Asien  

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Pakistan: Erneut Überschwemmungen nach Monsun

Caritas international erhöht die Soforthilfe auf 300. 000 Euro

Rund ein Jahr nach einer der schwersten Überschwemmungen in der Geschichte Pakistans haben die andauernden starken Monsunregen erneut weite Flächen unter Wasser gesetzt. Nach Angaben der Vereinten Nationen sind mindestens 5,4 Millionen Menschen von der Flut betroffen

Pakistan: Überschwemmungen 2011

Wieder haben Monsunregen in Pakistan Menschen aus ihrer Heimat vertrieben. In der Region Sindh im Süden des Landes sind nach Angaben der Programm-Koordinatorin von Caritas international in Pakistan Beliza Espinoza mindestens 1,2 Millionen Häuser zerstört. Die meisten derjenigen, die in den Fluten ihre Häuser verloren haben, haben in Notunterkünften Zuflucht gefunden. 

Caritas international hat inzwischen 300.000 Euro Soforthilfe bereitgestellt und mit Caritas Pakistan und der lokalen Partnerorganisation "Faces" die Hilfen für die Betroffenen eingeleitet. Zelte, Nahrungsmittel und Medikamente wurden zunächst an 650 Familien in Badin, einem besonders schwer betroffenen Bezirk im Sindh ausgegeben. Inzwischen konnte Caritas die Nothilfe deutlich ausweiten: 2.750 Haushalte können u.a. mit Planen, Hygiene- und Gesundheitspaketen, Wasserkanistern und Entkeimungstabletten versorgt werden.

Bereits im Juli 2011 hatte die nationale Behörde für Katastrophenschutz in Pakistan vor neuen Monsunregen und Überschwemmungen gewarnt. Man rechne damit, bei einem mäßigen Monsun Nothilfe für bis zu zwei Millionen Menschen leisten zu müssen. Nun scheint es noch schlimmer zu kommen als befürchtet.

Laut Martin Bessler, der die Katastrophenhilfe für die Vereinten Nationen in Pakistan koordiniert, werden viele betroffen sein, die sich von den Überschwemmungen des letzten Jahres noch nicht erholt haben: Menschen, die in Armut leben und die nach der Flut 2010 keine Lebensgrundlage aufbauen konnten, sind besonders verwundbar. Obgleich die Hilfen nach der Flut im letzten Jahr große Fortschritte gemacht haben gibt es noch etliche Familien, die noch keine regensicheren Wohnungen haben. In der betroffenen Provinz Sindh sind bis zu 23 Prozent der Bevölkerung mangelernährt.

Seit der erneuten Zunahme des Terrors im Land nach dem Tod von Obama bin Laden ist vom Leid und der Not der Menschen, die sich von der Flutkatastrophe noch nicht erholt haben, kaum mehr etwas in den Medien zu hören. Daniel Apolinarski, Mitarbeiter bei Caritas international, hat kürzlich auf einer Reise in Pakistan mit den Dorfältesten gesprochen, um die Zusammenarbeit zu intensivieren. Er schreibt: "Obwohl die Flut schon bald ein Jahr zurückliegt, sind die Schäden noch deutlich sichtbar. Viele Bauern haben das Problem, dass sie ihre Zuckerrohrfelder nicht bestellen können. Durch die Flut haben sich Sand und Sedimente abgelagert, die erst wieder entfernt werden müssen. Deshalb hat Caritas international ein Entsandungsprojekt ins Leben gerufen, damit die Einkommensquelle der Bauern wieder gesichert sind."

Die Hilfen der Caritas nach der Flut 2010

Nach Angaben der Vereinten Nationen waren 2010 rund 130.000 Quadratkilometer Pakistans überspült - etwa ein Drittel der gesamten Fläche Deutschlands. 2.000 Menschen haben ihr Leben verloren, mehr als 20 Millionen sind direkt von den Überschwemmungen und ihren Folgen betroffen.

Mit alten Fahrradschläuchen werden beim Hausbau die tragenden Bambusstangen verbunden.
Mit alten Fahrradschläuchen werden beim Hausbau
die tragenden Bambusstangen verbunden.
Foto: Øle Schmidt/ Caritas international

Die Fluten verursachten in Pakistan Schäden bis zu zehn Milliarden Euro. Trotz der dramatischen Ausmaße dauerte es mehrere Wochen, bis die Weltöffentlichkeit auf die Katastrophe aufmerksam geworden ist. In dem Feature Tagebuch einer Katastrophe berichtet Monika Kalcsis, Mitarbeiterin von Caritas Österreich, über den Wettlauf gegen Wasser, Schlamm und bürokratische Hürden (siehe NDR info ).

Dank der überwältigenden internationalen Hilfsbereitschaft für die Opfer der Fluten im Jahr 2010 können Hilfsorganisationen wie Caritas international nicht nur Soforthilfe und Wiederaufbauhilfe leisten. Sie treffen auch Vorsorge gegen weitere Flutkatastrophen. Die Katastrophenhelfer der Caritas sind seit Beginn der extremen Monsunregenfälle 2010 im Einsatz. Bislang hat das internationale Caritasnetzwerk in Pakistan Nothilfe für mehr als 350.000 Menschen geleistet. Davon hat Caritas international, das Hilfswerk der Deutschen Caritas, 235.000 Betroffene versorgt.

In der ersten Nothilfephase hat Caritas international im vergangenen Jahr Nothilfen wie Lebensmittel, Notzelte, Trinkwasser, Wasserentkeimungstabletten, Moskitonetze und Hygieneartikel an rund 51.000 besonders schwer betroffene Familien verteilt. Auch in den Wintermonaten ging die Lebensmittelversorgung weiter. Gesundheitsteams der Caritas behandeln in fünf mobilen Kliniken Menschen, die verletzt oder auf ärztliche Hilfe angewiesen sind. Sie bestehen aus einem Arzt, einer Pflegekraft, sowie einem Fahrzeug mit Fahrer. Dazu sind weitere Gesundheitsstationen aufgebaut worden. 

