Im Portrait

Caritas Ägypten

Madeleine Azmy

Portrait Dr. Madleine Azmy

Seit Jahren engagiert sich die Ärztin Dr. Madeleine Azmy für das Gelingen von Inklusion in Ägypten. Anfangs leistete SETI, das Institut der Caritas Ägypten, Pionierarbeit. Dass durch die Arbeit von SETI - und nicht zuletzt ihrem Beitrag -  immer mehr Kinder Teilhabe erfahren, macht sie stolz und glücklich.

Die Ärztin aus Ägypten spezialisierte sich auf Pädiatrie und studierte zunächst in ihrem Heimatland, dann in London und New Orleans. "In den USA hätte ich mich als Ärztin niederlassen und gutes Geld verdienen können. Aber ich wusste, das war es nicht." Sie ahnte, dass sie eine Mission im Leben hatte. "Aber noch nicht welche. Und wenn ich so betrachte, wo ich jetzt bin und was ich jetzt mache, dann bin ich ganz sicher: Gott hat mich dahin gestellt und nichts würde ich lieber tun."

Ihre Arbeit - da, wo sie sich von Gott hingestellt fühlt - macht sie glücklich. Dr. Azmy arbeitet als Ärztin und Heilpädagogin für die Caritas Ägypten, genauer: für deren Projekt SETI (Support Education Training for Inclusion), einem Institut der Behindertenhilfe, das, weit über die Landesgrenzen hinaus, einen hohen Ruf in der Ausbildung von Fachpersonal genießt und das eine Reihe von Vorzeige-Projekten besonders im Bereich der Gemeinwesenarbeit aufweisen kann.

Was Dr. Azmy so glücklich macht, ist, wie sie bekennt, "der allmähliche Fortschritt, den die Inklusion nicht zuletzt durch die Arbeit von Seti in Ägypten macht." Ein Kind mit Behinderung zu haben, ist dort - wie vielerorts - für viele immer noch ein gesellschaftliches Stigma. Von Möglichkeiten der Förderung ist wenig bekannt. Dies zu ändern sieht Dr. Madeleine Azmy als ihre Mission.

Und es gelingt. In Oberägypten am Westufer des Nil, leitet sie im Regierungsbezirk Sohag - einer der ärmsten Regionen des Landes - die Seti-Arbeit für diesen Bereich, leistet Bewusstseinsarbeit in Sachen Inklusion bei Eltern, Lehrern, in den Gemeinden, veranstaltet Kurse und gemeinsame Freizeiten. Dr. Azmy und ihre Mitstreiter haben es so erreicht, dass Inklusion mittlerweile für viele, denen dies vor Jahren noch ein Fremdwort war, selbstverständlich wird. "Wenn auch manchmal mit sanftem Zwang", lacht sie und erklärt: "Es hat sich schon mal die eine oder andere Lehrkraft an Regelschulen geweigert, ein Kind mit Behinderung anzunehmen. Natürlich darf das nicht sein, denn Ägypten hat die UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderung unterschrieben. Und deshalb habe ich eine schriftliche Erklärung jener Lehrkräfte verlangt, dass sie ein Kind mit Behinderung ablehnen. Mit dieser Erklärung konfrontierte ich die zuständigen Gesundheitsbehörden und letztlich haben diese es dann durchgesetzt, dass die Inklusion auch an den Regelschulen funktioniert."

Die Eltern, die ein Kind mit Behinderung haben, danken es ihr. Und das, sagt Dr. Madeleine Azmy, sei es, was sie am meisten zu ihrer Arbeit motiviert: "Das Glücksgefühl ist einfach unbeschreiblich, wenn ich das Lächeln auf dem Gesicht der Eltern sehe, die erkennen, dass ihr Sohn oder ihre Tochter mit Behinderung Chancen im Leben hat und gefördert werden kann. Noch vor Jahren hätten sie das nicht zu träumen gewagt - weil es ihnen einfach niemand gesagt hat."

Juni 2014