Naher Osten / Nördliches Afrika  

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Jordanien: Zentrum für irakische Flüchtlinge und Migranten

Situation  

In Jordanien ist fast jeder sechste Einwohner ein Flüchtling: Aus dem Nachbarland Irak strömten in den vergangenen Jahren hunderttausende Menschen aus politischen und religiösen Motiven Richtung Südwesten.

Karte Jordanien

Momentan wird die Zahl der Flüchtlinge in Jordanien auf rund 750.000 geschätzt. Und das bei einer Gesamtbevölkerung von nur fünf Millionen. Die Menschen flüchten, weil sie das Ziel von Angriffen und Drohungen geworden sind. In Jordanien erhoffen sie sich einen Arbeitsplatz oder die Möglichkeit weiter Richtung Westen reisen zu können. Doch oft erhalten sie keine Anerkennung als Flüchtlinge und sind mit ihrem illegalen Status der Willkür der Behörden ausgesetzt.

"Die Situation ist äußerst schwierig", berichtet Heidi Dürk von der Caritas Jordanien. "Solange die Flüchtlinge noch nicht von den Vereinten Nationen anerkannt sind, dürfen sie nicht weiterreisen. Manchmal werden ganze Familien auseinander gerissen." Meist sind die Flüchtlinge in Jordanien in privaten Häusern untergekommen und leben dort als Illegale - mit einer völlig ungewissen Zukunft.

Vor einem der Caritaszentren für Flüchtlinge
Vor einem der Caritaszentren für Flüchtlinge
Foto: Bjarne Jorgensen

Im vergangenen Jahr hat sich die prekäre Lage der Flüchtlinge zugespitzt: Zu viele suchten im Sommer 2008 in Jordanien eine vorübergehende Heimat - ohne jegliche Existenzgrundlage überquerten sie die Grenze und standen mit leeren Händen vor den Toren Ammans. Gemeinsam mit zahlreichen Freiwilligen organisierte die Caritas Jordanien ein Nothilfeprogramm, um die bedürftigsten Familien mit Nahrung, Haushalts- und Hygieneartikeln zu versorgen. Mittlerweile hat sich die Lage etwas entspannt. Doch die weltweite Rezession trifft besonders auch die ohnehin schmalen finanziellen Ressourcen der Flüchtlinge. "Es ist eine bedrückende Situation, viele müssen ihre Traumata überwinden", bilanziert Heidi Dürk, die sich vor Ort um die Flüchtlinge kümmert und ihnen auch als Seelsorgerin zur Seite steht. Aufgrund fehlender Perspektive kann sich die Psyche der Flüchtlinge nicht erholen.

Doch damit nicht genug: Ein weiteres soziales Problem betrifft die zahlreichen Arbeitsmigrantinnen, die meistens aus Asien nach Jordanien kommen. Sie werden immer wieder Opfer von wirtschaftlicher und sexueller Ausbeutung. Mit dem Versprechen auf einen sicheren Arbeitsplatz geraten sie in die Falle der modernen Sklaverei und sind ohne Kenntnis über ihre Rechte den Arbeitgebern ausgeliefert. Die meist jungen Frauen leben oftmals unter unmenschlichen Bedingungen. Ihre Zahl wird auf rund 70.000 geschätzt.

Christopher Hoffmann, Mai 2009


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