Uganda: Rückkehr in den Frieden
Situation
Die Folgen des jahrzehntelangen Bürgerkriegs sind im Norden Ugandas weiterhin spürbar. Misstrauen prägt das Zusammenleben in den Dörfern, und noch kann keine Rede von einem wirtschaftlichen Wiederaufbau sein. Die Regierung tut wenig, um die intern vertriebenen Kriegsflüchtlinge bei ihrem Neuanfang zu unterstützen.
Folterungen und Ermordung von über 12.000 Menschen, Entführung von mehr als 25.000 Kindern, um sie als Kindersoldaten zu rekrutieren, Vergewaltigungen und Verstümmelungen: Das ist die Bilanz von zwanzig Jahren Krieg im Norden Ugandas. Fast zwei Millionen Menschen waren mehr als zehn Jahre lang gezwungen, in Flüchtlingslagern zu leben.
Ugandische Regierungstruppen standen in diesem Krieg den Milizen der Lord’s Resistance Army (LRA), gegenüber. Die LRA hat im Norden Ugandas, im Land der Acholi, einen langen und grausamen Krieg auf dem Rücken der Zivilbevölkerung ausgetragen.
Auch von Regierungsseite wurde bei den militärischen Auseinandersetzungen kaum Rücksicht auf die Zivilbevölkerung genommen. Mehr als zwei Millionen Menschen mussten in zentralen Flüchtlingslagern, den sogenannten "Protected Areas", auf engstem Raum leben.
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| Flüchtlingscamp in Uganda |
Im Dezember 2006 vereinbarten die ugandische Regierung und die Milizen der LRA einen Waffenstillstand zur Einleitung des Friedensprozesses. Die LRA hat die Verhandlungen immer wieder torpediert. Bis heute hat der Kriegsfürst der LRA, Joseph Kony, den Friedensvertrag nicht unterzeichnet. Er zog sich mit seinen Truppen in den Nordosten der benachbarten Demokratischen Republik Kongo und in den Südsudan zurück, wo er nach wie vor einen grausamen Feldzug gegen die Zivilbevölkerung führt. Seit 2008 kamen hier laut Angaben von Human Rights Watch rund 4.000 Menschen ums Leben. Auch im Oktober 2011 überfielen die LRA Milizen immer wieder Dörfer und Städte.
Während im Nordostkongo immer mehr Menschen vor der LRA auf der Flucht sind, kehrten im Norden Ugandas viele Vertriebene inzwischen in ihre Dörfer zurück. Doch die Ereignisse und Raubzüge im Nachbarland verunsichern auch die Menschen in Uganda.
Am Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag (ICC) erging Haftbefehl gegen Joseph Kony. Er wird in zwölf Punkten wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit angeklagt, darunter der vorsätzlichen Tötung, Versklavung, sexueller Sklaverei, Vergewaltigung, und schweren Verletzungen der körperlichen und geistigen Gesundheit. Des weiteren wird er in 21 Punkten wegen Kriegsverbrechen angeklagt, darunter der vorsätzlichen Angriffe auf die Zivilbevölkerung, Plünderung, Anstiftung zur Vergewaltigung und Zwangsrekrutierung von Kindern.
Suche nach Normalität und zivilem Leben
Mitte 2010 sind 90 Prozent der Bevölkerung, die durch den Krieg im Norden Ugandas auf der Flucht war und bis zu zwei Jahrzehnten in Flüchtlingscamps gelebt hat, wieder in die Dörfer zurückgekert. Von 121 offiziell registrierten Camps waren bis Juni 2010 108 geschlossen worden. Doch mit der Auflösung der Flüchtlingscamps ist noch lange keine Normalität in das Leben der Menschen in Norduganda zurückgekehrt. Zum einen braucht es Zeit, um Versöhnung und Frieden sowie eine funktionierende Sozialstruktur und Zivilgesellschaft unabhängig von der Hilfe im Camp wieder auftzubauen. Zum anderen konnten nicht alle Menschen in ihre Herkunftsdörfer zurückkehren, und wer alt, krank oder ohne soziale Netzwerke und Familienunterstützung ist, hat oft keine Möglichkeit gefunden, von dem Leben im Flüchtlingscamp Abschied zu nehmen. In den Flüchtlingslagern zurückgeblieben sind Menschen, die sich nicht selbst versorgen können: alleinstehende Kinder, alte und behinderte Menschen.
Die Opfer des Bürgerkriegs bleiben mit ihren Problemen weitgehend allein. Es herrschen Angst und Misstrauen innerhalb der Familien und zwischen den Klans. Ehemalige Kindersoldaten, die zu ihren Familien zurückgekehrt sind, werden für die Gräueltaten, zu denen sie gezwungen wurden, verantwortlich gemacht. Selbst ihre eigenen Familien verstoßen sie.
Miserable hygienische Zustände, eine hohe Krankheitsanfälligkeit, ein enormes Aggressions- und Konfliktpotential aufgrund der beengten Wohnverhältnisse und eine extrem hohe HIV/Aids-Rate sind nur einige der Folgen des Krieges. Der Norden Ugandas ist nach wie vor schlecht mit sozialen Einrichtungen ausgestattet. Es fehlt an Infrastruktur, Schulen, Gesundheitszentren, Straßen und Elektrizität. Und es gibt wenig Arbeit jenseits der Landwirtschaft. Dieses Jahr klagen viele Menschen über die Folgen des Klimawandels: erst gab es eine lange Dürre, dann heftige Regenfälle. Die Dürre Ostafrikas macht sich auch hier bemerkbar.
Frieden und Versöhnung sind daher die wichtigsten Ziele der Arbeit der Caritas in Norduganda.
November 2011



