Übersicht

Hier arbeitet die Caritas

Regionen der Flucht und der Zuflucht

Mann mit kleinem Kind auf dem ArmIn Ventimiglia warten zahlreiche Menschen auf ein Weiterkommen. Stefano Schirato / Caritas internationalis

Krise der Bereitstellung von Zuflucht

Der Sommer 2015, als gut eine Million Schutzsuchende nach Europa kamen, wurde weithin als "Flüchtlingskrise" wahrgenommen oder bezeichnet. Die EU mit ihren 510 Millionen Einwohnern intensivierte seither ihre Grenzkontrollen. Flüchtlingshilfswerke und die humanitäre Hilfsorganisationen sprechen von Abschottung. Die Grenzkontrollen der EU werden von ihren politisch Verantwortlichen als eine Strategie zur  Bekämpfung von Schleppern und Schleusern dargestellt. Tatsächlich ist die Flucht durch Überwachungssysteme, Militär- und Polizeieinsätze, Zäune, Drohnen, Satelliten und Sensoren zunehmend erschwert. Davon profitieren viele Schlepper, die für deutlich mehr Geld neue und in der Regel noch gefahrvollere Fluchtrouten erschließen.

Hingegen ist die Nothilfe für Menschen auf der Flucht nicht einfacher geworden. Die teils katastrophalen Zustände in der Türkei und in Griechenland wurden von den Medien dokumentiert, Bilder Erfrierender und Ertrinkender gingen um die Welt. Eher sporadisch erreichen Berichte über die Zustände für Flüchtlinge in Libyen, in der Region des Jemen oder in Ägypten die mitteleuropäischen Medien.

Eine medizinische Basisversorgung ist für die Geflüchteten in den großen Lagern vielfach nicht gewährleistet. Es fehlt Trinkwasser, sanitäre Anlagen, Nahrung. Die oft traumatisierten Menschen, unter ihnen zahlreiche unbegleitete Minderjährige und Kinder, brauchen dringend eine psychosoziale Betreuung.

Für all diejenigen, die im Süden Europas gestrandet sind, ist die Lage sehr schwierig geworden. Die Geldreserven derer, die wieder Boden unter den Füßen haben, sind oft zur Gänze aufgebraucht. Die Nerven der Flüchtlinge sind durch Perspektivlosigkeit und Angst vor Ausweisung oder schlechte Behandlung durch die Behörden vielfach zum Zerreißen angespannt. Italien will keine Flüchtlinge mehr aufnehmen, die EU Staaten lassen sich Zeit bei der Suche nach einer Lösung. Diese Zeit kostet bisweilen weitere Menschenleben.

Steigender Nothilfebedarf für Menschen auf der Flucht

Mit den zahlreichen Fluchtrouten, die von Menschen angetreten und auf Leben und Tod erprobt werden, weil sie nicht bleiben können, wo sie keine Zukunft mehr für sich sehen, hat sich die humanitäre Lage zugespitzt. Damit hat die Nothilfe für Menschen auf der Flucht vor Krisen als Arbeitsbereich von Caritas international in den letzten Jahren enorm an Bedeutung gewonnen.

Zufahrtsstraße ins Flüchtlingscamp Tausende Flüchtlinge aus dem Südsudan erreichen im Juli 2017 das Bidi Bidi Flüchtlingscamp in Uganda.Tommy Trenchard / Caritas internationalis

Die Nothilfe und die Versorgung der  Flüchtlinge weltweit steht vor großen Herausforderungen - in der praktischen Arbeit ebenso wie bei der Finanzierung. UN-Hilfswerke warnten im Juni 2017 vor massiven Engpässen bei der Versorgung von syrischen Flüchtlingen. Wie das Flüchtlingshilfswerk UNHCR und das Entwicklungsprogramm UNDP mitteilten, sind von den notwendigen 4,6 Milliarden Euro für die Unterstützung von Kriegsflüchtlingen in den Nachbarländern in diesem Jahr erst 433 Millionen Euro geflossen - es fehlen also vier Milliarden Euro. Laut Welternährungsprogramm fehlen allein für den Hilfsplan für südsudanesische Flüchtlinge rund 80 Prozent der benötigten Budgets. Mit 1,8 Millionen Flüchtlingen stellt der Südsudan die Region der am schnellsten wachsenden Flüchtlingskrise der Welt dar. Unter den Flüchtlingen sind eine Million Kinder, die in Uganda, Sudan, Äthiopien, Kenia, der Demokratischen Republik Kongo und der Zentralafrikanischen Republik Schutz gesucht haben.

