Caritas drängt auf Klimaschutz und Katastrophenvorsorge

Es ist kaum möglich und daher auch nicht seriös, ein einmaliges extremes Wetterphänomen auf den weltweiten Klimawandel zurückzuführen. So sind beispielsweise die Dürrekatastrophen in Ostafrika laut eines Artikels eines internationalen Forscherteams in der Zeitschrift "Science" auf ein Klimaphänomen im Pazifik zurückzuführen, welches das Klima schon seit 20.000 Jahren prägt. "Das Ausbleiben der Regenfälle am Horn von Afrika ist eine Folge der aktuellen La-Niña-Kältejahre im Pazifik", sagt Studienautor Christian Wolff vom GeoForschungsZentrum Potsdam. In den Warmphasen der El-Niño-Jahre betrage die Regenmenge in Ostafrika mindestens 1.000 Millimeter, in den La-Niña-Kaltphasen dagegen nur 600 Millimeter - aktuell sogar bloß 200 Millimeter.

Doch mit dem Anstieg der globalen Temperaturen wurde und wird auch das Klima in Ostafrika immer wärmer und wechselhafter, die Wetterextreme werden so noch verstärkt. "Trocken- und Dürreperioden wie dieses Jahr, jedoch auch Phasen mit massiven Regenperioden und Überflutungen, werden künftig in Ostafrika noch häufiger eintreten. Denn die klimatischen Extremereignisse nehmen infolge der Erderwärmung weiter zu", so Wolff.

Caritas international versucht mit mittel- und langfristigen Maßnahmen zur Katastrophenprävention, die schlimmsten Folgen dieser Entwicklung abzumildern. Wassermanagement-Systeme, zu denen der Bau von Brunnen und von Wasserrückhaltebecken genauso gehört wie Beratungen und Schulungen in Weidewirtschaft und nachhaltigem Ackerbau, sollen die Menschen in Ostafrika befähigen, auch längere Trockenzeiten zu überstehen: Siehe auch: Äthiopien: Vorsorge vor Dürrekrisen

Emissionen und Katastrophen nehmen zu

Ein Ende der Erderwärmung ist nicht absehbar. Nach jüngsten Zahlen des US-Energieministeriums ist der Ausstoß des Treibhausgases Kohlendioxid im vergangenen Jahr so rasant gestiegen wie noch nie. Weltweit wurden danach 564 Millionen Tonnen Kohlendioxid mehr als 2009 in die Atmosphäre geblasen, ein Anstieg um sechs Prozent. Der Anstieg der weltweiten Emissionen übertreffe die schlimmsten Erwartungen des Zwischenstaatlichen Ausschusses über Klimaveränderungen (IPCC). Dieser ging bislang bereits von einer Erderwärmung von 2,4 bis 6,4 Grad Celsius bis zum Ende des Jahrhunderts aus, vier Grad im Mittel seien wahrscheinlich. Nun müssten diese Prognosen sogar noch nach oben korrigiert werden.

Die Folgen für das Weltklima sind verheerend. Die Zahl und Schwere von Naturkatastrophen nimmt deutlich zu. Laut Angaben der EU-Kommission vom Oktober 2011 hat wurden im vergangenen Jahr 385 Katastrophen registriert, 1975 waren es danach noch 78. Diese Zahlen sind keine Ausreißer, sondern belegen einen deutlichen Trend, der sich weiter fortsetzt. Beispielsweise sagen Forscher künftig noch sehr viel heftigere Tropenstürme voraus. Hurrikans, Zyklonen und Taifune entstehen, wenn bei großer Hitze auf dem Meer große Wassermengen verdunsten, die mit der warmen Luft aufsteigen und mit der Corioliskraft zu drehen beginnen. Nur entwickeln sie bei höheren Temperaturen sehr viel größere Geschwindigkeiten und damit höhere Zerstörungskräfte.

Auch Zahl und Intensität heftiger und lang andauernder Niederschlagsperioden sollen laut Prognosen des IPCC und anderer Klimaforschungseinrichtungen weiter zunehmen. Zwar gilt auch für die aktuellen Fluten in Thailand, Kambodscha, Laos und Vietnam   oder in Mittelamerika , dass sie nicht unmittelbar als Folge der Klimaveränderungen zu erklären sind. Die Häufung der Ereignisse stimmt aber mit dem Prognosen der Forscher erschreckend überein.

20 Jahre Weltklimakonferenzen

 
Wie sehr das Thema Klimawandel zu einem globalen geworden ist, lässt sich am besten an den Orten der UN-Konferenzen ablesen: Alles begann 1992 in Rio de Janeiro, als auf der UN-Umweltkonferenz eine Klimarahmenkonvention verabschiedet wurde, die 1994 in Kraft trat. Dieser erste internationale Vertrag, der den Klimawandel als ernstes Problem bezeichnet und die Staatengemeinschaft zum Handeln verpflichtet, bildet bis heute die Grundlage für alle weiteren Treffen und Abkommen. Es folgten Klimakonferenzen in Berlin, Genf, Kyoto, Buenos Aires, Den Haag, Marrakesch, Neu Delhi, Mailand, noch einmal Buenos Aires, Montreal, Nairobi, Bali, Posen, Kopenhagen und Cancún.

Vom 28.November. bis 09. Dezember 2011 macht der weltweite Tross aus Regierungs- und Nichtregierungsvertretern nun Station in Durban. Schon jetzt deutet sich an, dass auch dieses Treffen wieder mehr als Vorbereitung auf das folgende angesehen wird. Denn 2012 geht es zum 20jährigen Jubiläum der Mammutveranstaltungen zurück an den Ort ihrer Entstehungen: nach Rio.

Caritas international drängt in diesem Zusammenhang auf klare Vereinbarungen zur Reduzierung klimaschädigender Emissionen und auf eine Intensivierung der Katastrophenvorsorge in den am meisten betroffenen Regionen. Das Hilfswerk der deutschen Caritas schließt sich den Forderungen an, die im Positionspapier "Anforderungen an eine gerechte und nachhaltige Klimapolitik " zu den Folgen des Klimawandels bereits 2009 formuliert wurden. Herausgegeben wurde das Papier von VENRO, einem Zusammenschluss von rund 100 deutschen Nichtregierungsorganisationen, zu denen auch Caritas international gehört.

Parallel zum Treffen der Staatsvertreter in Durban diskutieren auch Nichtregierungsorganisationen und andere zivilgesellschaftliche Akteure das Thema und bereiten Veranstaltungen und Aktionen vor. Mehr dazu findet sich unter: http://cop17insouthafrica.wordpress.com

In Deutschland wird der Klimawandel in zahlreichen Foren und Bündnissen thematisiert. Caritas international ist Mitglied der Klimaallianz: http://www.die-klima-allianz.de

November 2011

Artikel

Klimagerechtigkeit

Weltklimakonferenz in Durban