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Naher Osten

Krisen und Konflikte

Irak: Hilfe für die Opfer des Konflikts

Irak: Hilfe für die Vertriebenen

Fast drei Jahre nach der Offensive des sogenannten Islamischen Staates (IS) kämpfen viele der über 3 Millionen vertriebenen Iraker ums Überleben. Sie mussten oft völlig unerwartet und nur mit dem nötigsten Hab und Gut vor den Kämpfern des IS fliehen. Viele Familien können ihren Lebensunterhalt schon lange nicht mehr bestreiten. Besonders Kinder sowie alte und kranke Menschen sind schutzbedürftig. Mit der Langwierigkeit und der Verschärfung des Konfliktes haben sich auch die Anforderungen an die humanitäre Hilfe verändert. Die Stabilisierung der Lebensbedingungen der Menschen durch vielfältige und flexible Projekte steht dabei im Fokus. Die Mitarbeiter der Caritas Irak, von denen viele selbst vor dem IS fliehen mussten, setzen sich trotz schwerster Arbeitsbedingungen unermüdlich für die Menschen in Not ein. Die Caritas Irak leistet bereits seit 20 Jahren ohne Unterbrechung Hilfe im Land, genießt großes Vertrauen in der Bevölkerung und verfügt über die notwendigen Strukturen für die so dringend benötigte Nothilfe.

Nothilfe nach der Rückeroberung von Falludscha

Der 74-jährige Hameed A. aus dem irakischen falludscha sitzt in einem Zelt im Flüchtlingslager. Der 74-jährige Hameed A. hatte mit seiner Familie einen Bauernhof in der Nähe von Falludscha. Sein Haus ist mittlerweile zerstört und seine Felder vermint. Caritas international

Es ist fast niemand da, der den vielen Tausend verzweifelten und entkräfteten Menschen rund um Falludscha helfen kann. Hier, in dieser vom Krieg heimgesuchten Region, kann kaum eine ausländische Hilfsorganisation agieren. "Umso wichtiger ist es, dass wir den Menschen zur Seite stehen", sagt Nabil Nissan, der Direktor der irakischen Caritas. "Wir werden hier dringend gebraucht, auch wenn die Hilfe oft lebensgefährlich für uns ist." Infolge der Rückeroberung der zentralirakischen Stadt Falludscha sind rund 85 000 Menschen vor den Kämpfen in Richtung Bagdad geflohen. Weil die Regierung sie nicht in die Hauptstadt lässt, harren sie in Flüchtlingslagern zwischen den beiden Städten aus. Dort fehlt es selbst an der notwendigsten Versorgung. Zusammen mit der Caritas Irak helfen wir rund 1000 Familien in fünf Lagern. Um ihre Situation zu verbessern, versorgen wir sie mit Lebensmitteln, Wasser, Zelten und dringend benötigten Gegenständen wie Hygieneartikeln und Matratzen. 

Auch in der Region Zakho im Nordirak helfen wir, gemeinsam mit der Caritas Irak und unterstützt vom Auswärtigen Amt, über 1000 Familien, die aufgrund des Vormarsches des IS aus ihrer Heimat fliehen mussten. Auch besonders bedürftige lokale Familien werden unterstützt.

Psycho-soziale Hilfe für Mütter und Kinder

Doch nicht nur die Grundversorgung der Menschen spielt eine wichtige Rolle. Bis zu 600 Mütter und 1.000 Kinder erhalten Unterstützung durch psychosoziale Angebote. Bildungs- und Freizeitaktivitäten, Beratungen zu Themen wie Hygiene, Ernährung, Gesundheit und dem Umgang mit Gewalt, sollen den Menschen dabei helfen, besser mit dem Erlebten und ihrer aktuellen Lebenssituation umzugehen. Auch Traumabewältigung, Kinderrechte sowie Fragen der Erziehung und des Familienlebens werden thematisiert. Die Angebote werden von Sozialarbeitern in Kooperation mit geschulten Freiwilligen durchgeführt. Besonders Kinder leiden unter der dramatischen humanitären Situation im Land und drohen als verlorene Generation heranzuwachsen. Deshalb unterstützt die Caritas Irak Schulbesuche für 500 Kinder, damit ihnen eine Perspektive für ein Leben nach dem Krieg eröffnet werden kann.

Rückeroberung von Mosul wird Menschen zur Flucht zwingen

Die gegenwärtige Militäroffensive zur Rückeroberung der Millionenstadt Mosul könnte erneut hunderttausende Menschen zur Flucht zwingen. Die Caritas Irak steht bereit, sie auf ihrer Flucht mit dem Nötigsten zu versorgen, insbesondere mit Nahrungsmitteln und Hygieneartikeln. Um den Kämpfen um Mosul zu entkommen, muss es den ca. 1,5 Millionen Bewohnern jedoch zunächst gelingen, die gegenwärtig noch vom IS besetzte Stadt zu verlassen - wann, wohin und in welchem Umfang die Menschen fliehen können, ist daher noch völlig ungewiss. Offiziellen Schätzungen der UN zufolge, könnten jedoch bis zu einer Millionen Menschen versuchen aus der Stadt zu fliehen. Caritas international hat der Caritas Irak bereits umfangreiche Soforthilfe bei der Versorgung der Flüchtlinge zugesichert.

Christen, Jesiden und Schiiten aus Mosul und der Niniveh-Ebene

Irak: ZahkoDer 49-jährige Tammo L. ist Jeside. Er floh mit seiner Familie aus dem Sinjar Gebirge nach Zahko, wo er Unterstützung von der Caritas Irak erhält. Caritas international

Es gibt nur wenige Hilfsorganisationen, die wie Caritas in der Lage sind, in unterschiedlichen Landesteilen Zugang zu Vertriebenen aller Glaubensrichtungen zu erhalten. Keine religiöse Gruppe ist vor dem Terror des IS sicher - seien es Christen, Jesiden, Schiiten, aber auch Sunniten. Die Caritas leistet Hilfe unabhängig von der ethnischen Zugehörigkeit, der Religion, Nationalität oder Weltanschauung. Aufgrund der religiösen Radikalisierung der IS Milizen handelt es sich bei den bereits Vertriebenen allerdings vor allem um Christen, Jesiden und Schiiten aus den Gebieten um die Stadt Mosul und die Städte der Niniveh-Ebene. Diese drei Gruppen sind aufgrund ihrer Religionszugehörigkeit akut von Gewalt, Enteignung und Tod durch den IS bedroht. Auch gemäßigte Sunniten fürchten die fanatischen IS-Kämpfer. Denn die selbsternannten sunnitischen Dschihadisten führen keinen Krieg gegen eine Armee. Immer wieder gibt es Gewaltexzesse gegen Zivilisten. Betroffene berichten von Vergewaltigungen, Folter, Versklavungen und brutalen Hinrichtungen.

Caritas international ruft dringend zu Spenden für die irakischen Flüchtlinge auf!

Oktober 2016