Im Porträt

Caritas Syrien / Hassakeh

Claudia Kergi

Portrait

"Acht meiner Kollegen haben das Land wegen des Krieges verlassen", sagt Claudia Kergi. Sie will trotzdem bleiben: "Ich will trotzdem hier bleiben. Das Lächeln eines bedürftigen Menschen, nachdem ich ihm meine Hilfe anbiete, gibt mir Hoffnung und Trost." Und auch ihre Kollegen denken trotz des tagtäglichen Elends des Krieges nicht daran das Land zu verlassen. "Wir halten alle zusammen und haben das gemeinsame innere Bedürfnis den bedürftigen Menschen in unserer Umgebung zu helfen", sagt Claudia.

Als der IS 2015 Teile von Hassakeh einnahm, flohen viele Bewohner nach Kamischli - darunter auch Caritasmitarbeiter. Obwohl sie selbst geflüchtet waren, begannen sie sofort anderen Flüchtlingen zu helfen. Die Caritasmitarbeiter, die in Hassakeh geblieben waren, halfen den Flüchtlingsfamilien aus den Kampfgebieten.

"Ich werde nie die Schreie eines kleinen Jungen vergessen", erzählt Claudia vom dramatischen Alltag der Caritashelfer in Syrien.  "Sein Schrei war sogar lauter als der ganze Kriegslärm rundherum. " Der Junge war von einem Schuss am Hals getroffen worden, als er mit seiner Familie in einem Park schlief. Zu diesem Zeitpunkt waren alle Krankenhäuser überfüllt und es war sehr schwierig den Jungen in Behandlung zu bringen, erzählt Claudia. Zusammen mit ihrem Team schaffte sie es eine Notoperation für ihn durchzuführen. "Ich bin stolz, dass wir sein Leben gerettet haben", sagt sie.

Lange könne es so nicht mehr weitergehen, sagt Claudia. Die meisten ihrer Verwandten und Freunde sind geflohen, der Rest wurde durch den Krieg geschädigt. Damit die Mitarbeiter der Caritas Syrien ihren Auftrag weiterhin ausführen können, brauchen sie psycho-soziale Unterstützung, sagt Claudia. Programme, um noch effizienter zu helfen, sind angesichts der immer schlechter werdenden Situation ebenfalls dringend notwendig.

Claudia hofft immer noch, dass es in Syrien wieder so wird, wie es war. Doch sie fürchtet sich auch davor, dass alles noch viel schlimmer wird, wenn der Krieg noch länger andauert. Am meisten Angst hat sie vor einer Trennung Hassakehs vom Rest Syriens oder gar einer Teilung der Stadt. "Ich hoffe, dass wir Flüchtlinge, alle sehr bald wieder zurück nach Hause können."

September 2016