Im Portrait

Caritas Sierra Leone

Father Peter Konteh

Father Peter Konteh PortraitFather Peter Konteh bei einem Besuch bei Caritas internatinal im März 2017Cartias international / Martina Backes

Father Peter, wie er gern genannt wird, begann vor 30 Jahren mit der Sozialarbeit. Sein Leben und sein Schaffen sind von zwei Leidenschaften geprägt, die er stets zu verbinden strebt: die soziale Arbeit und den interreligiösen Ausgleich. Also ging er beiden Tätigkeiten nach, zunächst mit Straßenkindern in den überfüllten Wohnvierteln und Slums von Freetown. Später entschied er sich zum Priesteramt.
Peter Konteh wurde 1996 auf dem Höhepunkt des elfjährigen Bürgerkriegs 1991 bis 2002in Sierra Leone zum Priester geweiht. Er schloss das Priesterseminar mit akademischen Graden in Philosophie und in Geisteswissenschaften ab. Seine Praxiserfahrungen in der pastoralen Arbeit koppelte er bald wieder an die soziale Arbeit. In Sierra Leone engagierte er sich insbesondere in der humanitären Hilfe und Nothilfe. Doch auch die ist nur ein Teil seiner vielfältigen Initiativen.

Während des Bürgerkrieges schloss sich Pfarrer Peter gleichgesinnten Kollegen an, um den Interreligiösen Rat zu gründen, der zu einem integralen Bestandteil der Friedensarchitektur wurde und den Dialog zwischen der Regierung von Sierra Leone und den Rebellen der Revolutionären Vereinigten Front (RUF) maßgeblich erleichterte. Während des Bürgerkrieges in Sierra Leone engagierte er sich in der Arbeit mit Flüchtlingen und Binnenvertriebenen. Dabei ging es ihm stets darum, gute Bedingungen zu schaffen, damit Flüchtlinge sich in ihre Herkunftsgemeinden wieder integrieren können.
Geprägt von den Grausamkeiten des Bürgerkriegs und den Erfahrungen durch die Wahrheits- und Versöhnungskommission baute Father Peter die Justice and Peace Commission Freetown (JPC) auf. Mit dem Programm des Zivilen Friedensdienstes der Arbeitsgemeinschaft für Entwicklungshilfe (AGEH), dem Personaldienst der deutschen Katholiken, arbeitet er seit vielen Jahren zusammen. Immer wieder unterstützen Friedensfachkräfte die Gemeindearbeit der Caritas in den Bereichen Friedenserziehung, gewaltfreie Konfliktbearbeitung und Zugang zur juristischen Verfahren und Rechtsprechung. Und als Direktor des Diözesan-Entwicklungsbüros der Erzdiözese von Freetown führte er umfangreiche sozioökonomische Projekte durch.

Sensibel für die Opfer der Ebola Krise

Als die Nachricht vom Ebola-Ausbruch im benachbarten Guinea bekannt wurde und zunächst auf Ablehnung stieß, initiierte Father Peter mit der Caritas Familie als einer der ersten Entwicklungsorganisationen eine langfristig angelegte Sensibilisierungs- und Mobilisierungs-kampagne. Die Ausbildung von Reaktionsteams, die Bereitstellung von Sanitärkits für gefährdete Bevölkerungsgruppen sowie Haus-zu-Haus-Kampagnen und sichere und würdige Bestattungen zählten zu den erfolgreichen Interventionen. Father Peter nutzte seine Einladungen auf internationaler Ebene, um weiter Öffentlichkeit über Ebola und seine Folgen zu schaffen, etwa durch seine Präsentationen im US-Senat im September 2014 und im Unterhaus der britischen Regierung. "Heute, in der Post-Ebola-Situation, ist es enorm wichtig, Spezialisten und Pflegepersonal auszubilden und das Gesundheitssystem vorzubereiten, damit wir in Zukunft gegen Epidemien besser gewappnet sind", erklärt er bei einem Besuch in Freiburg im März 2017 - genau ein Jahr nach dem offiziellen Ende der Epidemie.

Kinderschutz in der Nachkriegsgesellschaft

Das Wohl der Kinder war Peter Konteh stets ein Anliegen. 1997 wurde das St. Mary's Children's Home in Bo gegründet, um für Waisen und vernachlässigte Kinder zu sorgen, deren Eltern getötet, verstümmelt oder aufgrund ihrer Behinderung nicht in der Lage waren, für ihre Kinder zu sorgen. St. Mary's Children's Home hat sich über die Jahre etabliert und viele, die in diesem Heim aufgewachsen sind, konnten später studieren. Pfarrer Peter Konteh ist Vorsitzender und Technischer Leiter für die Healey International Relief Foundation in Sierra Leone, die zu Kinderschutz, Bildung, Gesundheit und sozialen Diensten in Sierra Leone arbeitet. Zudem ist er die zentrale Ansprechperson zum Kinderschutz innerhalb der katholischen Kirche von Sierra Leone und auch Mitglied des Internationalen katholischen Kinderschutzausschusses mit Sitz in Rom, Italien. Er ist Vorstandsmitglied und technischer Berater für die Fig Tree Children Foundation, die durch Öffentlichkeitsarbeit und Spenden Caritas Freetown bei ihrer Arbeit für benachteiligte Kinder und Waisen unterstützt.

In seinem Engagement für Menschlichkeit baute Father Peter Verbindungen und Partnerschaften mit verschiedenen Agenturen auf wie etwa mit der Desert Flower Foundation, einer Wiener Organisation, die sich gegen Genitalverstümmelung von Frauen einsetzt. Die Desert Flower Foundation unterstützt in ihrem Menschenrechtsprogramm über 500 betroffene Mädchen in ihrer Ausbildung in Sierra Leone. Father Peter ist Vorstandsmitglied und repräsentiert die Organisation vor Ort.
Heute führt Pfarrer Peter Konteh als Direktor des Erzdiözesanen Entwicklungsbüros / Caritas Freetown den entwicklungspolitischen Arm der katholischen Diözese von Freetown. Das dank der Unterstützung von Caritas international neu anlaufende Programm gegen Kinder- und Müttersterblichkeit und Unterernährung liegt ihm am Herzen, "denn hier geht es um die künftigen Generationen, von ihnen hängt die Zukunft unseres Landes ab."

 

 

31. März 2017