Kenia

Dürreprävention/ Nothilfe

Damit Menschen nicht sterben, wenn der Regen ausbleibt

Talaso WotosTalaso Wotos mit ihrer kleinen Viehherde.Foto: Bente Stachowske/ Caritas international

Talaso Wotos Heimatregion Marsabit gleicht in diesen Tagen mehr denn je einer kargen Mondlandschaft: graubraune, völlig ausgetrocknete Erde soweit das Auge reicht, dazu 42 Grad Celsius und kaum ein Bäumchen, das Schatten spenden könnte. Und dennoch hat sich die 20-jährige Talaso auch an diesem Tag wieder um fünf Uhr morgens aufgemacht, um die sieben Stunden entfernte Wasserstelle zu erreichen. Wasser für 65 Schafe und Ziegen muss sie auf zwei Eseln zurückbringen. Zwei- bis dreimal in der Woche nimmt sie diesen weiten Weg auf sich, während ihr Mann mit dem zweijährigen Kind und dem Vieh zurückbleibt. Wasserholen ist Frauensache. Der Weg ist lang und beschwerlich, doch er gehört zu Talaso Wotos Leben, genau wie zu dem tausender anderer Frauen in der Wüste Nordkenias. Wer in dieser Region überleben will, hat keine andere Wahl.

Hoffnung gibt ausgerechnet die Sonne

In diesem Jahr in die Lage besonders bedrohlich, die erste Regenzeit fiel komplett aus, auf die zweite warten die Menschen bislang vergebens. „Bis vor ein paar Monaten war es für uns noch schwieriger hier“, sagt Talaso Woto. „Oft bin ich ganz umsonst gekommen, weil die Grundwasserpumpe ausfiel und es kein Wasser gab“. In solchen Tagen ist die Verzweiflung bei Talaso und ihrer Familie groß, denn Wasser bedeutet für sie und ihre Tiere nichts Geringeres als Leben.

Solarbrunnen in MarsabitWotos täglicher Gang zum SolarbrunnenFoto: Bente Stachowske/ Caritas international

Die Pumpe wird inzwischen von der Sonne betrieben. Im Juni hat PACIDA, die Partnerorganisation von Caritas international, ein Solarsystem an der Pumpe installiert. Isak Galgallo (24) ist einer derjenigen, die die Solaranlage warten und er ist sehr stolz auf diese Arbeit. „Die Pumpe versorgt 790 Familien mit durchschnittlich sechs Personen. Ungefähr 150 Haushaltsvertreter kommen täglich, um Wasser zu holen oder die Tiere zu tränken“, erklärt er. „Vorher mussten die Menschen jeden Tag bezahlen, damit wir Geld hatten, um Benzin für den Generator zu kaufen. Das ist vorbei, und das ist wichtig, denn in trockenen Zeiten wie diesen haben die Menschen kaum Geld.“

Wassermangel mit existenziellen Folgen

Wario Adhe von der Caritas-Partnerorganisation PACIDA ist erleichtert, dass die neue Solarpumpe so gut funktioniert. „Vorher gab es einen Dieselgenerator. Wenn er kaputt war oder es kein Benzin gab, haben die Menschen viel Vieh verloren.“ In der Wüste Nordkenias hängt die Existenz der Nomadenfamilien unmittelbar mit dem Wasser zusammen. Das zeigt auch das Schicksal der Familie der 80-jährigen Lass Russo.

Lass RussoLass Russo in ihrer neuen Umgebung.Foto: Bente Stachowske/ Caritas international

Lass Russo hatte eigentlich ein gutes Leben, zog mit ihrer Familie und ihrem Vieh durch den Norden Kenias, immer auf der Suche nach Weideplätzen und Wasser und hatte immer ein Auskommen. Doch vor wenigen Jahren musste die Familie ihr gewohntes Leben notgedrungen aufgeben. „Es hat zu wenig geregnet“, sagt Lass Russo. „Es gab kein Weideland mehr und zu wenige Wasserstellen. Das Vieh ist uns verendet.“ Die Frau vom Rendille-Stamm, geschmückt mit den für sie typischen bunten Perlen, schaut ernst. 200 Schafe und Ziegen, 20 Kamele und zehn Rinder nannte die Familie einst ihr Eigen. Jetzt haben sie alles verloren. Ihr Ehemann ist früh gestorben. Russo lebt jetzt mit ihrer Tochter und acht Enkelkindern in Kargi, einer kleinen Siedlung nordöstlich von Marsabit. Eine Tragödie für Viehhirten wie sie es sind, denn ohne Vieh haben sie kein Einkommen.

