Im Porträt

Caritas Partner Capni

Shawel Abdish

Ein junger Mann mit Kurzhaarfrisur und Bart

Der 27-jährige Shawel Abdish ist der stellvertretende Leiter der Caritas-international-Partnerorganisation CAPNI und zuständig für die Planung, Überwachung und Berichterstattung der Projekte.

"Ich bin ein assyrischer, chaldäischer Christ. Ich bin in Mossul geboren und habe dort bis 2005 gelebt. Damals gab es Unruhen, darum hat meine Familie die Stadt verlassen. Als ich Mossul verlassen habe, habe ich alles hinter mir gelassen. Ich habe die Menschen dort auch nicht gemocht. Wir leben jetzt in Dohuk. Ich habe hier Englische Literatur und Sprache studiert. Es gibt unter den Christen hier einen Trend, zu emmigrieren. Ich fühle mich auch nicht so, als würde ich zu diesem Land gehören. Die anderen haben uns Christen nicht gezeigt, dass wir zu diesem Land gehören sollten.

Der Exodus der Christen hat 1979 während des Kriegs mit dem Iran angefangen. Ich möchte aber hier leben. Ich hoffe, dass die Situation sich verbessert. Meine Eltern leben hier und wollen hier bleiben, meine Brüder und Schwestern leben allerdings in Schweden und Kanada. Ich arbeite seit fünf Monaten für CAPNI. Die Arbeitsbedingungen sind gut. Wir erhalten Mittel von der internationalen Gemeinschaft, die wir für die Vertriebenen und Flüchtlinge einsetzen können. Ich bin verantwortlich für die Projekte. Ich sorge dafür, dass die Verteilungen funktionieren. Die Menschen gehen zur Kirchengemeinde, um sich für die Verteilungen registrieren zu können. Die Vertriebenen sind sehr erschöpft, vor allem mental. Sie haben so viel durchgemacht. Sie wollen nicht zurück in ihre Heimatorte gehen, weil sie sich dort nicht sicher fühlen. Einige von ihnen leben in alten Häusern, andere sind bei Verwandten untergekommen. Wieder andere haben noch ein paar Ersparnisse, um sich eine kleine Wohnung zu mieten. Aber die Vorräte gehen zur Neige und die Situation bleibt unsicher. Wir brauchen mehr internationalen Schutz. Die meisten Vertriebenen meinen, dass sich die internationale Gemeinschaft auch militärisch mehr engagieren sollte. Saddam Hussein hat die verschiedenen religiösen Gruppen im Irak klein gehalten, so dass die Differenzen nicht so zutage traten. Aber es war eine Diktatur. Wir konnten nicht frei kommunizieren und unsere Meinung sagen. Es war auch schwierig, das Land zu verlassen.

August 2015