Jordanien: Zentrum für irakische Flüchtlinge und Migranten
Das Projekt
Kein anderes Land hat im Verhältnis zu seiner Größe mehr irakische Flüchtlinge aufgenommen als Jordanien - mehr, als aus eigener Kraft versorgt werden können. Caritas Jordanien unterstützt Flüchtlinge und Migrant/innen in ihren Zentren.
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| Ein Flüchtlingsschicksal unter vielen: Die irakische Lehrerin Bazima hat in Jordanien Asyl gefunden. Ihr Sohn ist im Irak entführt worden und nur gegen ein hohes Lösegeld freigekommen. Der Vater ist seither psychisch krank. |
| Foto: Bjarne Jorgensen |
Die hohe Zahl von Flüchtlingen und asiatischen Arbeitsmigrantinnen veranlasste Caritas Jordanien dazu in der Hauptstadt Amman
ein Zentrum für diese benachteiligten Gruppen einzurichten: Mitarbeiter und Freiwillige der einheimischen Caritas versorgen
von hier aus rund 1.000 Flüchtlingsfamilien mit Nahrungsmitteln. Oftmals haben die Vertriebenen nach den Strapazen der Flucht
aber nicht nur mit Hunger und Unternährung zu kämpfen, sondern auch mit ernsthaften Erkrankungen.
Rund 700 bedürftige Iraker werden im Zentrum medizinisch versorgt und weitere 1.600 Patienten erhalten Medikamente. Viele
müssen jedoch auch im Krankenhaus behandelt werden: Caritas Jordanien finanziert 1.200 der ärmsten Patienten den stationären
Aufenthalt.
Oft leiden die Vertriebenen unter Traumata oder enormem Stress: Das Zentrum ist somit auch feste Anlaufstelle für Flüchtlinge
mit psychischen Problemen, die im Irak unter Angriffen und Drohungen leiden mussten.
Zahlreiche Flüchtlinge sind in privaten Wohnungen von Jordaniern untergebracht. Im Caritas-Zentrum erhalten sie Wolldecken
oder Matratzen. Neben dieser materiellen Unterstützung bietet Caritas ihnen auch rechtlichen Beistand an: Sozialarbeiter klären
die Flüchtlinge über ihre Rechte auf und helfen bei Behördengängen, damit sie trotz schwierigster Startbedingungen in Würde
leben können. Ein besonderes Problem stellt die Weiterreise in andere Länder dar.
Zahlreiche Barrieren im Kontakt mit Behörden und Botschaften erschweren den Migrant/innen in dem fremden Land ihr Ziel zu
erreichen - sei es der Nachzug zu bereits voraus gereisten Familienmitgliedern im fernen Europa oder den Vereinigten Staaten,
sei es die Rückkehr ins Heimatland. Die Caritas-Mitarbeiter stehen daher mit nationalen und internationalen Organisationen
wie dem Amt des Hohen Flüchtlingskommissars (UNHCR) oder dem "Centre des Migrants" der Caritas Libanon in stetem Austausch
und leisten Vernetzungsarbeit.
Auch für die asiatischen Migrantinnen ist rechtliche Beratung unabdingbar: Die Caritas-Mitarbeiter moderieren in Konfliktfällen mit den Arbeitgebern und versuchen einem der häufigsten Probleme, der Ausbeutung durch Menschenhändler, entgegenzuwirken.
Unterdessen versucht Caritas Jordanien den Alltag für die vielen Flüchtlinge und Einwanderer nicht zu einer Zeit des aussichtslosen Abwartens werden zu lassen: 400 irakische Kinder können die Schule besuchen, weitere 200 Jugendliche erlernen ein Handwerk. Da auch bedürftige junge Jordanierinnen und Jordanier durch die Maßnahmen gefördert werden, erhält das Projekt eine größere Akzeptanz innerhalb der Bevölkerung. Bemerkenswert viele freiwillige Caritas-Helfer unterstützen das Zentrum, so dass eine derart umfangreiche Hilfe für die Flüchtlinge überhaupt erst möglich werden kann. Caritas Jordanien kann als langjähriger, etablierter Partner in der Nothilfe auf das Vertrauen der Menschen zurückgreifen.
Christopher Hoffmann, Mai 2009


