Dossier

Kolumbien

Basta ya! - Kolumbiens Krieg

Basta ya!

Kolumbiens Krieg

Rechte sichern und Schutz bieten

Philipp Lang, Projektreferent für Kolumbien bei Caritas internationalPhilipp Lang, Projektreferent für Kolumbien bei Caritas international

Kolumbien ist ein Land der Widersprüche. Ganze Gemeinden im ländlichen Raum sind der Gewalt bewaffneter Akteure weitgehend schutzlos ausgeliefert, staatliche Institutionen sind dort nicht vorhanden oder korrupt, und wer als Konfliktopfer seine Rechte einfordert, wird bedroht. Extreme Ungleichheit und strukturelle Armut bestimmen die Realität. Demgegenüber besteht in weiten Landesteilen ein hoch entwickelter und handlungsfähiger Staat. In diesem Spannungsfeld bewegt sich die Humanitäre Hilfe, die nicht materielle Unterstützung und die Sicherung von Grundbedürfnissen im Vordergrund stehen hat, sondern den Schutz und die Selbstorganisation der benachteiligten Gemeinden.

Gemeinsam mit der Caritas Kolumbien hat Caritas international in den vergangenen Jahren Ansätze entwickelt, wie vom Konflikt betroffene Gemeinden unterstützt werden können:

Schutz durch Präsenz

Die Krisenregionen in Kolumbien liegen meist in abgelegenen Gegenden des Landes, die von strategischem Interesse für die bewaffneten Gruppen sind – sei es zum Anbau von Drogen oder zur Umsetzung agroindustrieller Großprojekte. Durch Vertreibungen, gezielte Bedrohungen und die Einschränkung der Bewegungsfreiheit sichern sich die bewaffneten Akteure die territoriale Kontrolle.

Der Zugang für humanitäre Organisationen zu diesen Regionen ist oft sehr eingeschränkt. Die Handlungsfähigkeit der Caritas basiert darauf, dass sie als neutraler Akteur wahrgenommen wird. Daher hat die Präsenz der Projektteams eine Schutzfunktion, die von den Gemeinden immer wieder als eine der wichtigsten Wirkungen der Projekte bestätigt wird. Durch die regelmäßigen Projektbesuche wird allen bewaffneten Akteuren signalisiert, dass etwaige Übergriffe gegen die Zivilbevölkerung dokumentiert und auf nationaler und internationaler Ebene bekannt gemacht werden.

Rechte-basierte Ansätze

Alle Opfer des bewaffneten Konfliktes haben Anspruch auf staatliche Unterstützung, ihnen steht die Rückgabe von Land und die juristische Aufarbeitung von Menschenrechtsverletzungen zu. Die Unkenntnis der Betroffenen über die jeweiligen Regelungen erschweren es jedoch, entsprechende Unterstützung einzufordern. Hier setzt die juristische Beratung durch die Caritas an. In Schulungen informiert sie die Familien über ihre Ansprüche. Die Begleitung durch die Caritas bietet Schutz gegen Repressalien, gezieltes Nachfragen bei Behörden beschleunigt oft die Bearbeitung. Auf diese Weise konnten viele Konfliktopfer ihre Rechte wahren und mit staatlicher Unterstützung einen Neustart schaffen.

Psychosoziale Begleitung und Stärkung des Gemeinwesens

Die meisten vertriebenen Familien stranden in Siedlungen in städtischen Randgebieten. Sie sind ihrer Existenzgrundlage beraubt, oft sind sie traumatisiert. Die Caritas versorgt sie mit Nahrungsmitteln und bringt sie in Notunterkünften unter. Außerdem sorgt sie für psychosoziale Begleitung durch Sozialarbeiter und Psychologen. Gemeinsame Aktivitäten führen dazu, dass sich gegenseitiges Vertrauen aufbaut.

Ausblick

Die Freude über die Chancen, die mit einem formellen Friedensabkommen verbunden sein werden, dürfen nicht dazu führen, dass die schwierige humanitäre Lage in vielen Regionen des Landes aus dem Blick gerät. Die Frage, ob der kolumbianische Staat bereit ist, gegen Gewaltakteure und ihre Unterstützer in Politik und Wirtschaft vorzugehen, ist von entscheidender Bedeutung. Auf Dauer kann nur mehr Gerechtigkeit den Frieden im Land sichern.

Philipp Lang, gekürzte Fassung

Den ausführlichen Artikel können Sie im Dossier "Basta ya! - Kolumbiens Krieg" nachlesen.