Zu Besuch im Kosovo 2010

Begegnungsreise

Aktive Suche nach Kindern mit Behinderung

Im Gespräch mit der Leiterin der BehindertenhilfeIm Zentrum für Frühförderung: Sybille Schmöger und Jörg Kilian im Gespräch mit Ida Delhysa, Leiterin der Behindertenhilfe der Caritas Prizren (v. l. n. r.) Christine Decker / Caritas international

Von 20. bis 25. September besuchten Sybille Schmöger, Leiterin der Beratungs- und Servicestelle im Dominikus-Ringeisen-Werk in Ursberg, und Jörg Kilian, Mitarbeiter der Caritas Werkstätten in Sinzig, im Rahmen der Aktion "Caritas für Caritas" die Projekte der Caritas-Behindertenhilfe in Prizren.

Tief berührt zeigten sich Sybille Schmöger und Jörg Kilian nach ihren Besuchen bei Familien mit behinderten Kindern. Hier werde sehr schnell deutlich, ob ein behindertes Kind als gleichwertiges Familienmitglied angenommen werde oder nicht, so der Eindruck der Besucher aus Deutschland. Schon ein kurzer Blick in das familiäre Umfeld lasse die Entwicklungschancen für ein Kind mit Behinderung erkennen. Defizite in der Familie ließen sich auch durch die sehr professionelle Hilfe der Caritas nur bedingt ausgleichen.

"Hier können wir viel lernen"

"Während wir in Deutschland darauf warten, dass die Menschen zu uns kommen, gehen die Kolleg(inn)en der Caritas Prizren auf Eltern mit behinderten Kindern zu. Und sie suchen sie sogar, weil die Kinder sonst gar keine Chance auf Förderung und Unterstützung bekämen", stellte Sybille Schmöger fest. "Wir haben wenig Einblick in das familiäre Umfeld unserer Klienten. Hier können wir viel von den Kolleginnen lernen."

Nach dem Kosovo-Krieg 1999 finanzierte Caritas international zunächst die Instandsetzung der staatlichen Gehörlosenschule, der einzigen im Kosovo. Danach begleitete das neu gegründete Regionalbüro der Caritas Kosovo in Prizren den Aufbau einer Behindertenwerkstatt mit den Arbeitsbereichen Holz, Metall und Textil. Ebenfalls auf dem Gelände der Gehörlosenschule befindet sich der von der Caritas gegründete inklusive Kindergarten für etwa 40 Kinder, zur Hälfte Kinder mit Behinderung.

Darüber hinaus bietet die Caritas im städtischen Ärztezentrum Beratung und Frühförderung für Kinder mit Behinderung an. Kinder, deren Eltern keine Möglichkeit haben, sie regelmäßig zur Frühförderung zu bringen, werden zu Hause besucht und betreut. Durch diese und andere soziale Modellprojekte, die nach der Pilotphase in das staatliche Sozialwesen übergeben werden, nimmt die Caritas Kosovo ihre Rolle wahr, die Armen und Ausgegrenzten durch Hilfe und Fürsprache zu begleiten.

Christine Decker, Oktober 2010