Im Portrait

Caritas Kolumbien

Padre Javier Marquez

Padre Javier Marquez, Caritas Kolumbien

"Ich bin Padre Javier Marquez. Ich wurde 1973 in der Stadt Montelíbano im Nordwesten Kolumbiens geboren. Dort, im Departement Córdoba, wurde ich 1998 zum Priester ordiniert. Seit fünf Jahren bin ich Caritas-Direktor der Diözese Montelíbano." Vom Beginn seines Studiums an interessierte sich Padre Javier vor allem für die katholische Soziallehre. Sein berufliches Ziel stand von Anfang an fest: Die Arbeit für und mit den ärmsten und verwundbarsten Menschen in seinem Heimatland.

Die Heimatregion von Padre Javier ist eine der gefährlichsten in ganz Kolumbien. Allein 2011 wurden im Departement Córdoba 735 Zivilisten ermordet. Hintergrund der Gewalt ist der andauernde bewaffnete Konflikt zwischen der Armee, der Guerillaorganisation Farc und kriminellen Banden. Es geht um die Kontrolle über Cocapflanzungen, Schmuggelrouten und Rückzugsgebiete. Und zwischen den Fronten steht die ländliche Zivilbevölkerung.

Für die einfachen Menschen in der ländlichen Region, die zumeist von der Jagd und der Landwirtschaft leben, gibt es kaum Möglichkeiten, sich aus dem Konflikt herauszuhalten: Mal sind es die kriminellen Banden, dann wieder die Guerilleros, die von ihnen Abgaben, Dienste oder Unterkunft verlangen. Von der jeweiligen Gegenseite als "Verräter" verdächtigt geraten die Bauern auf diese Weise zwischen die Mühlen des mörderischen Kleinkrieges um den lukrativen Anbau und Handel von Kokain. Dieser Konflikt ist die Ursache für die furchtbare Zahl von über fünf Millionen binnenvertriebenen Menschen in Kolumbien, die sich vornehmlich an den Rändern der relativ sicheren Städte niederlassen, wo es allerdings kaum Möglichkeiten gibt, ein Auskommen zu finden. Padre Javier kennt das Schicksal der intern Vertriebenen gut. Er kommt selbst aus der Region, deren Zustand ihn sehr traurig macht.

Seine alltägliche Arbeit im Feld, bei der er die verwundbarsten Menschen in vom Konflikt besonders bedrohten Gemeinden unterstützt, ist lebensgefährlich. Er muss sich mit Drogenschmugglern, Paramilitärs und Guerilleros arrangieren. Seine Arbeit wird zwar geduldet, dabei aber misstrauisch von den Gewaltakteuren in den Projektgebieten beäugt. Jedes falsche Wort kann zur Gefahr werden. Woher nimmt Padre Javier die Kraft für seine Arbeit? "Meine christlicher Glaube und mein Wunsch, das Leid meiner Landsleute, meiner Brüder zu mildern sind meine Motivation, in dieser lebensgefährlichen Umgebung zu arbeiten." Außerdem ist die Caritas mitunter die einzige Organisation, die über längere Zeit hinweg vor Ort ist. "Wir sind die einzigen, die dorthin kommen und wir können die Leute nicht allein lassen."

September 2012