Wasser

Dossier

Wasserzugang für alle!

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Hintergrund

Wasser, Klimawandel und Ernährungssicherung

ErnährungssicherungFoto: Bente Stachowske/ Caritas international

In vielen Weltregionen sinken durch den hohen Wasserkonsum die Grundwasserspiegel bedrohlich, da vielerorts die Wasserentnahme die natürliche Wiederbefüllung der Wasserkörper weit übersteigt. So hat sich in den vergangenen 50 Jahren die weltweite Grundwasserentnahme mehr als verdreifacht.

70 Prozent des weltweiten  Wasserverbrauchs gehen zu Lasten der Landwirtschaft - die Tendenz steigt. Dabei produziert die Landwirtschaft nicht nur Nahrungsmittel, sondern auch einen hohen Anteil an Biomasse, die anderen Zwecken zukommt - zum Beispiel der Produktion von Treibstoffen wie Bioethanol und Biodiesel. Mit diesen versuchen die Industrieländer gerne, ihre Kohlendioxid-Bilanzen zu schönen.

Hinzu kommt der Klimawandel, der die Wasserversorgung der Erde verändert, wobei die regionalen Unterschiede beträchtlich sind. So gingen die Niederschläge in den subtropischen Gebieten im vergangen Jahrhundert bereits um rund drei Prozent zurück, während sie in den gemäßigten Breiten der Nordhemisphäre um fünf bis zehn Prozent anstiegen.

Bedingt durch diese Veränderungen im Wasserhaushalt, aber auch durch weitere Faktoren, wie die Veränderung der Dauer von Regen- oder Trockenzeiten und der stärkeren Häufung von Starkniederschlagsereignissen, gehen Prognosen davon aus, dass insbesondere die 40 ärmsten Staaten (Afrika und Lateinamerika) bis 2080 10 bis 20 Prozent ihrer Kapazität zur Getreideproduktion einbüßen werden. Insbesondere in den trockeneren Regionen Afrikas und Asiens sind rund 1,2 Milliarden ländliche Haushalte für das Erwirtschaften ihrer Lebensgrundlage von den lokalen Grundwasserressourcen abhängig, ihre Ernährungssicherheit steht auf dem Spiel.

Konkurrenz um Wasser in der Landwirtschaft

Die Gründe für den rasanten Anstieg des Wasserbedarfs in der Landwirtschaft liegen auf der Hand: Mehr als 40 Prozent aller Lebensmittel werden weltweit auf künstlich bewässerten Flächen angebaut. Dies hat viele positive Effekte: Insbesondere in den bevölkerungsreichen Ländern Südostasiens half der Bau von Bewässerungsanlagen seit den 1960er Jahren die landwirtschaftlichen Erträge zu steigern und die Lebensbedingungen für Millionen Menschen zu verbessern. Doch die Globalisierung der Agrarwirtschaft hat zu weitreichenden Veränderungen von Anbauprodukten geführt. Mais, Baumwolle oder Zuckerrohr und Palmöl dienen nicht der Ernährung, sondern werden als Futtermittel oder Rohstoffe für die Textilindustrie oder als Agrartreibstoff weiterverarbeitet. Der Anbau dieser Pflanzen aber kostet besonders viel Wasser. So wird er zu einer teilweise lebensbedrohlichen Konkurrenz für Bauern in der Nähe der Großplantagen, wenn durch übermäßige Wasserentnahmen das Grundwasser sinkt, Brunnen versiegen und Flüsse und Seen kaum noch Wasser führen.

Wasser verantwortlich teilen

Es braucht einen verantwortungsvollen Umgang mit der Ressource Wasser und einen politischen Rahmen, der allen Menschen den Zugang zu Wasser ermöglicht. Sonst sind weder Wassersicherheit noch die damit verbundene Ernährungssicherheit und Armutsbekämpfung möglich. Auch die Widerstandskräfte der Bevölkerung gegenüber veränderten klimatischen Bedingungen stehen und fallen mit dem Zugang zu Wasser.

Um Ernährungssicherheit für alle Menschen zu erreichen, insbesondere auch für die ländliche Bevölkerung der Entwicklungs- und Schwellenländer, die den größten Teil der Armen darstellt, sind entsprechend förderliche Rahmenbedingungen zu schaffen. Sie müssen der Lokalbevölkerung den Zugang zu den lokalen Wasserressourcen ermöglichen bzw. erhalten. Gemeint sind hiermit einerseits Regelungen, die ein Abgreifen von Land- und Wasserressourcen verhindern oder zumindest massiv beschränken. Zudem ist  der Konsum wasserintensiver Importprodukte durch die Industrieländer zu überdenken, da sonst die Chancen der ländlichen Bevölkerung in den Entwicklungs- und Schwellenländern für eine eigene Entwicklung beeinträchtigt werden. Auch braucht es angepasste Anbauverfahren, die traditionelles Wissen und lokale Landsorten integrieren sowie natürliche Ökosystemprozesse erhalten, statt sie zu bekämpfen oder zu zerstören. Nur so kann auch die nötige Anpassung an den Klimawandel durch die ländliche Bevölkerung in den Ländern des Südens ermöglicht werden. Hierbei ist der Erhalt der Vielfalt in der Landwirtschaft von hoher Bedeutung: Statt den Anbau auf eine einzelne oder einige wenige Arten zu verengen, erlaubt ein vielfältiger Anbau bessere Ernten und stärkt die Widerstandsfähigkeit der Produzenten angesichts der zunehmenden klimatischen Unwägbarkeiten.

Am Bedarf orientiert

Caritas international unterstützt zum Beispiel in Bolivien die Einrichtung eines Ko-Finanzierungsfonds. Aus diesem Fonds werden Projekte umgesetzt werden, deren Schwerpunkte auf dem Zugang zu Trinkwasser oder auf der Installation von Bewässerungssystemen für die Landwirtschaft liegen. Die konkrete Arbeit orientiert sich an den unterschiedlichen Bedürfnissen der einzelnen Dorfgemeinschaften. Hierdurch kann die Ernährungssituation und die gesundheitliche Situation von rund 700 kleinbäuerlichen Familien in den bolivianischen Departements La Paz, Cochabamba und Potosí verbessert werden.

Galerie: Wasserstress als Folge des Klimawandels