Bolivien - Gesellschaftliche Teilhabe für Menschen mit Behinderung
Das Projekt
Wenn in den Anden ein Kind mit Behinderung geboren wird, wird im Leben der Eltern nach einem schuldhaften Verhalten oder einer Ansteckungsquelle gesucht. Unter diesen Umständen ist es schwer für die Eltern, ihr Kind anzunehmen und zu fördern.
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| Tanztherapie: Förderung mit Spiel und Spaß |
Das Caritasprojekt hat zum Ziel, die Lebensbedingungen für Menschen mit Behinderung nachhaltig zu verbessern. Da es nur wenige
spezialisierte Einrichtungen gibt, werden betroffene Eltern und Familienangehörige geschult und unterstützt, ihre behinderten
Kinder zu fördern und ihnen zu mehr Eigenständigkeit zu verhelfen.
Fachkräfte der Caritas rekrutieren Freiwillige in den Gemeinden, die sie unter Einbeziehung von betroffenen Familienangehörigen
in der Behindertenhilfe aus- und weiterbilden. Auf diese Weise stärken sie in einem Schneeballsystem die Selbsthilfekräfte
in Familien und Gemeinden. Aufklärung über Ursachen und Folgen von Behinderung, die soziale Integration und die Einforderung
der Rechte von Menschen mit Behinderung sind unerlässliche Voraussetzungen, um deren Lage dauerhaft zu verbessern.
Die Zusammenarbeit mit staatlichen Institutionen, Kundgebungen, Bildungsangebote sowie die Gründung und Vernetzung von Selbsthilfegruppen
tragen dazu bei. Durch den grenzüberschreitenden Erfahrungsaustausch wird dieser Ansatz in der Behindertenhilfe bereits in
anderen Ländern Lateinamerikas wie Peru oder El Salvador erfolgreich umgesetzt.
In Bolivien haben nach offiziellen Angaben nur ein bis fünf Prozent der Menschen mit Behinderung Zugang zu Rehabilitation
und schulischer Bildung. Entsprechende Angebote gibt es nur in größeren Städten. Auch dort sind die Transportkosten für viele
Familien unerschwinglich. Vor allem in den Gebirgsregionen der Anden gilt die Geburt eines behinderten Kindes als Strafe Gottes
und Schande. Kulturell bedingt ist die Vorstellung weit verbreitet, dass Behinderung ansteckend sei.
Seit mehreren Jahren fördert Caritas international in Bolivien Modellprojekte der gemeindenahen Rehabilitation für Menschen
mit Behinderung jeden Alters.
Die Projekte umfassen vier Bereiche:
Rehabilitation: Freiwillige und Familienangehörige lernen einfache spielerische und therapeutische Übungen, um sie mit den behinderten Kindern
oder Erwachsenen durchzuführen. Gerade bei Kindern mit Behinderung ist die Frühförderung extrem wichtig, damit sie ihre physischen
und geistigen Kräfte und Fähigkeiten bestmöglich entwickeln können.
Integration: Kinder mit unterschiedlichen Behinderungen werden in die eigene Familie, in Regelschulen, Regelausbildungsstätten, Arbeitsstellen
und Entwicklungsprojekte integriert. Eltern, Lehrer und Arbeitgeber erhalten professionelle Hilfe und Begleitung durch die
Fachkräfte der Caritas sowie durch eigens hierfür geschulte Freiwillige.
Öffentlichkeitsarbeit: Bewusstseinsbildung und Aufklärung in Gemeinden, Schulen und Gesundheitszentren sowie bei politischen Entscheidungsträgern
sind nötig, um negative Einstellungen und Vorurteile zu überwinden.
Netzwerk- und Lobbyarbeit: Netzwerke von Vertretern öffentlicher, kirchlicher und privater Einrichtungen und Organisationen setzen sich gemeinsam mit
Menschen mit Behinderungen für deren Rechte ein. Ziel ist, auf die politisch Verantwortlichen in Kommunen, Präfekturen und
der Zentralregierung einzuwirken, damit sie die bestehende Gesetzgebung für Menschen mit Behinderung respektieren und deren
Situation verbessern.
So hilft Ihre Spende:
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450 Euro kostet ein mehrtägiges Seminar (für Fahrt- und Materialkosten sowie Unterkunft und Verpflegung) für die regelmäßige Weiterbildung
der einheimischen Fachkräfte im Projekt, darunter Sozialarbeiter(innen), Physiotherapeut(inn)en und Psycholog(inn)en. 100 Euro kostet ein Wochenendkurs für die Aus- und Weiterbildung einer Gruppe von 15 bis 20 Freiwilligen im Projekt. 70 Euro kostet das Treffen einer Gruppe von etwa 25 bis 30 betroffenen Eltern. Ziel ist, dass sie lernen, die Behinderung ihrer Kinder anzunehmen und sich selbst zu organisieren. Je mehr Eltern Verantwortung übernehmen desto größer sind die Chancen auf Frühförderung und Rehabilitation für Kinder mit Behinderung. |
Oktober 2006

