Dossier

Kolumbien

Basta ya! - Kolumbiens Krieg

Basta ya!

Kolumbiens Krieg

Der Krieg in Kolumbien – eine vergessene Krise?

Basta ya! Kolumbiens Krieg und die Hoffnung der Menschen auf ein Ende der Gewalt

Über die Kriege in Syrien, im Irak, in der Ukraine und in Afghanistan berichten die Medien fast täglich. Doch sterben auch Soldaten und Zivilisten in Ländern und Regionen, die der breiten Öffentlichkeit als Kriegsschauplätze nahezu unbekannt sind. Welche Folgen hat der Mangel an medialem Interesse für die humanitäre Hilfe und welche Auswirkungen hat das auf die Konfliktparteien selbst?

 

Medien zwischen Beobachtung und Propaganda

Wenn die Folgen eines Krieges an die Öffentlichkeit gelangen, erhöht dies den Druck auf die Vereinten Nationen und andere internationale Akteure, tätig zu werden. Doch wirke eine Berichterstattung nicht per se friedensfördernd, macht Friedens- und Konfliktforscher Sebastian Cujai deutlich. So führte in dem seit mehr als 50 Jahren andauernden Krieg in Kolumbien die Medienpräsenz nicht immer dazu, dass die Intensität der Kämpfe geringer geworden wäre. Im Gegenteil: Ende der 1990er Jahre machte der zunehmende Drogenanbau Kolumbien in den internationalen Medien zum reinen „Drogenstaat“. Der Fokus der Berichte auf die Drogenproblematik verschärfte in der Folge den Krieg und blendete den Blick auf die Opfer weitgehend aus.

Einseitige Berichterstattung kann schnell zu Propaganda werden und als solche einen Konflikt noch anheizen, während eine ausgewogene, unabhängige Berichterstattung das Handeln aller Kriegsparteien hinterfragt und die Not der Betroffenen zeigt. Diese Aufgaben haben neben den unabhängigen Medien auch viele nichtstaatliche Organisationen übernommen. So haben etwa die Berichte von amnesty international über Menschenrechtsverletzungen, über illegalen Landraub und die Vertreibung der Zivilbevölkerung in Kolumbien großes Echo in ausländischen Medien gefunden. Ein Bündnis deutscher nichtstaatlicher Organisationen – zu denen auch Caritas international gehörte – forderte im Juli 2011 den damaligen Außenminister Guido Westerwelle dazu auf, sich bei seinem Staatsbesuch in Kolumbien für die Sicherheit der Mitglieder von Menschenrechts- und Bauernorganisationen“ einzusetzen.

Der Kampf gegen das Vergessen

Die Unterstützung von Vertriebenen und zivilen Opfern und der Einsatz für die Menschenrechte ist gefährlich. Das Büro der UN-Hochkommissarin für Menschenrechte in Kolumbien verzeichnete 2015, zwischen Januar und September, 40 Tötungen von Menschenrechtsverteidigern. Außer unmittelbarer Gewalt führen auch Verbote, Zensur und erschwerte Arbeitsbedingungen dazu, dass unabhängige journalistische Arbeit kaum möglich ist.

Doch ist das nicht der einzige Grund für das „Vergessen“ von Krisen. Häufig passen Konflikte schlicht nicht ins Raster der Medien, weil beispielsweis Myanmar, der Südsudan oder der Kongo für die Medien strategisch und wirtschaftlich von geringer Bedeutung und zu weit entfernt sind.

Für die humanitäre Hilfe bedeutet dies einen Mangel an finanziellen Mitteln, da diese Konflikte wenig spendenwirksam sind. Und auch öffentliche Gelder fließen in vergessene Krisengebiete weit spärlicher als dorthin, woher regelmäßig berichtet wird: Die Bundesregierung hat im Zeitraum 2010-2013 nur fünf Prozent ihres humanitären Budgets für vergessene Krisen ausgegeben. In zehn von 21 humanitären Krisen hat sie keinerlei Finanzierung gegeben. „2013 stand Syrien mit 54,8 Prozent (183,9 Millionen Euro) an erster Stelle, die vergessene Krise Kolumbien mit der weltweit zweithöchsten Zahl an Binnenvertriebenen bekam nur 0,8 Prozent“, stellte Cornelia Füllkrug-Weitzel, Vorstandsvorsitzende des Evangelischen Werks für Diakonie und Entwicklung (EWDE) im März 2015 fest.

Stephan Günther, Mai 2016

Den ausführlichen Artikel können Sie im Dossier "Basta ya! - Kolumbiens Krieg" nachlesen.