Der Traum vom alten Leben

Russos Familie ist jetzt auf Hilfe von der Regierung und von Hilfsorganisationen angewiesen. Der Caritas-Partner PACIDA hat ein Nothilfe-Programm für existenzbedrohte Familien eingerichtet und unterstützt diese mit Nahrungsmittelhilfen. „Früher war das Leben nicht so schwierig wie jetzt“, sagt Lass Russo. „Wir sind umhergezogen. Aber die Dürre hat immer mehr zugenommen. Die wenigen Tiere, die wir noch hatten, konnten uns nicht versorgen.“ Hilfe bekommt sie auch von Nachbarn, wenn sie etwas haben. „In Extremsituationen wie momentan, in denen die Dürre besonders stark ist, versorgen wir viele solcher Familien mit proteinhaltiger Spezialnahrung, um sie vor Mangelernährung zu schützen“, sagt Wario Adhe, der Programmdirektor von PACIDA. „Ich möchte, dass meine Enkelkinder wieder Vieh besitzen, so dass sie ein unabhängiges Leben führen können“, wünscht sich Lass Russo. „Ich hoffe, dass sie zur Schule gehen können, damit ihnen ein Leben in Armut erspart bleibt.“

Keine Bildung ohne Wasser

Tiigo Schule in TurbiSchulkinder an der Wasserstation der Tiigo Schule.Foto: Bente Stachowske/ Caritas international

Das Ringen um Wasser prägt den Alltag der Viehhirten so sehr, dass sie keine Möglichkeit haben, ihre Kinder zur Schule zu schicken. Es fehlt an Geld für Schuluniformen und Bücher. Außerdem sind die meisten Schulen zu weit weg von den Weidestellen. Es gibt sogar Schulen, in denen die Mitnahme von Wasser die Kinder erst zum Schulbesuch berechtigen. In der Tiigo Schule in der Nähe von Turbi, zwischen Marsabit und der äthiopischen Grenze gelegen, ist das nicht so. Jeden Tag füllen sich dort die Klassenräume mit Kindern aus Hirtenfamilien aus der ganzen Umgebung und auch von weiter weg. Kinder, die sonst wahrscheinlich keine Möglichkeit hätten zur Schule zu gehen. Und in diesem Fall heißt Schulbesuch: Internat, schon für die Erstklässler. Ein täglicher Weg wäre in der unendlichen Wüste Nordkenias, in der die Nomaden verstreut leben, einfach zu weit. Die Lage für die Schule, die Anfang des Jahres mit Hilfe der Caritas errichtet wurde, ist gut gewählt. Gerade ist die einzige Teerstraße im Norden Kenias fertig geworden. Sie führt direkt an der Schule vorbei. „Sonst wäre es schwierig, Lehrer zu finden“, erklärt Wario Adhe, der Programmdirektor von PACIDA. Das Besondere an der Schule ist, dass die Versorgung mit Wasser gewährleistet ist. Hierfür sorgen vier große Regenwassersammelbehälter am Rand des Geländes, zu denen Leitungen von den Gebäudedächern führen, außerdem Latrinen und große Schilder mit den Regeln für das Händewaschen. Hygieneerziehung ist ein wichtiger Bestandteil des Schulunterrichts.

Mit Caritas helfen

Caritas international und ihre Partnerorganisation PACIDA haben weitere Pläne, um die Situation der Schulkinder zu verbessern. Sobald die Finanzierung steht, soll eine neue Pumpanlage installiert werden, die das Wasser von den Sammelbehältern in einen Wasserturm und von da aus in die verschiedenen Gebäude weiterleitet. „Dann ist das System perfekt“, schwärmt Wario Adhe. Die Kinder empfinden das jetzt schon so. „Wir wollen unbedingt zur Schule gehen“, sagt die neunjährige Adho Sori, obwohl das bedeutet, dass sie ihre Familie nur drei Mal im Jahr sehen kann.

Erfahren Sie mehr über die Projekte der Caritas zur Dürreprävention in Kenia.