichen
Bedingungen bemühen sich die Mitarbeiter der "Confrèrie de la Charité", der Caritas Irak, ihre Arbeit fortzusetzen.
Unterstützung brauchen auch die Caritasorganisationen der Nachbarländer Jordanien und Syrien, in die sich Millionen von Irakern
geflüchtet haben. Nach Angaben der International Organisation for Migration (IOM 2010) ist der Anteil von christlichen Familien unter den Flüchtlingen
und Inlandsvertriebenen überproportional hoch im Vergleich zur Gesamtbevölkerung. Christliche Familien, eine Minderheit im
muslimisch geprägten Irak, sind ein bevorzugtes Ziel von fanatischen religiösen Sektenangehörigen.
Die Menschen leiden unter einer Mischung aus Terrorismus, Kriminalität und religiösem Fanatismus. Viele der Familien mussten
nach massiven Bedrohungen ihre Häuser und ihre Existenzgrundlage fluchtartig verlassen. Vor allem aus dem Süden des Landes
und der Hauptstadt Bagdad werden immer mehr Familien vertrieben. Sie flüchten entweder in die Nachbarländer oder in den vermeintlich
ruhigeren Norden des Landes.
Laut UNHCR sind im Jahr 2009/2010 rund 4,7 Millionen Iraker innerhalb und außerhalb des Landes auf der Flucht. Offizielle
Zahlen sprechen derzeit etwa zwei Millionen Inlandsvertriebenen. Diese Familien leben nun unter schwierigsten Bedingungen.
Die wenigsten finden Arbeit. Von der staatlichen Nahrungsmittelzuteilung sind sie nach dem Verlassen ihrer Heimatgemeinden
ausgeschlossen. Nicht selten stößt man in Bagdad auf zerfallene Häuser, die von Flüchtlingen bewohnt sind. Oft lebt eine große
Familie in einem einzigen Raum, ohne Wasser und ohne sanitäre Anlagen.
Die Caritas international unterstütz in zehn Zentren die Menschen im Irak, die in absoluter Not leben, und leistet Hilfe für
Flüchtlinge.
September 2011


