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Afrika

Rechte für Kinder

Benin: Perspektiven
für Kinder in Not

Für viele Kinder in Benin bedeutet Weihnachten alles -
nur leider oft nicht Familie!


Benin: Weihnachtsfeier

„Die Caritas Cotonou konnte am Mittwoch, den 20. Dezember, auch dank der Unterstützung von Caritas international mit mehr als 200 Kindern aus sehr schwierigen Verhältnissen ein Weihnachtsfest feiern. Die Kinder und Jugendlichen kommen aus den unterschiedlichen Einrichtungen der Caritas bzw. sind den Caritas-Sozialarbeitern über die vielen Aktivitäten auf den Märkten bekannt. Die Feierlichkeiten begannen mit einem gemeinsamen Eröffnungsgottesdienst. Danach wurde viel getanzt, gesungen, traditionelle Folklore dargeboten und schließlich feierlich gegessen. Auch Monsignore Antoine Ganye, der Erzbischof von Cotonou, ließ sich das Weihnachtsfest zusammen mit den Jugendlichen nicht nehmen. Die Sozialarbeiter der Caritas haben alles dafür getan, den Tag für die Kinder zu einem ganz besonderen zu machen. Im Namen des Teams und der Kinder möchte ich mich bei allen bedanken, die dies mit ihrer Unterstützung möglich gemacht haben.“

Alexandre Degnon, Projektkoordinator der Caritas Cotonou


Benin gehört politisch zu den stabilen Staaten Afrikas. Doch in den Bereichen Gesundheitsversorgung, Bildung und gesellschaftliche Teilhabe hat Benin großen Nachholbedarf. Jeder Zweite lebt unterhalb der absoluten Armutsgrenze. Viele Kinder lernen früh, für ihr Überleben selbst zu sorgen. Helfen Sie, diesen Kindern Perspektiven zu geben!

Auf den Märkten der Hafenstadt Cotonou trifft man Kinder in großer Zahl und jeden Alters. Häufig helfen sie - anstatt zur Schule zu gehen – Erwachsenen beim Verkauf. Nicht immer sind es ihre eigenen Eltern, denn in Benin ist es Tradition, dass gerade arme Familien aus den Dörfern ihre Kinder als Arbeitskraft zu entfernten Verwandten in die Städte schicken. Viele Familien in Benin sind so arm, dass sie schlichtweg nicht in der Lage sind, ihre Kinder zu ernähren. Immer wieder entscheiden sich die Kinder daher „freiwillig“, ihre Familie zu verlassen. Sie entwickeln ihre eigenen Überlebensstrategien gegen den täglichen Hunger, auf den Straßen, in kleinen Werkstätten oder in privaten Haushalten. 

Als besonders heißes Pflaster gilt der mit etwa 20 Hektar größte Gemüse- und Handwerkermarkt Westafrikas: Dantokpa. Schätzungen zufolge arbeiten auf dem Markt etwa 3.000 Kinder. Nicht selten sind sie weit unter 14 Jahre, dem offiziellen Mindestalter für Arbeitskräfte in Benin. Viele dieser Kinder leben von und bei ihren Handwerksmeistern, die sie „Patrons“ nennen. Geld bekommen sie in der Regel nicht, aber sie werden mit dem Lebensnotwendigen versorgt – und das ist offenbar mehr als das, was ihnen ihre Familien bieten können.

Die Geschichte von...

Aliou, der tapfere Schneider

Der heute 18-jährige Aliou kennt das Leben in Dantokpa aus eigener Erfahrung. Er war ganz auf sich alleine gestellt, als ihn sein Vater kurz vor seinem Tod einem Handwerker im Dantokpa-Markt übergab. „Ich war damals elf Jahre alt“, erinnert sich Aliou, „nachts suchte ich mir meist einen Schlafplatz in einem der leer stehenden Marktstände.“ Die Jungs beginnen auf dem Markt oft als Lastenträger, schleppen Werkstoffe und andere Gegenstände. Aliou hatte das Glück, auf einen Handwerker zu stoßen, der dem „Senior-Netzwerk“ angehörte, welches von ehemaligen Straßenkindern gegründet wurde, die über das Projekt der Caritas ausgebildet wurden. Dieser schickte Aliou zum Alphabetisierungskurs im offenen Zentrum der Caritas, welches sich am Rand des riesigen Marktes befindet. Dort erfuhr er von der Möglichkeit, eine Ausbildung zum Schneider und Sticker zu absolvieren und war sofort fasziniert von der Idee. Das ist nicht immer so, viele der Kinder haben sich mit ihrer scheinbaren „Selbständigkeit“ arrangiert, nutzen die Caritas-Anlaufstelle zunächst nur, um wieder zu Kräften oder um beim Spielen und Tanzen auf andere Gedanken zu kommen. „Manchmal“, erzählt Sozialarbeiterin Zenaide Adjin, „schalte ich mitten im Tanz die Musik aus und sage, dass wir erst weiter tanzen, wenn sie mir zugehört haben.“ Dann hat Zenaide die Aufmerksamkeit der Jungs auf ihrer Seite und sensibilisiert die Jungs für die Chancen, die sich ihnen in der Zukunft noch eröffnen könnten, wenn sie die Angebote der Caritas wahrnehmen. Aliou hat sie jedenfalls genutzt: In diesen Tagen feierte er seinen erfolgreichen Abschluss. Noch arbeitet und schläft er im Atelier seines Schneidermeisters, doch er ist guten Mutes, dass er schon bald sein eigenes kleines Atelier aufmachen kann. Er muss nur noch einen Platz finden, wo er sein Geschäft eröffnen kann. Ein kleine Grundausstattung hat er zur Diplomfeier von der Caritas bereits bekommen. Aliou würde dann gerne auch andere Jugendliche ausbilden, die sich vielleicht in einer ähnlichen Situation befinden wie er noch vor wenigen Jahren.

