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Asien

Katastrophenhilfe

Nepal: Hilfen nach dem Erdbeben

Der Wiederaufbau nach der Katastrophe

Das Erbeben im April 2015 traf Nepals Bevölkerung völlig unvorbereitet. Innerhalb von Sekunden wurden Hunderttausende Menschen obdachlos, wichtige Infrastrukturen wie Gesundheitseinrichtungen, Schulen, Straßen und Wasserversorgung waren zerstört. Caritas begann sofort mit der Nothilfe, die durch die vielen Nachbeben erschwert wurde.

Der Wiederaufbau braucht nun Zeit. Insbesondere in den abgelegenen Bergregionen stellen sich enorme logistische Herausforderungen und die Absprachen mit den nepalesischen Behörden erfordern Geduld. Caritas international konzentriert sich in ihrer Hilfe auf den Wiederaufbau von Wohnhäusern, Schulen, Landwirtschaft und Wasserversorgung und die psychosoziale Betreuung traumatisierter Menschen. Ganz wesentlich im Wiederaufbau ist Caritas die Beteiligung der Bevölkerung mit „Cash-for-Work“-Programmen.

Wiederaufbau, Prävention und Perspektiven

Mann baut mit beiden Händen an einem HausTrainings in erdbebensicherer Bauweise schützen die Gebäude besser vor nächsten Katastrophen.CRS, Jennifer Hardy

In verschiedenen Distrikten werden besonders schwer getroffene Gemeinden beim Wiederaufbau ihrer kommunalen Infrastrukturen unterstützt, darunter Trinkwassersysteme, Wassermühlen, Brücken und Wege. Für den Wiederaufbau der Landwirtschaft und zur langfristigen Ernährungssicherung erhält die Bevölkerung Saatgut, landwirtschaftliches Gerät und Nutzvieh. Ergänzt werden die Maßnahmen durch Workshops zu Anbaumethoden und Tierhaltung und der Vergabe von Mikrokrediten, auch mit dem Ziel, Einkommensmöglichkeiten zu schaffen.

Viele Menschen haben während des Erdbebens ihr Zuhause verloren. Sie erhalten Baumaterial zum Wiederaufbau ihrer Wohnhäuser. Für den professionellen Bau fehlen aber Arbeitskräfte, darum bildet Caritas parallel Baufachleute aus im Maurer-, Steinmetz- und Schreinerhandwerk. Ein wichtiger Fokus in der Ausbildung liegt auf der erbebensicheren Bauweise. Die Bauleute unterstützen die Bevölkerung beim Bau ihrer Wohnhäuser und haben mit der Ausbildung gleichzeitig eine Zukunftsperspektive. So wie Chandra Bahadur Karki, der mit 83 Jahren in seinem Dorf zum gefragten Maurer wurde. „Es gibt einen Mangel an ausgebildeten Leuten“, so sein Resümee. Diejenigen, die aufgrund ihres Alters oder ihrer Gesundheit nicht in der Lage sind, aktiv mitzuarbeiten, werden von Caritas betreut. Wie die 64-jährige Jamuna und ihr siebenjähriger Enkel, die nach dem Erdbeben völlig hilflos waren und unter einem Wellblechdach Schutz gefunden hatten. Caritas baute ein Modellhaus, in dem die beiden nun wohnen dürfen. „Caritas hat mich gerettet. Es gibt niemanden, der mir seit dem Erdbeben mehr geholfen hätte“, so Jamuna.

Neben der erdbebensicheren Bauweise wird auf weitere präventive Elemente geachtet. Dämme werden repariert, erdrutschgefährdete Gebiete wieder aufgeforstet und die Bevölkerung in Katastrophenvorsorge geschult.