Die Bedürfnisse von Flüchtlingen sind je nach Ort und Alter, Fluchterfahrung und Zufluchtsort unterschiedlich. Doch fast immer geht es um das Notwendigste, um Wasser, Nahrung, ein Dach über dem Kopf, um medizinische Notversorgung. Da Millionen von Geflüchteten inzwischen seit mehreren Jahren am Ort der von ihnen gewählten oder erreichbaren Zuflucht leben, sind Existenzgründungshilfen und Bleibeperspektiven für eine Integration ein weiteres Arbeitsfeld, das an Bedeutung gewinnt.

August 2017

Die Dauerkrise im Nahen Osten

Kinder in einem behelfsmäßigen Matratzenlager auf der StrasseSyrien im Februar 2017Patrick Nicholson

Schlaglicht Syrien: Inzwischen sind rund 13 Millionen Syrer auf der Flucht. Schätzungsweise 5 Millionen Menschen sind ins Ausland geflogen und 8 Millionen sind als Binnenflüchtlinge auf der Suche nach Schutz im eigenen Land. Auch wenn sie oft nicht weit von ihrer Heimat entfernt sind: Die Mehrheit der Flüchtlinge sind überzeugt, dass sie nie mehr zurückkehren werden. Angesichts der enormen Not dieser Menschen kann der Einsatz der humanitären Helfer das Leid nur in sehr kleinem Maßstab lindern. Und doch ist die Hilfe in diesen Zeiten so wichtig. Caritas international versorgt die Menschen mit Hilfe lokaler Partner unter anderem mit dringend benötigten Lebensmitteln und half den Schutzbedürftigen dabei, den Winter zu überstehen.

Mehrere Millionen Syrer und Syrerinnen suchen derzeit auch Schutz in den Nachbarländern Jordanien und im Libanon. Doch dort sind die staatlichen Strukturen, die zivilgesellschaftlichen Organisationen und die einzelnen Familien wegen der Schutz suchenden Menschen aus dem Nachbarland völlig überlastet. Hinzu kommen zahlreiche Flüchtlinge aus dem Irak. Insgesamt erreichten die Hilfen von Caritas international mehrere Hunderttausend syrische Flüchtlinge in der gesamten Region.

Zu der Arbeit von Caritas international in Syrien und den Hintergründen finden Sie hier ein eigenes Dossier: Sechs Jahre Krieg in Syrien

Nothilfe in Südeuropa geht weiter

Baracken am Belgrader HauptbahnhofAus Furcht vor den Registrierungen weigern sich viele Flüchtlinge, in die offiziellen Flüchtlingslager zu gehen. Am Belgrader Hauptbahnhof haben sich einige in leerstehenden Baracken angesiedelt. Die Bedingungen sind erschreckend. Foto: Philipp Spalek / Caritas international

In Mazedonien, in Griechenland und in Serbien sind viele Geflüchtete auf den Fluchtrouten steckengeblieben, auf der Suche nach Verwandten oder weil sie kein Geld mehr haben, um eine Weiterreise anzugehen. Auch hier muss die Versorgung der Menschen weitergehen. Gerade jetzt, wo der Blick der internationalen Öffentlichkeit nicht mehr auf diese Region gerichtet ist. Das gilt vor allem für Griechenland, wo die Zahl der Festsitzenden sich auf mehr als 50.000 beläuft, darunter viele Kinder, schwangere Frauen und alte oder kranke Menschen. Gemeinsam mit der Caritas Hellas halten wir die Hilfe für diese Menschen aufrecht. Gleiches gilt für unsere Projekte in Serbien wie auch für die Arbeit der Caritas in Italien. In den ersten sechs Monaten 2917 sind rund 12.000 minderjährige Flüchtlinge in Italien angekommen, 93 Prozent von ihnen waren unbegleitet. Auch von Ägypten wagen mehr und mehr Menschen die gefährliche Überfahrt nach Italien.

Ein Blick in die Transitländer im Maghreb

Der gesamte Maghreb, von Marokko über Algerien bis Tunesien, hat sich in den vergangenen Jahren zu einer Transitregion für Migranten auf dem Weg nach Europa entwickelt. Vielen von ihnen gelingt die Einwanderung nach Europa nicht, da die europäische Grenzsicherung im Mittelmeer mit militärischer Präzision und Vehemenz betrieben wird. Zahlreiche Migranten verbleiben daher dauerhaft im Maghreb. Die Region wird als Ziel ausgewählt, da der Lebensstandard und die Beschäftigungsmöglichkeiten im Vergleich zu den Herkunftsländern von den Migranten als deutlich besser eingeschätzt werden.

