Im Portrait

Caritas Jordanien

Dr. Jouman al-Boutani

Ärztin der Caritas Jordanien

Dr. Jouman al Boutani kann sich sehr gut in die Lage derer versetzen, die momentan zu Tausenden aus Syrien in die Nachbarländer Jordanien, Libanon und die Türkei fliehen. Nach dem amerikanischen Einmarsch in den Irak und dem darauf folgenden Bürgerkrieg in ihrem Heimatland kam sie 2007 selbst als eine von 700 000 irakischen Flüchtlingen nach Jordanien.

"Caritas Jordanien hat mir damals geholfen, und als Dank für die unbeschreibliche Unterstützung von Caritas begann ich als freiwillige Ärztin anderen irakischen Flüchtlingen zu helfen."

Dr. al-Boutani arbeitet heute im Caritaszentrum in der jordanischen Stadt Mafraq, nur 15 km von der syrischen Grenze entfernt. Hier kommen täglich hunderte Menschen an und suchen bei Gastfamilien in Privathäusern, Garagen, Scheunen und Kellern Unterschlupf. Die Situation dieser Menschen ist oft prekär: Viele kommen mit wenig mehr als dem, was sie am Leibe tragen, die meisten sind nach der teilweise lebensgefährlichen Flucht aus ihren Heimatstädten und -Dörfern völlig erschöpft. Nicht wenige kommen mit unbehandelten Schusswunden in Jordanien an. Unter den Flüchtlingen - sie bestehen zu 80% aus Frauen und Kindern, die Männer harren zumeist zu Hause aus oder kämpfen auf einer der Seiten im Bürgerkrieg - befinden sich zudem viele schwangere Frauen, andere Menschen benötigen dringend Medikamente. Sie werden von Caritas mit dem Notwendigsten versorgt: mit medizinischer Hilfe, Medikamenten, Essens- und Hygienepaketen, Decken und Matratzen.

Wie fühlt es sich als ehemaliger Flüchtling an, nun selbst notleidenden Menschen helfen zu können? "Es ist nicht immer einfach, denn bei mir kommen immer wieder Erinnerungen aus Vergangenheit hoch, "Flashbacks". Dabei fühlt es sich an, als erlebte ich das Vergangene noch einmal. Auf der anderen Seite kann ich die syrischen Flüchtlinge besser verstehen, da ich mich leichter in ihre Situation hineinversetzen und mitfühlen kann und somit auch besser um ihre Bedürfnisse weiß."

Oktober 2012