Schwerpunkt Kinder

Kinder und Erwachsene während einer Zeremonie vor dem neuen Schulgebäude.Einweihung einer neuen Schule im Bergdorf Palchok, Sindhupalchowk.Ramesh Maskey, Caritas Schweiz

Gemeinsam mit Caritas Schweiz und Partnerorganisationen werden im Distrikt Sindhupalchowk neue, behindertengerechte Schulen gebaut und ausgestattet. "Sicher soll sie sein", sagt die 15-jährige Nirmala, gefragt nach ihrem Wunsch an die neue Schulen.  Ein wichtiger Punkt für Caritas: Unter Berücksichtigung von nationalen und internationalen Baustandards werden Schulen gebaut, die selbst Bebenstärken über denjenigen vom April 2015 standhalten. Das Schulpersonal erhält Trainings zur Wartung der Gebäude, die Kinder und Pädagogen werden in Evakuation, Risikominderung und Hygiene unterrichtet.

In Kunchok liegt der Fokus auf dem Schutz von Kindern. Hier kam es nach dem Erdbeben zu vermehrten Missbrauch, zu Kinderarbeit, Menschenhandel, Vernachlässigung und Gewalt. Caritas Partnerorganisation „Child Nepal“ baut ein Netzwerk zur Bekämpfung von Menschenhandel und Gewalt auf. In einem Service-Center erhalten Familien schulische und psychosoziale Beratung und Rechtshilfe und bei besonderer Bedürftigkeit Schulstipendien.

Im Distrikt Solukhumbu unterstützte Caritas international den Wiederaufbau einer schwer beschädigten Sherpa-Schule mit angeschlossenen Internat..

„Cash-for-Work“

älterer Mann räumt Schutt und Wellblech eines eingestürzten Hauses auf die SeiteMit anpacken, beim Wiederaufbau helfen und gleichzeitig einen Lohn verdienen - das ist Cash-for-Work.Thomas Hoerz

Perspektiven und Einkommen schaffen, aktiv den Wiederaufbau der Gemeinden mittragen – das ist das Ziel von Cash-for-Work-Programmen. Viele Frauen und Männer haben noch immer keine Arbeit, keine reguläre Ernte, kein Einkommen. Es fehlen ihnen schlichtweg die Mittel für den Lebensunterhalt oder gar für den Neubau ihrer Häuser. In den „Cash-for-Work“-Programmen bekommen sie für ihren Arbeitseinsatz beim Bau von Straßen, Schulen und Dämmen einen Lohn, mit dem sie erwerben können, was sie am dringendsten brauchen.

Dhan Bahadur Khadka und das Ehepaar Khatri haben sich so ihren Lebensunterhalt gesichert und zugleich in ihren Neubau investieren können.

Medizinischer Bereich

An ausgewählten Schulen fanden für Kinder Workshops zur Traumaverarbeitung statt, denn die Auswirkungen des Erbebens machten sich im Schulalltag bemerkbar. Mit verschiedenen Strategien lernten die Kinder, ihre traumatischen Erlebnisse zu verarbeiten. Aber auch Erwachsene benötigen Hilfe: Viele von ihnen haben Familienangehörige verloren, der Verlust ihres Hab und Guts lässt so manchen verzweifeln. Psychosoziale Teams in den Gemeinden begleiten und betreuen die Betroffenen.

Weiter im medizinischen Bereich wurden über die Nothilfe hinaus Gesundheitskits zur Versorgung schwer zugänglicher Bergregionen finanziert.

Gut durchdacht

Erfahrungsgemäß braucht der Wiederaufbau vor allem Zeit. Denn es geht nicht nur um fertige Häuser und eingerichtete Schulen, sondern darum, die Kompetenzen möglichst vieler Menschen für einen präventiven Umgang und für eine professionelle Wiederaufbauhilfe zu stärken und die Pläne gut miteinander abzustimmen. Auch die Vernetzung und der Austausch spielen beim Wiederaufbau eine wichtige Rolle, um bei der nächsten Katastrophe besser gewappnet zu sein.

März 2017