Sozialcourage Spezial  

Vorsicht Medikamente

Spenden mit Verfallsdatum

Während des Zweiten Weltkriegs starben in Deutschland Kinder an einem simplen Holzspreißel - und daran, das es kein Penicillin gegen die Blutvergiftung gab. In vielen Ländern der Erde bedeutet eine Wundinfektion auch heute ernste Lebensgefahr. Und bei uns in Deutschland liegen ungebrauchte Medikamente herum: Sammeln und hinschicken - wäre das nicht die Lösung?
Klingt einfach, ist es aber nicht. Wer übersetzt den Beipackzettel, achtet aufs Verfallsdatum, überwacht die Dosierung? "Die Dosis macht, dass etwas heilt und nicht Gift ist", wissen wir von Paracelsus. So gesehen können Medikamentensexporten in Dritte Welt-Länder chemische Zeitbomben sein. Doch auch Caritasverbände in Deutschland sammeln Medikamente und versenden sie per Hilfstransport. Wie umgehen sie die skizzierten Gefahren? Rupert Immesberger vom Caritasverband im Bistum Speyer verschickt seit Jahren Medikamente nach Osteuropa. Er sammelt bundesweit - aber nicht in ungeordneten Medizinschränkchen von Privatleuten: Apotheken und Pharmaindustrie sind seine Lieferanten, die er gezielt um bestimmte Wirkstoffe bittet. Derzeit sendet er Lieferungen nur nach Kroatien, denn nur dort garantieren sachkundige Empfänger, dass die Medizin richtig abgegeben und eingesetzt wird.

Caritas international selbst liefert Medikamente in Not und Katastrophengebiete, aber in Beratung und Abstimmung mit dem Missionsärztlichen Institut Würzburg. So werden Basismedikamente an 30 Hospitale in Nordkorea geliefert. Aber der Schwerpunkt der Hilfe ist in Afrika - von Angola bis Zimbabwe. unter den über 80 Ländern, die nicht nur Pillen, sondern auch spezielles Informationsmaterial dazu erhalten. Die Experten (Arbeitsgruppe: "Zusammenarbeit in Not und Katastrophen" (ZINK) im Missionsärztlichen Institut Würzburg, Salvatorstr. 22 ,D-97074 Würzburg, Tel.: 0931-80485-17, Fax: 0931-7841-441
E-Mail:
mi.cinad@mail.uni-wuerzburg.de Leiterin: Dr. Bärbel Krumme)
orientieren sich prinzipiell an den WHO-Leitlinien für Arzneimittelspenden wie: Es darf keine unterschiedlichen Qualitätsstandards geben. Der Empfänger muss seinen Bedarf definieren. Die Spendenquelle muss sicher sein (keine Ärztemuster oder Haushaltssammlungen). Bezeichnung und Beschriftung der Medikamente müssen im Empfängerland verständlich sein. Wer die internationalen Regeln für Arzneimittelspenden einhält, vergiftet keine ahnungslosen Empfänger - und erspart seinen Projektpartnern auch die teure Entsorgung gutgemeinter, aber unverwendbarer Zufallsmischungen: Die müssen auch in Drittweltländern als Sondermüll teuer entsorgt werden.

Bernhard Seiterich

Info: Ulrich Gebhard, E-Mail ulrich.gebhard@caritas.de