Im Portrait

Caritas Äthiopien

Sr. Medhin Tesfay

Caritas Äthiopien

Sr. Medhin Tesfay arbeitet in der Diözese Adigrat, im Nordosten Äthiopiens. Die 37-jährige Ordensschwester verantwortet als Regionalkoordinatorin ihres Ordens ein von Caritas international mitfinanziertes Straßenkinderprojekt in der Provinzstadt Mekelle.

Vor 17 Jahren ist die durchsetzungsstarke Schwester in den Orden der Vinzentinerinnen eingetreten und hat sich zunächst in der Frauenarbeit engagiert. Dann bekam sie die Chance, in Indien Sozialarbeit zu studieren.

"In Mumbai habe ich effektive Sozialarbeit gelernt. Man muss sein Büro verlassen, zu den Menschen und in die Gemeinden gehen. Erst wenn man gute und belastbare Beziehungen aufbaut, erkennt man die Bedürfnisse der Menschen. Aber es braucht auch Richtlinien für die praktische Arbeit."

Sr. Medhin gehört zu den gerade einmal ein Prozent der Frauen in Äthiopien mit akademischer Ausbildung. Sie wuchs im Dorf Aletena auf, einem kleinen Ort in der Grenzregion zu Eritrea. Als sie zehn Jahre alt war, wurde auf Anordnung der Regierung die Dorfschule geschlossen. Der Schulweg betrug nun zwölf Stunden Fußmarsch über Berg und Tal in die nächstgelegene Stadt. Für viele Mädchen wäre in Äthiopien an dieser Stelle die Schulbildung beendet gewesen. Nicht so für Sr. Medhin. "Ich hatte starkes Heimweh, aber ich lebte unter der Woche bei meinem großen Bruder. Das gab mir die Chance, die Schule zu beenden und machte mich stark", erzählt sie.

Sr.Medhin hofft, mit ihrem Humor und ihrem Lachen sich selbst und anderen das Leben leichter zu machen. "Es bringt ein Licht in das Leben geschundener und oft hoffnungsloser Kinder." Oft findet sie ihre Arbeit mit den verstoßenden und mittelosen Kindern belastend: "Dann bete ich, dass ich die Realität akzeptieren kann. Aber es gehört auch dazu, das Möglichste von mir selbst zu geben", sagt sie und lacht herzlich.

September 2012