Notunterkunft einer alleinerziehenden MutterAlleinerziehenden Mütter haben einen besonders schweren Status unter den Migranten in Marokko.Foto: Christine Decker/ Caritas international

In Algerien leben derzeit rund 240.000 Migranten. Die jährliche Zuwachsrate von Migranten aus dem subsaharischen Raum wird auf 16.000 Personen geschätzt. Viele von ihnen erhalten keinen regulären Aufenthaltsstatus in Algerien und leben im Verborgenen in prekären Verhältnissen. Algerische Sicherheitskräfte gehen äußerst hart gegen irreguläre Migranten vor. Marokko ist schon seit mehr als zehn Jahren ein Durchreiseland für subsaharische Migranten auf ihrem Weg nach Europa. Flüchtlinge in Marokko kommen aus insgesamt 36 Ländern, vor allem aus Syrien. Geschätzt 10.000 bis 15.000 Migranten mit irregulärem Aufenthaltsstatus halten sich in Marokko auf. Diese leben meist am Rand der Gesellschaft. Manche von ihnen versuchen, nach Europa zu gelangen, weil sie schlicht kein ausreichendes Auskommen haben.

Im Norden von Mali war die Stadt Gao über viele Jahre eine Drehscheibe der Migration nach Norden, in den Maghreb und weiter nach Europa. Angriffe von Dschihadisten haben wichtige Teile der Infrastruktur zerstört und die durchschnittliche Verweildauer in der Stadt noch einmal gesenkt. Im Juni leben 158.000 malische Geflüchtete in den Nachbarländern Mauretanien, Niger und Burkina Faso, Mali zählt zudem rund 50.000  Binnenvertriebene im eigenen Land und rund 50.000 Rückkehrende ehemals Geflüchtete.

In Nordafrika kümmern sich die Partner von Caritas international um diese Menschen, die keine andere Möglichkeit sehen, als irgendwie nach Europa zu gelangen. Sie versuchen ihnen die Integration in die Gesellschaft zu erleichtern und ihnen Wege zu zeigen, wie sie ihre Fähigkeiten nutzen können, um sich eine Lebensgrundlage zu schaffen:

Algerien: Ein Ort des Friedens für Migranten

Marokko: Im Transit - Betreuungszentren für Migranten

Mali: Rückkehr braucht Versöhnung

Hilfe für die Opfer der Konflikte in Zentralafrika

Von der Weltöffentlichkeit weitgehend unbemerkt, spitzt sich in der Region rund um den Tschadsee eine der schwersten humanitären Krisen Afrikas zu. Mehr als sieben Millionen Menschen sind von Hunger und Vertreibung betroffen. Krieg und Terror haben hier zur Folge, dass Fischer ihren Fang nicht mehr zum Markt bringen und verkaufen können, Felder teilweise seit Jahren nicht mehr bestellt wurden und die wenigen verbliebenen Lebensmittel deshalb immer teurer werden.

mehrere Personen auf dem Boden sitzend im Gespräch Gernot Ritthaler im Gespräch mit Vertriebenen in Maiduguri / NordnigeriaCaritas international

Im Norden Nigerias ist nahezu die gesamte Bevölkerung von der Gewalt der Terrororganisation Boko Harram betroffen. In den Bezirken Hawul und Asikra Uba leben 1,43 Millionen Vertriebene, beide Bezirke liegen im Distrikt Borno im Norden Nigerias. Caritas international unterstützt Vertriebene, um eine reale Chance für eine friedliche Rückkehr nach der Flucht zu ermöglichen. Mit Nahrungsmitteln, Saatgut und Geräten für den Fischfang verbessert Caritas die Situation für Flüchtlinge, Vertriebene und Gastgemeinden am Tschadsee im West-Tschad.

Zehntausende flohen seit 2013 vor der Gewalt in der Zentralafrikanischen Republik in den entlegenen Nordwesten des Kongo, in den vergangenen Monaten waren es erneut über 60.000 Menschen auf der Flucht. Hier ist die Ernährungslage besorgniserregend, auch für die aufnehmenden Gemeinden. In der Diözese Molegbe unterstützt die Caritas 5.000 Familien, Nahrungsmittel anzubauen und wieder Fuß zu fassen.

Tschad: Humanitäre Hilfe in der Tschadsee-Region

Nigeria: Zuversicht säen - für eine Chance auf Rückkehr

DR Kongo / Zentralafrikanische Republik: Saatgut und Palmöl für Vertriebene