Im Portrait

Caritas Afghanistan

Rahmatullah Hussainy

Caritas Afghanistan

Zweimal hatte Rahmatullah im letzten Winter starke Erfrierungen an den Füßen. Dabei hat er seine Zehennägel verloren. Wenn sich der Schnee im Hazarajat bis zu zwei Meter auftürmt, wandert Rahmutallah zu Fuß von Ort zu Ort, um die Arbeit in den Notfall-Ambulanzen der Caritas zu prüfen.

Mit Fahrzeugen kann man die entlegenen Dörfer nicht erreichen und so kommt es vor, dass er an einem Tag mehr als 50 km im Schnee und bei Temperaturen von bis zu minus 20 Grad wandern muss, um die nächste Station zu erreichen. Manchmal kann er unterwegs in einem Dorf in der Moschee übernachten, aber meistens muss er es einfach schaffen, von einer Ambulanz zur anderen.

Seit Herbst 2006 ist Rahmatullah Projekt Supervisor für Caritas international in Kabul. Er ist verantwortlich dafür, dass die Nothilfeprojekte der Caritas im Hazarajat ordnungsgemäß durchgeführt werden und die Hilfe die Bedürftigsten erreicht. Er setzt sich ein für die Menschen im Hazarajat, aus deren Mitte er kommt und denen er sich verbunden fühlt.

Rahmatullah wurde im Juli 1983 im Dorf Nawira im Hazarajat in der Provinz Bamyan als ältester Sohn von insgesamt sieben Kindern einer Bauernfamilie geboren. Schon früh musste er Verantwortung für die Familie übernehmen. Als Sechsjähriger vertrauten ihm die Dorfbewohner während des Sommers die Schafe, Ziegen und Kühe zum Hüten in den umliegenden Bergen an.

Eine Schule gab es nicht. Aber der Großvater brachte Rahmatullah in den Wintermonaten das Lesen und Schreiben bei, wenn der Schnee über Monate so hoch lag, dass man kaum das Haus verlassen konnte und von der Außenwelt abgeschlossen war. Rahmatullah wollte mehr lernen, was aber im Afghanistan der 90er Jahre vor allem für den Angehörigen der diskriminierten Minderheit, der Hazara, nicht möglich war.

Die Familie war sehr arm und doch hatte Rahmatullah Glück: Ein Verwandter ermöglichte ihm 1992, eine Schule in Pakistan zu besuchen, wo er Englisch und Urdu lernte. Als aber nach einer lang anhaltenden Dürre seine Familie buchstäblich nichts mehr zu essen hatte, brach er seine Ausbildung ab. Er kehrte 1999 nach Afghanistan zurück und arbeitete als Übersetzer, Logistiker, Monitor und Administrator für verschiedene internationale Hilfsorganisationen. Die direkte Arbeit mit den Bedürftigen lag ihm schon immer sehr am Herzen.

Rahmatullahs Traum ist ein friedliches, sicheres Afghanistan, das sich stetig von den Wirren des Krieges und der Taliban-Zeit erholt. Vielleicht hat er dann auch irgendwann die Chance seinen persönlichen Traum zu realisieren: endlich auch seine Ausbildung abzuschließen.