So können Sie jungen Menschen wie Aliou helfen:

Ella will ihr Leben selbst in die Hand nehmen

Die Hoffnung, eine Ausbildung anzufangen, hegt auch die 14-jährige Ella. Die Schule musste sie abbrechen, weil ihr zur Anmeldung für das Examen zum Übergang in eine weiterführende Schule das Geld und eine Geburtsurkunde fehlten. Ihre kleine Schwester wurde von der Grundschule nach Hause geschickt, weil sie keine Hefte hatte. Aus Scham ist sie nie zurückgekehrt, hilft seither ihrer Mutter beim Verkauf von selbst gekochtem Essen auf dem Markt. Ihr älterer Bruder schlägt sich als Tänzer mit einer Gruppe von Jungs auf der Straße durch. Zusammen mit ursprünglich drei weiteren Geschwistern – eines war krank und ist gestorben – lebt sie mit ihrer Familie in einem äußerst bescheidenen Häuschen, das sie vom Großvater geerbt haben. In seiner Verzweiflung, Ella keine Zukunft bieten zu können, suchte der Vater das Caritas-Zentrum Agontinkon auf und bat darum, Ella in eine Familie zu vermitteln, wo sie es besser haben würde. Ella äußerte zudem den Wunsch, im Zentrum zur Friseurin ausgebildet zu werden, doch das Geld der Familie würde nicht einmal für die täglichen Fahrtkosten reichen. Ella wohnt zu weit weg, und zudem in einem Viertel, welches für Kleinkriminalität und Prostitution bekannt ist. „Die andere Gefahr ist, dass die Familie Ella als Vidomigon in einen fremden Haushalt vermitteln lässt“, erklärt Sozialarbeiter Wilfried Lissa, der sich dem Fall angenommen hat. Vidomigon heißt „enfant placé“ (Deutsch: umplatziertes Kind) und beschreibt das Phänomen, Kinder in Haushalten von Verwandten arbeiten zu lassen. In den letzten Jahren hat sich jedoch ein Geschäft entwickelt, bei dem vor allem arme Familien aus den Dörfern profitieren, indem sie ihre Töchter gegen eine monatliche Bezahlung als Arbeitskraft in fremde Haushalte schicken - ohne Schutz vor Ausbeutung und Misshandlung. Offiziell ist diese Form der Beschäftigung nicht erlaubt. 

Eine Pflegefamilie, die Ella zumindest für die Zeit ihrer Ausbildung aufnimmt, wäre für das Mädchen aus dem Problemstadtteil in Cotonou eine Option. Die Sozialarbeiter der Caritas haben bereits erste Gespräche mit einer Frau geführt, die ganz in der Nähe der Caritas-Ausbildungsstätten wohnt und bereit wäre, Ella aufzunehmen. Die potentielle Gastmutter hat deutlich gemacht, dass sie das Mädchen nicht als Haushaltshilfe braucht, sondern ihr gerne eine bessere Zukunft ermöglichen würde. „Noch ist nichts entschieden, wir werden natürlich zusammen mit Ella und ihrer Familie alle Möglichkeiten durchspielen. Unter den gegebenen Umständen könnte es für Ella aber eine gute Chance sein, ihr schwieriges Umfeld bis zur Beendigung ihrer Ausbildung zu verlassen“, gibt sich der Sozialarbeiter hoffnungsvoll. Sollte sich die Pflegefamilie als beste Lösung herausstellen, hätten sowohl Ella als auch ihre Eltern ein vertraglich zugesichertes Besuchsrecht. So könnte sich Ella ihren Traum von der Friseurausbildung verwirklichen und danach vielleicht sogar ihre Familie unterstützen.

