Im Portrait

Caritas Gulu (Uganda)

Paul Rubangakene

Caritas Gulu

Pauls Zungenschlag ist mit einem Mal wie gelähmt, schwankend steht er auf, strauchelt fast und torkelt, immer weiter vor sich hin lallend, durch die Menge. Zuerst herrscht betretenes Schweigen, dann hört man einzelnes Kichern, manche lachen laut auf und klatschen in die Hände. Und dann entspinnt sich aus der Szene eine engagierte Diskussion, an der sich alle gebannt beteiligen. Das Thema: Alkoholmissbrauch. Eines der drängenden Probleme in den Flüchtlingscamps in Norduganda.

Wie bei dieser Versammlung ist Paul immer mitten drin, mit jeder Faser voll in seiner Arbeit. Paul ist seit 1999 Sozialarbeiter der Caritas Gulu und arbeitet mit den Vertriebenen, die auch nach den 2006 eingestellten Kampfhandlungen im Norden Ugandas nach wie vor in großer Zahl Flüchtlingslagern leben. So, wie auch seine eigene Familie. Paul gehört zu ihnen, er ist in höchstem Maße glaubwürdig und integer und doch gelingt es ihm, gleichzeitig seine Rolle als Sozialarbeiter mit der nötigen professionellen Distanz auszufüllen.

Was Paul wütend macht, sind all die vielen "Experten", die nach dem Waffenstillstand in die Flüchtlingscamps kamen, Hilfe nach dem Gießkannenprinzip verteilten um anschließend ins nächste Krisengebiet aufbrechen. Das zementiert die Abhängigkeit der Vertriebenen, davon ist Paul überzeugt. Denn seiner Meinung nach hilft nur eines: Die Flüchtlinge zu motivieren und darin zu stärken, sich selbst zu helfen, ihre Gemeinschaft selbst zu organisieren und mit gemeinsamen Kräften ihre Probleme Stück für Stück zu lösen. Den Alkoholmissbrauch, die Traumatisierung der verstümmelten Kriegsopfer und der ehemaligen Kindersoldaten, die Gewalt, die Armut, die Frustration.

Stolz ist Paul darauf, dass er in den letzten zehn Jahren mit daran beteiligt war, dass 3070 der "Lost Children", der ehemaligen Kindersoldaten, wieder in ihren Familien aufgenommen wurden. Wie zum Beispiel ein Mädchen, das er betreut hat. Sie kam mit zwei Babys aus dem Busch zurück und hatte den großen Wunsch, die Schule zu besuchen. Paul konnte sie dabei unterstützen und inzwischen geht diese junge Frau zur Universität.

Aus solchen Geschichten zieht Paul die Kraft, die er für seine Arbeit braucht, und sie versinnbildlichen das Motto, das er sich für seine Arbeit gewählt hat: "Nach vorne schauen und sich nicht von der Vergangenheit lähmen lassen".

September 2012