Dossier

Kolumbien

Basta ya! - Kolumbiens Krieg

Basta ya!

Portraits

Portraits von Betroffenen

Nancy Rueda

Nancy Rueda, 8 JahreNancy Rueda, 8 Jahre

»Ich war zwei Jahre alt, als meine Mutter auf eine Mine trat. Sie hatte mich auf ihrem Rücken. Wir flogen beide meterhoch durch die Luft und wurden schwer verletzt. Aber wir hatten Glück. Wir haben beide überlebt und keine Gliedmaßen verloren. Manchmal habe ich starke Kopfschmerzen und dann sagt meine Mutter, das kommt von dem Unfall.

In der Schule lernen wir, dass wir immer die Straße entlang gehen müssen. Obwohl es über die Wiese natürlich viel kürzer wäre. Unserem Lehrer tut es leid, dass wir Kinder nicht einfach raus können. Er will einen Spielplatz bauen, direkt vor der Schule, wo wir herumtoben können.

Am Abend müssen alle rein. Nach sieben Uhr darf keiner mehr raus, sagen die Männer. Sie haben unserem Lehrer auch verboten, mit Helm Motorrad zu fahren, obwohl er einen sehr empfindlichen Kehlkopf hat. Aber die Männer haben gesagt: Wenn du keine Kugel im Kopf haben willst, dann fahr ohne Helm!«

Luis Sinistera

Luis Sinistera, 32 Jahre, vier KinderLuis Sinistera, 32 Jahre, vier Kinder

»Ich lebe mit meiner Familie in einer kleinen Gemeinde am Kanal. Wir leben vom Fischfang und von Kokosnüssen, aus denen wir Öl machen. Eigentlich bewirtschaften wir auch einige Felder ein Stück weiter oben, aber der Weg dorthin ist gefährlich. Schon zwei Mal mussten wir unser Dorf verlassen, weil sich bewaffnete Gruppen direkt vor unserer Haustür Gefechte lieferten. Mit Hilfe der Caritas bin ich zurückgekehrt. Wovon hätte ich meine Familie in der Stadt ernähren sollen?

Eigentlich sind wir hier 15 Familien mit 20 Kindern. Aber nach unserer letzten Vertreibung sind nicht alle wieder mit zurückgekommen. Der Konflikt macht die Dorfgemeinschaft kaputt. Ich hoffe, dass der Frieden irgendwann tatsächlich auch hier ankommt. Meine Kinder sollen zur Schule gehen und eine Ausbildung machen können. Mein größter Wunsch ist, dass es ihnen einmal besser gehen wird als uns heute.«

 

Mona Fente

Mona Fente, 43 Jahre, vier KinderMona Fente, 43 Jahre, vier Kinder

»2007 musste ich das erste Mal fliehen. Wir waren gerade weiter im Süden, um zu arbeiten, als wir aufgrund eines Gefechts zwischen dem Militär und der FARC fliehen mussten. Wir kamen zurück in mein Heimatdorf, bis es im Mai 2014 auch dort zu einer Attacke kam. Das Militär bombardierte eine Guerilla-Zusammenkunft. Mehrere Dörfer lagen in der Schusslinie, wir waren eins davon. Als die Explosionen immer näher kamen, sind wir noch in der Nacht geflohen. Zusammen mit 60 anderen Dorfbewohnern.

Seither lebe ich mit meiner Mutter und meinen Söhnen in der Stadt. In unserer Siedlung leben lauter Vertriebene. Wenn es nicht regnet, haben wir kein Wasser. Das ist schlimm, denn meistens haben wir kein Geld, um uns welches zu kaufen. Mein Mann ist zurückgegangen und arbeitet wieder oben in den Bergen. Ich weiß nicht, ob und wann wir alle wieder zurückgehen werden. Die Kinder gehen inzwischen hier in die Schule. Arbeit habe ich keine. Es ist schwierig, wenn alles so zerrissen ist.«

Infos zur Ausstellung "Basta ya! - Kolumbiens Krieg"