So können Sie Kindern wie Ella helfen:

Das Schicksal der kleinen Noelie und ihrer Mutter

Die Caritas unterstützt seit Jahren auch Kindern in besonders schwierigen Lebenslagen im ländlichen Raum und im städtischen Umland, zum Beispiel in der Diözese Porto-Novo, wo das Caritas-Team in Zusammenarbeit mit dem Familien- und Sozialamt (Centre de Promotion Sociale) und den örtlichen Schulen 250 extrem vulnerable Kinder identifiziert hat. Eines von ihnen ist Noelie. Ihre Mutter ist nach dem tragischen Tod ihres Mannes und dem kurz darauf an schwerer Krankheit verstorbenen neun Monate alten Brüderchen von Noelie, für dessen Überleben die Mutter verzweifelt gekämpft hatte, in einen komatösen Zustand gefallen. Zwischenzeitig verlor sie sogar ihre Sprache und ist noch immer schwer traumatisiert. „Häufig ist es jedoch nicht der Verlust eines Familienangehörigen selbst, der den Kindern am meisten zu schaffen macht“, berichtet Caritas-Psychologin Gisele Housinom, „sondern der damit einhergehende Zerfall der familiären Strukturen und der wirtschaftlichen Stabilität.“ Da die Mutter – abgesehen von ihrem psychischen Zustand – auch noch unter einem eingeschränkten Sehvermögen leidet, ist sie kaum in der Lage, einer regelmäßigen Arbeit nachzugehen. Darüber, dass ihre Tochter dennoch die Schule besuchen kann, ist sie sehr dankbar. Die Caritas ermöglicht Noelie dort den Kauf eines warmen Mittagessens. Zudem wird die Familie über das Fachkräfteteam der Caritas psychosozial unterstützt und von ehrenamtlichen Begleitern regelmäßig besucht. Die Ehrenamtlichen Adelaide und Oscar, die im selben Ort wie Noelie wohnen, erkundigen sich fast täglich nach ihr und melden den Sozialarbeitern der Caritas, wenn es Probleme gibt oder Noelie krank ist. Zudem schauen sie bei der Essensausgabe in der Schule, dass die von der Caritas unterstützten Kinder ihre Essensmarken einlösen. Ein besonderes Highlight für die Kinder ist das viertägige Camp, bei dem neben Spielen und sportlichen Aktivitäten jedes Kind seine persönliche „Memory Box“ erstellt. Es handelt sich dabei um eine Methode zur Vergangenheitsbewältigung sowie zur Entwicklung eines individuellen „Zukunftsplans“, der den Kindern Hoffnung und Kraft geben soll. Einer der Gegenstände, die Noelie in ihre Box gepackt hat, ist der Text der Camp-Hymne sowie ein Foto ihrer Mutter, ihres verstorbenen Brüderchens und ihres Vaters, den sie noch immer sehr vermisst.

So können Sie Kindern wie Noelie helfen:

Florice' Traum von einer Familie

Auch der 17-jährige Florice trauert seinem Vater nach, den er zuletzt vor etwa acht Jahren gesehen hat. Das war in einer Kirche, in der ihn der Vater mit den Worten „ich hole dich später wieder ab“ hat stehen lassen und nie wieder zurückkehrte. Nach dem Tod seiner Mutter, an die Florice keine Erinnerung mehr hat, war der Vater offensichtlich überfordert mit der Versorgung und Erziehung des Jungen. Nachdem man ihm in der Kirche erklärte, dass er dort nicht langfristig bleiben könne und ihn der Jugendschutzpolizei übergab, wurde Florice zu seinem Elternhaus zurückgebracht, doch von seinem Vater fehlte jede Spur. Über mehrere Jahre schlug sich Florice alleine durch, übernachtete in unterschiedlichen Waisenhäusern, bis er 2011 schließlich vom Wohnzentrum der Caritas im Stadtteil Calavi in Cotonou aufgenommen wurde. Eigentlich ist es das oberste Ziel der Sozialarbeiter, die Kinder und Jugendlichen des Zentrums möglichst in ihre Herkunftsfamilien zu reintegrieren, doch bislang blieben alle Versuche, verbliebene Familienmitglieder von Florice ausfindig zu machen, erfolglos. Durch das Projekt besucht Florice inzwischen eine weiterführende Schule und hat vor allem Spaß am Zeichnen. Gerne würde er danach eine Ausbildung machen, am liebsten etwas, bei dem er seine reichlich vorhandene Kreativität ausspielen kann. Auf die Frage, was er sich am meisten wünscht, lässt Florice tief blicken: „Ich will unbedingt meine biologische Familie wiederfinden“. Aber auch eine Pflegefamilie möchte Florice nicht ausschließen, auch wenn ein erster Versuch bereits gescheitert ist, weil die Pflegemutter den Jungen mit zu hohen Erfolgserwartungen belastete und Florice sich nicht wohl fühlte. 

So können Sie Kindern im Wohnzentrum helfen:

Perspektiven für Kinder wie Aliou, Ella, Noelie und Florice

Benin: Ein Fest für alle

Seit mehreren Jahren unterstützt Caritas international die Arbeit der Caritas Benin zur Durchsetzung von Kinderrechten in Benin. Insgesamt konnten wir - vor allem Dank des Einsatzes der über die Maßen engagierten Sozialarbeiter - die Situation von rund 10.000 Kindern entscheidend verbessern und ihnen durch psychosoziale Unterstützung sowie durch Schul- und Ausbildung neue Perspektiven für ihr Leben gegeben. Bitte tragen Sie mit ihrer Spende dazu bei, dass wir diese Arbeit mit der selben Intensität fortführen und noch mehr Kinder auf dem Weg zu einem selbstbestimmten Leben begleiten können.