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Russland: Behindertenzentrum und Sozialhilfe

Die Situation

St. Petersburg ist die zweitgrößte Stadt Russlands und eine der Städte in Russland mit dem höchsten Anteil an alten Menschen. Viele davon sind Veteranen des Zweiten Weltkrieges, behindert oder pflegebedürftig. Die Zahl der Armen ist hoch. Viele kinderreiche Familien, allein Erziehende, Alte und Menschen mit Behinderung können ihren Lebensunterhalt kaum bestreiten.

Karte Russland

Behinderte Menschen in St. Petersburg
Staatlichen Angaben zufolge leben in St. Petersburg 605.000 körperlich Behinderte, darunter einige Hunderttausend Gehbehinderte, sowie 16.000 geistig behinderte Kinder und Jugendliche. Letztere dürfen keine staatlichen Schuleinrichtungen besuchen, weil sie als "lernunfähig" gelten oder über 18 Jahre alt sind. Die notwendige Hilfe und Unterstützung wird ihnen vorenthalten. Oftmals "verstecken" ihre Familien sie aus Scham. Familien mit behinderten Kindern erhalten nur wenig staatliche Unterstützung - kaum genug für Medikamente und eine angemessene medizinische Versorgung. Viele Mütter weigern sich, ihre Kinder in staatlichen Einrichtungen unterzubringen, weil sie dort nur schlecht versorgt und nicht gefördert werden. Das Bewusstsein, dass auch Behinderte ein Recht auf Ausbildung und Arbeit haben, ist in Russland wenig verbreitet.

HIV/AIDS
Nach einem Bericht der Vereinten Nationen hat Russland die höchste Steigerungsrate an HIV-Fällen im Vergleich zu anderen europäischen Staaten sowie den Nachfolgestaaten der Sowjetunion. Insgesamt wurden in Russland seit 1987 rund 340.000 HIV-Fälle offiziell registriert. Experten sind der Meinung, dass die tatsächliche Zahl fünfmal höher liegt. Die meisten Infizierten gibt es in den großen Städten. Allein in Moskau und dem Umland sind 51.400 HIV-infizierte Menschen registriert.

Die Epidemie bleibt in Russland schon lange nicht nur auf die Hochrisikogruppen beschränkt. Auch in der allgemeinen Bevölkerung nimmt die Zahl der Infektionen dramatisch zu. So sind auch immer mehr schwangere Frauen und Babys mit dem Virus infiziert. Seitdem das staatliche AIDS-Zentrum in Moskau 1997 mit der statistischen Erfassung begonnen hat, gebaren beinahe 10.000 HIV-positive Frauen Kinder. Laut einer Untersuchung von Human Rights Watch werden HIV-positive Kinder zunächst in Waisenhäuser für HIV-Infizierte gegeben oder in Krankenhausabteilungen unbefristet isoliert.

Die Isolation der Kinder trägt wesentlich zu ihrer Diskriminierung und Stigmatisierung bei, die auf Fehlinformationen und mangelnde Aufklärung der Bevölkerung zurückzuführen ist. Vor diesem Hintergrund stehen HIV-positive Frauen vor der schwierigen Entscheidung, ob sie ihre Kinder behalten sollen oder in der staatlichen Obhut lassen. Die Mehrheit der HIV-positiven Mütter aber entscheiden sich nach wie vor, ihre Kinder zu behalten. Die Familien stehen aber vor großen Schwierigkeiten: Es ist kaum möglich, für die Kinder einen Platz im Kindergarten oder Schule zu finden.

Mai 2009


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