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Naher Osten

Krisen und Konflikte

Syrien: Humanitäre Hilfe im Konflikt

Libanon: Die höchste Priorität ist das Überleben

Die Situation für die Flüchtlinge aus Syrien im Libanon ist dramatisch. Viele konnten auf ihrer Flucht nicht einmal das Nötigste mitnehmen. Im Libanon sind sie zudem oftmals nicht willkommen. Dies liegt nicht nur an der großen Zahl an Flüchtlingen (jeder Fünfte Einwohner des Libanons ist ein syrischer Flüchtling), sondern auch an der Geschichte des Landes. Denn Syrien unterstützte während des libanesischen Bürgerkriegs (1975 - 1991) die Hisbollah-Milizen und besetzte das Land danach als "Schutzmacht" (bis 2005). Außerdem lasten viele Einheimische den syrischen Flüchtlingen den dramatischen Einbruch der Löhne an, da sie billige und willige Arbeitskräfte sind. Nahrungsmittel und andere Waren des täglichen Bedarfs sind knapp und damit teuer. Um die Gräben zwischen Einheimischen und Flüchtlingen nicht noch tiefer werden zu lassen, bezieht die Hilfe von Caritas international daher auch immer die libanesischen Gastfamilien mit ein.

Bildung als Hoffnungsschimmer

Syrische Schulkinder im Libanon.Syrische Kinder im Schulunterricht: Da das Bildungssystem im Libanon mit den vielen Flüchtlingskindern zusammenbrechen würde, gehen die libanesischen Kinder weiterhin vormittags zur Schule während die syrischen Kinder am Nachmittag unterrichtet werden.Foto: Holger Vieth / Caritas international

Ein Fokus der Hilfen im Libanon liegt darin, Flüchtlingskindern den Besuch einer Schule zu ermöglichen. Viele von ihnen mussten ihre schulische Laufbahn wegen des Konflikts abbrechen - und manch ein Kind konnte sie wegen des seit Jahren herrschenden Ausnahmezustands erst gar nicht antreten. Das öffentliche Bildungssystem im Libanon ächzt nun unter der Belastung. Vormittags sitzen die einheimischen Kinder in den Klassenzimmern, am Nachmittag wollen Hunderttausende syrische Kinder und Jugendliche unterrichtet werden. Um Flüchtlingskindern in Beirut und dem Libanongebirge eine bessere Perspektive in ihrem Leben zu bieten, finanziert Caritas international für ein Jahr die Schulbildung. 300 von ihnen lernen dadurch etwa Lesen und Schreiben, Englisch und Arabisch. Die positiven Effekte dieses Projekts sind vielfältig, denn der Schulbesuch fördert auch die psychische Stabilität der Kinder und Jugendlichen. Sie können Selbstbewusstsein entwickeln und sich besser in die Gesellschaft ihres Gastlandes integrieren - was auch dazu beitragen kann, Vorurteile gegenüber den Flüchtlingen abzubauen.

Vielfältige Hilfe der Caritas Libanon

Die Caritas Libanon ist ein langjähriger und zuverlässiger Partner von Caritas international im Libanon. Sie verfügt über große Erfahrung in der Arbeit mit Flüchtlingen und unterstützt diese mit Nahrungsmittel und Hygieneartikel, Mietbeihilfen, Schulbeihilfen und Zuschüssen zu Krankenhauskosten. Viele der Flüchtlinge haben Schreckliches erlebt und sind nicht in der Lage, das Erlebte ohne Hilfe zu verarbeiten. Daher ist auch die psychosoziale Unterstützung und gegebenenfalls auch die psychiatrische Behandlung eine wichtige Aufgabe der Caritas Libanon. In sogenannten "Selbstbehauptungskursen" helfen Fachleute den Flüchtlingen dabei, verloren gegangenes Selbstbewusstsein wiederzuerlangen und der Zukunft wieder optimistisch entgegenzublicken. Ein Großteil der Begünstigten wird vom UN-Flüchtlingswerk (UNHCR) identifiziert und an verschiedene Hilfsorganisationen weitergeleitet, darunter die Caritas Libanon. Zudem suchen Sozialarbeiter der Caritas die Flüchtlinge zu Hause auf und identifizieren dadurch weitere, besonders bedürftige Personen, die nach bestimmten sozialen Kriterien ausgewählt werden.

Geldkartensysteme geben den Menschen ihre Würde zurück

Auch innovative Unterstützungsansätze wie Bargeldhilfen werden vermehrt eingesetzt. Längst haben humanitäre Organisationen weltweit diesen Ansatz als Chance erkannt die Menschen aus der passiven Hilfsbedürftigkeit zu führen und sie wieder zu aktiven Akteuren ihrer eignen Bedürfnisse zu machen. Die Caritas arbeitet hierfür mit einem Geldkartensystem, das Flüchtlingen und bedürftigen Libanesen die Möglichkeit gibt, ihre Grundversorgung dem eigenen Bedarf anzupassen. Die Betroffenen wissen schließlich selbst am besten, welche Hilfsmittel sie benötigen. Diese Form der Hilfe stellt sich immer öfter nicht nur als die effizientere Unterstützung dar, sondern gibt den Menschen auch Würde und Selbstständigkeit zurück. Über 1.800 Familien im Libanon werden von der Caritas auf diese Weise unterstützt.

 

Juli 2017