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Wasserzugang für alle!

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Wasser für alle – überall, jederzeit

Frau trinkt klares Wasser an einem Brunnen "Seit wir den Brunnen vor der Haustür haben, sind meine Kinder viel weniger krank“, freut sich diese Bergbäuerin in Äthiopien.Bente Stachowske 2017

Der lange Weg zum täglichen Wasser. Für viele Menschen ist er mühevoll. Weltweit sind es fast 700 Millionen, die keinen Zugang zu sauberem Wasser haben. Andererseits gehen insbesondere die westlichen Gesellschaften geradezu verschwenderisch mit diesem Gut um: Durch den steigenden Lebensstandard wird in den Haushalten, in der Wirtschaft und im Agrarsektor jährlich mehr Wasser verbraucht. Zudem sind die Vorräte auf der Erde ungleich verteilt. Allen Menschen gleichermaßen den Zugang zu Trinkwasser zu ermöglichen, ist somit eine zentrale Herausforderung der Zukunft, der sich auch das Hilfswerk des Deutschen Caritasverbandes, Caritas international, verstärkt stellt. Und das nicht nur in der akuten Nothilfe wie bei extremen Dürren, wo es an Wasser mangelt, oder im Überschwemmungsfall, wo Fluten ganze Landstriche unter Wasser setzen. Auch nach dem Katastrophenfall muss die Versorgung der Bevölkerung mit diesem lebenswichtigen Gut langfristig sichergestellt sein.

Das Thema Wasser ist für Caritas international essentieller Bestandteil ihrer Arbeit in der Katastrophenhilfe und -vorsorge. "Im Jahr 2016 hatten wir 61 Projekte von Caritas international, die sich mit dem Thema Wasser - in unterschiedlichster Form - befasst haben. Jedes zehnte Projekt von Caritas international hat eine Wasserkomponente. Diese haben ganz unterschiedliche Aspekte behandelt: Nicht nur die Versorgung mit Trinkwasser ist zentral, auch Hygiene und sanitäre Grundversorgung sind wichtige Pfeiler, bis hin zur Ernährungssicherung durch landwirtschaftliche Bewässerungssysteme", erklärt Vera Schneider, Referentin von Caritas international.


Jedes zehnte Projekt von Caritas international hat eine Wasserkomponente

29  Wasser-Projekte werden derzeit in Afrika umgesetzt, 17 in Asien sowie 10 in Lateinamerika. Die hälfte der Projekte hat eine Komponente im Bereich Sanitärversorgung und Hygiene, jedes zehnte Projekt befasst sich mit dem verbesserten Zugang auf der Basis von Rechten. 67 Prozent der Projekte weisen eine Trinkwasserkomponente auf.

Kinder mit einer Kanne voll Wasser Entkeimtes und sauberes Wasser hilft Leben retten - wie hier im SüdsudanPaul Jeffrey

Insgesamt flossen im Jahr 2016 über 9,5 Millionen Euro in diese Projekte. Erstes Ziel war dabei, die Infrastruktur für Trinkwasser zu verbessern. "Wir haben mit unseren Partnern Brunnen gebaut und repariert, Pumpstationen, Wasserrückhaltesysteme und Wasserdämme errichtet", berichtet Vera Schneider. "Wo nötig und möglich wurden Wasseraufbereitungsanlagen installiert und sogenannte lokale Wasserkomitees gegründet, um die Anlagenlangfristig zu betreuen und instand zu halten." Zudem will Caritas international den Erfahrungsaustausch zwischen den Projektpartnern ausbauen. "Fachwissen ist ja vielfach vorhanden", betont Vera Schneider. Und Regionen, die durch klimatische Veränderungen beispielsweise zunehmend von Wasserknappheit betroffen seien, könnten vom Wissen der Partner andernorts profitieren.

Erst hinsehen, dann handeln

Profitieren sollen die Menschen auch von der Entscheidung der UN-Generalversammlung von 2010: Vor sieben Jahren wurde der Zugang zu sauberen Trinkwasser als Menschenrecht proklamiert. Doch dieses Recht muss auch durchgesetzt werden. Die Betroffenen alleine sind jedoch dazu nicht in der Lage. Sie benötigen dazu Hilfe, auch wie sie Caritas international in ihren Projekten ganz praktisch umsetzt.

Um das Wissen der vielseitigen Projekte unserer Partner zu bündeln und einen Erfahrungsaustausch zu intensivieren, hat Caritas international drei Studien in Auftrag gegeben. Sie zielen darauf, den Status Quo der Wasserversorgung detailliert zu beschreiben und daraus Empfehlungen für die Zukunft  abzuleiten, um den Zugang zu sauberem Trinkwasser und eine sanitäre Grundversorgung besser zu gewährleisten: in Pakistan, in der Demokratischen Republik Kongo und in Chile.

Auf solider Grundlage neue Strategien zur Wasserversorgung erarbeiten

Ob ein Hilfsprojekt die gewünschte Wirkung zeigt, kann nicht vom heimischen Schreibtisch aus beurteilt werden. Das muss vor Ort geschehen - im Dialog mit den Partnerorganisationen und den Begünstigten. "Wasser ist in vielen Regionen in Pakistan ein rares Gut," so Yasmine Joseph. 22 Jahre war sie für die Caritas Pakistan im Einsatz, bevor sie 2015 die Organisation SOCIETY FOR RELIEF AND DEVELOPMENT (SRD) gründete. Für eine Studie über den Zugang zu Wasser war Yasmin Joseph im Auftrag von Caritas international in den Provinzen Sindh und Balochistan unterwegs, um zahlreiche Betroffene zu befragen. Im Gespräch gibt sie einen ersten Einblick in die Lebensrealität der Menschen, die in Regionen mit begrenzten Wasserressourcen und schlechter Wasserqualität leben.

 

Oktober 2017