2010 baute Caritas international für über vier Millionen Euro Übergangshäuser für rund 65.000 Menschen im Süden Pakistans. In jedem der einfachen Häuser finden bis zu acht Personen Platz. Damit auch die landlosen Bauern wieder eine Ernte erwirtschaften können, verteilte die Caritas Saatgut, Dünger und Pflanzenschutzmittel. So konnte die Winteraussaat von Weizen, Reis und Linsen zu einer erträglichen Ernte führen. Außerdem übernimmt das Hilfswerk Kosten für die Miete von Traktoren und Werkzeugen.

In den nördlichen Landesteilen unterstützt Caritas international ebenfalls die Menschen beim Bau von Übergangshäusern. Hier herrschten im Winter Minusgrade. Vor allem für die vielen Menschen mit Atemwegs- und anderen Erkrankungen und die Unterernährten stellt die Kälte eine lebensbedrohliche Gefahr dar. Daher liefen die Baumaßnahmen durch die Betroffenen selbst und durch die Katastrophenhelfer auf Hochtouren. Hunderttausende, die ihre Wohnungen bei der Flut verloren haben, brauchen wärmeisolierte Unterkünfte.  „Wir stehen hier unter enormem Zeitdruck", erklärt unser Kollege Frank Falkenburg am 19. November 2010 im ZDF-Morgenmagazin . „Innerhalb von ein bis zwei Tagen pro Gebäude errichten wir mit den Flutopfern die Grundmauern für ihre Häuser". 

Auch in die Infrastruktur muss Geld investiert werden. Denn die Überschwemmungen haben entlang des gesamten Indus, der Pakistan von Nord bis Süd durchfließt, schwere Verwüstungen angerichtet. Straßen, Brücken und Gebäude wurden mitgerissen, die Versorgung mit Strom und Trinkwasserleitungen sind fast vollständig zerstört. Unsere Mitarbeiter(innen) berichten, dass viele Wasserquellen nach wie vor nur schlammiges Wasser enthalten. Noch immer ist die Versorgung mit Lebensmitteln notwendig. Große Teile der landwirtschaftlich genutzten Flächen standen kurz vor der Ernte. Insgesamt gingen 3,6 Millionen Hektar landwirtschaftlicher Nutzfläche verloren, die auch in absehbarer Zeit nicht genutzt werden können. 

Die Regierung in Pakistans ließ im Juli 2011 verlauten, dass bisher nur rund Dreiviertel der Hilfe, die die internationale Gemeinschaft für den Wiederaufbau zugesagt hatte, auch angekommen ist. Die Nothilfekoordinatorin der Vereinten Nationen, Valerie Amos, sah im April 2011 noch einen Bedarf von 600 Millionen Euro, um vor dem Einsetzen der Monsunregen die Schäden der letzen Fluten zu beheben.  

 

 Video zur Nothilfe der Caritas in Pakistan 2010

Bisherige Bilanz der Hilfen

Bis zum Jahresende 2010 gingen bei Caritas international 17,2 Millionen Euro an Spenden ein. Damit können wir in den nächsten Jahren nachhaltige Wiederaufbauhilfe in Pakistan leisten. Ein Drittel der Spenden (7.340.000 Euro) haben wir bis Juli 2011 eingesetzt.

1.068.990 Euro flossen in unmittelbare Nothilfeprojekte: Verteilt wurden Küchenutensilien, Hygiene-Artikel, Nahrungs- und Wasseraufbereitungsmittel. Fachkräfte leisteten Soforthilfe in den Gesundheitsstationen und der mobilen Klinik.

Für über 300.000 Euro wurden sanitäre Anlagen und die Wasserversorgung instandgesetzt.

Mit 2.513.602 Euro wurden Zelte gekauft, verteilt und provisorische Unterkünfte errichtet. An dieser Hilfe beteiligten sich das Auswärtige Amt und das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit.

Für Starthilfen und Wiederaufbau hat Caritas international bisher 905.000 Euro bereit gestellt: für die Instandsetzung von Bewässerungskanälen, Wegen, Brücken, Schulen und Gesundheitsposten. Wiederaufbauprojekte werden als Einkommen schaffende Maßnahmen für Flutopfer umgesetzt. Vielen anderen hilft die Beschaffung von Saatgut, Kleinvieh und landwirtschaftlichem Gerät beim Neuanfang. Schulungen zur Katastrophenvorsorge sind Bestandteil aller Projekte. Bei der Auswahl der Begünstigten werden die sozial Schwächsten vorrangig berücksichtigt und von Sozialarbeiter(innen) begleitet. Fünfzehntausend Menschen erhielten Hilfen im Wert von über 1,25 Millionen Euro zum Aufbau einer Lebensgrundlage.

Im Jahr 2011 setzt Caritas international fünf Millionen Euro für die Weiterführung dieser Projekte ein. Die Arbeit konzentriert sich auf die südlichen Provinzen Sindh und Belutschistan sowie auf Projekte im Punjab und in der ehemaligen Nordwestprovinz.

Caritas international, das Hilfswerk der deutschen Caritas  ruft weiterhin zu Spenden für die Opfer der Überschwemmungen auf.

Spenden Sie online mit dem Spendenbutton oder mit dem Stichwort
"Fluthilfe Pakistan"  per Banküberweisung:

Caritas international Freiburg
Spendenkonto 202
Bank für Sozialwirtschaft Karlsruhe
BLZ 660 205 00

29. September  2011